Einfach schön schreiben

Partizipien vermeiden – der Verständlichkeit wegen

von am Jan 13, 2014

Der lesende Beobachter dieses Blogs hat längst erraten, dass ich der schreibenden Zunft angehöre. Als handelnde Frau ist es mir ein Anliegen, meine beschreibenden Texte in einer einfangenden Art zu präsentieren. — Und wenn Sie sich gerade fragen, warum ich dafür eine solch furchtbare Sprache wähle, haben Sie das Problem meines heutigen Beitrags bereits erkannt: der unnütze Gebrauch von Partizipien.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht über ein kompliziertes Partizip stolpere: In Fernsehen, Hörfunk, Printmedien und Internet finden wir sie ständig, die „noch zu lösenden Probleme“, die „stattgefundenen Konferenzen“, die „eingetretenen Katastrophen“ und die „abwartenden Politiker“. Dabei sind diese Partizipien nicht nur kompliziert, sondern manchmal auch falsch.

Wir unterscheiden zwei Arten von Partizipien:

Partizip Präsens: die singende Frau >>> die aktive Form
Partizip Perfekt: das gescholtene Kind >>> die passive Form

Beim Partizip Präsens handelt das Subjekt, das näher beschrieben wird: Die Frau singt = die singende Frau. Beim Partizip Perfekt wird etwas mit dem Subjekt gemacht: Das Kind wurde gescholten = das gescholtene Kind.

Damit zeigt sich, dass die „stattgefundenen Konferenzen“ und die „eingetretenen Katastrophen“ grammatikalisch falsch sind, denn die Konferenzen wurden nicht stattgefunden und die Katastrophen nicht eingetreten. Doch abgesehen davon, sind diese Partizipien auch hässlich und unverständlich.

Das Partizip als Adjektiv

In all meinen Beispielen übernimmt das Partizip die Aufgabe eines Adjektivs – und diese sollten wir nur in Maßen verwenden. Doch im Gegensatz zu einem normalen Adjektiv muten Partizipien zudem unnatürlich an. Oder sprechen Sie in einer Unterhaltung von Ihrem „noch zu mähenden Rasen“ oder Ihren „gehaltenen Vorträgen“? Nein, denn in der mündlichen Sprache hört sich das viel zu hochgestochen an. Daher sollten wir auch unsere Texte nicht so schreiben; egal, ob Briefe, Fernsehkommentare, Hörfunkbeiträge, Pressemitteilungen, Nachrichten oder Blog-Artikel. Unsere Leser werden es uns danken.


weiterlesen

Einfach schön schreiben

Schreibblockade – gibt es so etwas überhaupt?

von am Nov 13, 2013

Das PR-Trendthema des Monats November heißt: Schreibblockade. Unzählige Beiträge dazu geistern gerade durch das WWW, so dass man schnell den Überblick verlieren könnte. Glücklicherweise hat PR-Doktor Kerstin Hoffmann zu einer Blogparade zum Thema Schreibblockade aufgerufen, in der viele Artikel gebündelt sind. Auch mein Artikel soll dort nicht fehlen, denn ich stelle mir eine ganz grundlegende Frage: Gibt es so etwas wie eine Schreibblockade überhaupt?

Die Ausgangssituation

Sicher: Wohl jeder Redakteur und Texter kennt den Moment, in dem er vor einem weißen Blatt Papier oder leeren Bildschirm sitzt und in dem ihm partout kein schöner Satz einfallen will. Der Artikel muss in wenigen Stunden fertig sein, doch Wortwitz und Sprachgenie haben sich vorzeitig in den Winterschlaf verabschiedet. Allenfalls ein paar Stichpunkte bekommt man hin – das ist aber schon der Gipfel der Kreativität. Gemeinhin wird dieser Zustand als „Schreibblockade“ bezeichnet.

Schreibblockade oder vielleicht doch eher …

Da sitzen wir nun also: Ein Thema im Kopf, aber keine schönen Worte und verständlichen Sätze in der Feder. Wir könnten schreiben, wenn uns das Ergebnis egal wäre. Doch wir tun es nicht, weil wir einen Ruf zu verlieren haben. Also starren wir auf Blatt und Monitor und verfluchen die Muse, die uns nicht küssen will.

