Deutsche Sprache, ...

So viele bunte, unnütze Bereiche!

von am Feb 25, 2014
Bereich

Wenn einer eine neue Bleibe sucht, dann kann er einiges berichten. Nicht nur von überhöhten Preisen und windigen Vertragspartnern, sondern auch von fragwürdigen Objektbeschreibungen. Die Rechtschreibfehler sind dabei noch das kleinste Problem dieser sogenannten Exposés. Viel schlimmer finde ich, dass mittlerweile sogar dort „Bereiche“ geschaffen werden, in denen wir gar keine brauchen.

Unsere vielfältigen Lebensbereiche

So könnte eine Beschreibung beispielsweise lauten: „Im Erdgeschossbereich schließt sich an einen großzügigen Empfangsbereich ein weitläufiger Ess- und Wohnbereich an, von dem der Küchenbereich abgetrennt wurde. Durch eine massive Holztreppe gelangt man in den Obergeschossbereich, in dem sich drei Schlafbereiche und ein Nassbereich befinden. Der Kellerbereich ist durch einen Treppenabgang im Außenbereich erreichbar.“

Ich gebe zu, dass ich diesen Text etwas überspitzt formuliert habe. Jedoch wirklich nur etwas. In den letzten Monaten und Jahren habe ich von so vielen Bereichen gelesen, dass ich mich mittlerweile selbst dabei erwische, das Wort „Bereich“ an Wörter anzuhängen, die wunderbar ohne diesen Zusatz auskämen.

Besser als „Bereiche“

Gute Texte sind kurz und knapp – und wenn wir die Wahl haben zwischen einem langen und einem kurzen Wort, dann sollten wir immer das kurze wählen. So wird …

  • Erdgeschossbereich – zu – Erdgeschoss
  • Empfangsbereich – zu – Diele
  • Küchenbereich – Küche
  • Obergeschossbereich – zu – Obergeschoss
  • Nassbereich – zu – Bad
  • Kellerbereich – zu – Keller
  • Außenbereich – zu – Hof oder Garten.

Zwar nicht kürzer, jedoch deutlich gängiger sind daneben die Wörter Wohnzimmer und Schlafzimmer anstatt Wohnbereich oder Schlafbereich.

Ich weiß nicht, woher diese Marotte stammt. Ich weiß nur, dass ich sie affig finde. Da versucht jemand gebildet zu klingen und verwechselt dabei eloquent mit kompliziert.

Bereiche in anderen Bereichen

Arbeitsbereich, Lebensbereich, Ruhebereich, Partybereich, Freizeitbereich, Freiluftbereich, Wellnessbereich, Toilettenbereich, Nackenbereich, Sekundenbereich, Familienbereich, Abendbereich, und so weiter …

Und was sind Ihre „Lieblingsbereiche“?


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Neudeutsch für Anfänger

Das ist doch keine Rocket Science!

von am Jan 20, 2014
wertfreier Journalismus

Es gibt Momente in unserem Büroalltag, da brauchen wir etwas länger. Vielleicht hat der Nachwuchs die ganze Nacht geweint, wir kurieren noch eine Erkältung aus oder sind schlichtweg mit dem falschen Fuß aufgestanden. In solchen Momenten erscheint uns die neue Software furchtbar unlogisch, wir sortieren Dinge falsch oder brauchen eine halbe Ewigkeit für sonst einfachste Handgriffe. Dies sind selbstredend die Momente, in denen wir beim Schludern ertappt werden und uns dann folgenden Satz sagen lassen dürfen: „Meine Güte, das ist doch keine Rocket Science!“

Wenn wir nur den englischen Ausdruck am Ende des Satzes übersetzen, bedeutet dieser Spruch:

  • Meine Güte, das ist doch keine Raketenwissenschaft!

Etwas freier übersetzt könnte man sagen:

  • Meine Güte, das ist doch keine höhere Mathematik!
  • Meine Güte, das ist doch nicht so schwer!
  • Meine Güte, das ist doch nicht so kompliziert!

Jedoch könnten wir auch versuchen, zwischen den Zeilen zu lesen. Und hier stünde dann beispielsweise:

  • Meine Güte, stellen Sie sich doch nicht so blöd an!
  • Meine Güte, wie begriffsstutzig kann man denn sein?
  • Sicher, dass Sie den richtigen Beruf gewählt haben!

Sicherlich müssen wir nicht immer vom Schlimmsten ausgehen, wenn wir diesen Satz gesagt bekommen. Doch selbst wenn unser Gegenüber sonst eine hohe Meinung von uns hat, hält er uns in dieser Situation für unfähig.

Daher sollten wir uns genau überlegen, ob wir diesen Satz selbst einmal verwenden. Denn selbst wenn er in einer Situation noch so angebracht scheint, kann er das Klima für lange Zeit vergiften. Schließlich lässt sich niemand gerne sagen, dass er unfähig ist. Und es gibt weitaus bessere Wege, konstruktive Kritik zu üben.


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Einfach schön schreiben

Partizipien vermeiden – der Verständlichkeit wegen

von am Jan 13, 2014

Der lesende Beobachter dieses Blogs hat längst erraten, dass ich der schreibenden Zunft angehöre. Als handelnde Frau ist es mir ein Anliegen, meine beschreibenden Texte in einer einfangenden Art zu präsentieren. — Und wenn Sie sich gerade fragen, warum ich dafür eine solch furchtbare Sprache wähle, haben Sie das Problem meines heutigen Beitrags bereits erkannt: der unnütze Gebrauch von Partizipien.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht über ein kompliziertes Partizip stolpere: In Fernsehen, Hörfunk, Printmedien und Internet finden wir sie ständig, die „noch zu lösenden Probleme“, die „stattgefundenen Konferenzen“, die „eingetretenen Katastrophen“ und die „abwartenden Politiker“. Dabei sind diese Partizipien nicht nur kompliziert, sondern manchmal auch falsch.

Wir unterscheiden zwei Arten von Partizipien:

Partizip Präsens: die singende Frau >>> die aktive Form
Partizip Perfekt: das gescholtene Kind >>> die passive Form

Beim Partizip Präsens handelt das Subjekt, das näher beschrieben wird: Die Frau singt = die singende Frau. Beim Partizip Perfekt wird etwas mit dem Subjekt gemacht: Das Kind wurde gescholten = das gescholtene Kind.

Damit zeigt sich, dass die „stattgefundenen Konferenzen“ und die „eingetretenen Katastrophen“ grammatikalisch falsch sind, denn die Konferenzen wurden nicht stattgefunden und die Katastrophen nicht eingetreten. Doch abgesehen davon, sind diese Partizipien auch hässlich und unverständlich.

Das Partizip als Adjektiv

In all meinen Beispielen übernimmt das Partizip die Aufgabe eines Adjektivs – und diese sollten wir nur in Maßen verwenden. Doch im Gegensatz zu einem normalen Adjektiv muten Partizipien zudem unnatürlich an. Oder sprechen Sie in einer Unterhaltung von Ihrem „noch zu mähenden Rasen“ oder Ihren „gehaltenen Vorträgen“? Nein, denn in der mündlichen Sprache hört sich das viel zu hochgestochen an. Daher sollten wir auch unsere Texte nicht so schreiben; egal, ob Briefe, Fernsehkommentare, Hörfunkbeiträge, Pressemitteilungen, Nachrichten oder Blog-Artikel. Unsere Leser werden es uns danken.


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Deutsche Sprache, ...

Bild-Sonderausgabe: 41 Millionen Mal Verblödung

von am Sep 24, 2013

Deutschland hat gewählt. Endlich ist der Spuk vorbei. Endlich keine Sonntagsfragen und falschen Prognosen mehr. Und auch die Sonderausgabe der Bild-Zeitung liegt dort, wo sie hingehört: im Müll. Jeder deutsche Haushalt hat ein Exemplar bekommen. Ob er wollte oder nicht. Ich wollte keine Ausgabe, fand sie aber trotzdem am Samstag im Briefkasten. Damit nahm das Übel seinen Lauf.

Schon die Aufmachung des Blattes hätte mir Abschreckung sein sollen. Wenn die Werbung auf der Titelseite origineller ist als der redaktionelle Teil, kann das nichts werden. Doch ich bin ein Naseweis und blätterte trotzdem kurz durch. Was ich fand, war Volksverdummung erster Güte. Diese gipfelte in einer sprachlichen Unverschämtheit, die mir immer noch die Nackenhaare nach oben treibt:

Bild.2
Abstandhalter

Wissen Sie Politik? WISSEN SIE POLITIK? Was, in aller Welt, hat solch ein Satz in einem Produkt verloren, das für sich selbst den Anspruch erhebt, journalistisch zu sein. Bitte kneife mich jemand! Bitte sage mir einer, dass das ein Scherz ist! Bitte, bitte, bitte, verspreche mir jemand, dass kein Schüler diese Überschrift gelesen hat! Wir müssen uns nicht wundern, wenn die Sprachkompetenz unserer Jugend in den Keller rauscht – bei diesen Vorbildern.