Doch ist das tatsächlich eine Schreibblockade? Oder haben wir es hier eher mit Fällen von genereller Einfallslosigkeit, akuter Unlust, ständiger Ablenkung oder übertriebenem Perfektionismus tun? Kann es sein, dass wir eigentlich losschreiben könnten, jedoch nicht wollen, weil wir das Ergebnis fürchten? Nicht witzig genug, zu umständlich formuliert, zu ungenau, zu langweilig usw. Doch hier stelle ich die entscheidende Frage: Na, und?

Wir wissen doch alle, dass der erste Wurf nie perfekt ist. Also, warum nicht einmal eine vollkommen verschrobene Version hinknallen und auf diesem Scherbenhaufen aufbauen? Mir persönlich macht es einen Heidenspaß, meine eigenen Texte komplett zu zerpflücken – zumal ich keine Angst haben muss, dass der Kunde beleidigt ist.

Wie schreibe ich, wenn ich eigentlich nicht schreiben kann?

  • Wenn möglich schreibe ich Pressemeldungen, Blog-Posts und andere Texte nicht erst am Tag der Abgabe, sondern nehme sie mir mit etwas Vorlauf zur Brust. Je nach Tagesform kommt hierbei sofort ein hübscher Beitrag heraus oder nur eine erste Ideensammlung mit vereinzelten Sätzen. In letzterem Fall schreibe ich an einem anderen Tag weiter, an dem ich weniger einfallslos, unmotiviert, abgelenkt oder perfektionistisch bin.
  • Eilige Aufträge kann ich selbstredend nicht so lange reifen lassen. Komischerweise muss ich das auch nicht, denn für gewöhnlich reicht die Deadline im Nacken aus, um aus mir einen topmotivierten, konzentrierten Schreiber zu machen.
  • Dann gibt es noch die Artikel, die zwar nicht dringend sind, jedoch geschrieben werden sollten, solange ich ausnahmsweise etwas Luft habe. Bei diesen kann ich mich mit folgenden Mitteln austricksen (funktioniert übrigens auch, wenn eine Deadline als Druckmittel nicht ausreicht).
    1. Die ersten Sätze eines Artikels müssen perfekt sein. Doch wenn ich merke, dass mir gerade nichts Perfektes einfallen will, steige ich einfach an einer späteren Stelle ein. Für gewöhnlich platzt dadurch der Knoten.
    2. Das hört sich jetzt komisch an, aber ich unterhalte mich auch gerne mit imaginären Zuhörern über das Thema meines geplanten Artikels. Meine Argumente quatsche ich einfach in mein Handy und schicke mir den Text per E-Mail. So weiß ich zum einen, dass sich die Sätze gut anhören. Zum anderen muss ich die einzelnen Elemente meist nur noch verbinden.
    3. Manchmal bin ich einfach frustriert vom Anblick meines langweiligen Schreibtisches und ideenlosen Arbeitszimmers. Dann schnappe ich mir das iPad oder einen Stift mit Block und verkrümele mich an einen anderen Ort. Und schon sieht die Ideenwelt viel freundlicher aus.
    4. Oder ich schreibe einfach los. Ich lasse Satzmonster und Wortungetüme zu und bringe stur alle Fakten zu Papier. Danach schließe ich die Datei, mache mir einen Milchkaffee und fünf Minuten Pause. Dann öffne ich die Datei wieder und redigiere meinen ersten Entwurf. Redigieren finde ich ohnehin einfacher als schreiben.

Mein Fazit

Eine Schreibblockade ist nicht die Unfähigkeit zu schreiben, sondern nur ein Sammelbegriff für all die kleinen Dinge, die sich wie ein Schleier auf unsere Inspiration legen können. Wir sollten dem Schreckgespenst „Schreibblockade“ gar nicht diesen großen Stellenwert beimessen. Denn wie hieß es bei Harry Potter einst so schön: „Fear of a name only increases fear of the thing itself.“

Eine kleine Auswahl weiterer Artikel zur Blockparade

Christa Goede: Blogparade Schreibblockade
blatternet: Schreibblockade? Nein danke – So schreibe ich
media likes: Bloggen ohne Schreibblockade
Mike Schnoor: 5 Tipps zur Vermeidung einer Schreibblockade
Martin Kost: Tipps gegen Schreibblockaden – #bloCKparade


weiterlesen

Einfach schön schreiben

Schöne Texte müssen sich schön anhören

von am Aug 29, 2013

Redakteure und Journalisten müssen sich und ihre Texte quälen, wenn sie gelesen werden wollen. Was es hierbei zu beachten gilt, habe ich schon in vielen Artikeln beschrieben. Doch kann man sich als Texter nie sicher sein, dass man alle Anforderungen erfüllt. Und wer als Einzelkämpfer im Büro sitzt, hat noch nicht einmal einen Gegenleser zur Hand.

Ist mein Text spannend genug? Habe ich alle wichtigen Fakten verständlich erklärt? Ist meine Sprache so einfach, dass der Leser gerne bis zum Ende bleibt? Selbst wenn wir keinen Gegenleser haben, können wir uns diese Fragen selbst beantworten – indem wir uns unseren eigenen Text laut vorlesen.

Sicherlich ist die Vorstellung alles andere als verlockend: Da sitzen wir in unserem Büro und lesen uns selbst etwas vor. Jeder, der hereinkommt, muss uns für verrückt halten. Doch führt uns dies wieder an den Anfang: Wir müssen uns etwas quälen, wenn unsere Texte gut werden sollen.

Drei Vorteile des lauten Vorlesens

  1. Wir lesen langsamer und nehmen dadurch Rechtschreibfehler wahr, die wir vorher übersehen haben.
  2. Wir erkennen, an welchen Stellen wir ins Stocken geraten. Diese Stolperfallen könnten uns später Leser kosten.
  3. Mit der richtigen Betonung hören wir, ob unser Text mitreißend oder langweilig ist.

Nach der lauten Lektüre haben wir die Möglichkeit, alle Rechtschreibfehler, schwierigen Formulierungen und zähen Passagen zu verbessern. Der Leser wird uns diese Mühen danken.

Fazit

Generell lesen sich Texte leichter, die an unsere mündliche Sprache angelehnt sind. Daher ist das laute Vorlesen sein sehr gutes Mittel, seine eigenen Schriften zu überprüfen. Wenn Texte für das Ohr verständlich sind, dann sind sie es auch für das Auge. Dennoch sollte man selbstverständlich auf Umgangssprache, Füllwörter und dergleichen verzichten.


weiterlesen

Einfach schön schreiben

Verben austauschen, wechseln, variieren – zwei gute Gründe

von am Aug 8, 2013

In einem früheren Beitrag hatte ich darüber geschrieben, wie man die Zeichen, Silben und Sekunden zwischen zweigeteilten Verben reduzieren kann. Damals hatte ich mein Augenmerk darauf gelegt, einen langen Satz in zwei kurze zu verwandeln. Doch gibt es einen weiteren Weg, den wir alle kennen, jedoch allzu häufig vergessen: Synonyme. Hierbei rede ich nicht von Synonymen für Hauptwörter, denn diese sind in den meisten Fällen schlecht und daher zu vermeiden. Ich rede von einer abwechslungsreichen Sprache, die sich durch schöne Verben auszeichnet.

weiterlesen

Einfach schön schreiben

Was tun, wenn die Inspiration ausbleibt?

von am Mrz 12, 2013

Mache Leute schneiden Haare, andere erziehen fremder Leute Kinder. Es gibt Menschen, die anderen die Zähne ziehen oder sich ihr Leben lang durch Aktenberge wühlen. Und dann gibt es Texter, Journalisten und Autoren, die den lieben langen Tag mit Schreiben, Schreiben und nochmals Schreiben verbringen. Doch was machen die eigentlich, wenn ihnen nichts einfällt?

weiterlesen

Einfach schön schreiben

Checkliste: Die Macht der Satzzeichen

von am Feb 26, 2013

Ausrufezeichen, Klammern, Punkte, Kommata, Gedankenstriche und so weiter. Die deutsche Sprache verfügt über viele Satzzeichen. Manche dürfen wir in journalistischen Texten verwenden, manche sollten wir vermeiden, andere müssen wir ab und an setzen. Über ein paar Satzzeichen habe ich bereits eigene Blogeinträge verfasst. Heute gibt es eine Übersicht über gute, neutrale und böse Satzzeichen.

weiterlesen