Wissen Sie Politik? Diese Überschrift ist nicht witzig. Sie ist nicht pfiffig. Sie ist noch nicht einmal innovativ (mein Lieblingswort). Sie ist schlichtweg falsch und eine Beleidigung für jeden Menschen, der normales Deutsch spricht. Wenn ich solch einen Satz lese, dann höre ich förmlich, wie mir die Redaktion zuraunt: „Lieber Leser, du bist ein Trottel, der keinen geraden Satz hinbekommt. Also lassen wir uns huldvoll auf dein Niveau hinab.“

Und die Moral dieser Geschichte: Wenn die Bild-Zeitung das nächste Mal eine kostenlose Sonderausgabe ankündigt, werde ich unser Briefkastenschild erweitern.

Keine Werbung und Anzeigenzeitungen und KEINE Bild-Zeitung!


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Einfach schön schreiben

Schöne Texte müssen sich schön anhören

von am Aug 29, 2013

Redakteure und Journalisten müssen sich und ihre Texte quälen, wenn sie gelesen werden wollen. Was es hierbei zu beachten gilt, habe ich schon in vielen Artikeln beschrieben. Doch kann man sich als Texter nie sicher sein, dass man alle Anforderungen erfüllt. Und wer als Einzelkämpfer im Büro sitzt, hat noch nicht einmal einen Gegenleser zur Hand.

Ist mein Text spannend genug? Habe ich alle wichtigen Fakten verständlich erklärt? Ist meine Sprache so einfach, dass der Leser gerne bis zum Ende bleibt? Selbst wenn wir keinen Gegenleser haben, können wir uns diese Fragen selbst beantworten – indem wir uns unseren eigenen Text laut vorlesen.

Sicherlich ist die Vorstellung alles andere als verlockend: Da sitzen wir in unserem Büro und lesen uns selbst etwas vor. Jeder, der hereinkommt, muss uns für verrückt halten. Doch führt uns dies wieder an den Anfang: Wir müssen uns etwas quälen, wenn unsere Texte gut werden sollen.

Drei Vorteile des lauten Vorlesens

  1. Wir lesen langsamer und nehmen dadurch Rechtschreibfehler wahr, die wir vorher übersehen haben.
  2. Wir erkennen, an welchen Stellen wir ins Stocken geraten. Diese Stolperfallen könnten uns später Leser kosten.
  3. Mit der richtigen Betonung hören wir, ob unser Text mitreißend oder langweilig ist.

Nach der lauten Lektüre haben wir die Möglichkeit, alle Rechtschreibfehler, schwierigen Formulierungen und zähen Passagen zu verbessern. Der Leser wird uns diese Mühen danken.

Fazit

Generell lesen sich Texte leichter, die an unsere mündliche Sprache angelehnt sind. Daher ist das laute Vorlesen sein sehr gutes Mittel, seine eigenen Schriften zu überprüfen. Wenn Texte für das Ohr verständlich sind, dann sind sie es auch für das Auge. Dennoch sollte man selbstverständlich auf Umgangssprache, Füllwörter und dergleichen verzichten.


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Einfach schön schreiben

Verben austauschen, wechseln, variieren – zwei gute Gründe

von am Aug 8, 2013

In einem früheren Beitrag hatte ich darüber geschrieben, wie man die Zeichen, Silben und Sekunden zwischen zweigeteilten Verben reduzieren kann. Damals hatte ich mein Augenmerk darauf gelegt, einen langen Satz in zwei kurze zu verwandeln. Doch gibt es einen weiteren Weg, den wir alle kennen, jedoch allzu häufig vergessen: Synonyme. Hierbei rede ich nicht von Synonymen für Hauptwörter, denn diese sind in den meisten Fällen schlecht und daher zu vermeiden. Ich rede von einer abwechslungsreichen Sprache, die sich durch schöne Verben auszeichnet.

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