Einfach schön schreiben

Keine direkte Ansprache in Fachartikeln

von am Jan 27, 2014

Jede Presseabteilung freut sich, wenn sie in einer Zeitschrift oder einem Magazin einen Fachartikel unterbringen darf. Meist geht dies nur, wenn man eine Anzeige bucht; doch dies soll heute nicht erörtert werden. Vielmehr klären wir die Frage, wie man die Leser in einem solchen Artikel ansprechen sollte. Die klare Antwort lautet: gar nicht!

Eine Geschichte aus dem Nähkästchen: Ich hatte einmal einen Auftrag, bei dem drei Personen an einem Fachartikel mitwirken sollten. Der Autor war ein Fachmann zu dem Thema, ich sollte den Beitrag redigieren und dann war da noch eine koordinierende Marketing-Person auf Seiten des Auftraggebers.

Der Autor schrieb seinen Fachbeitrag in folgender Manier:

„Wenn Sie erfolgreich Ihr Business aufbauen wollen, dann müssen Sie dies und das tun. […] Dafür wenden Sie sich am besten an diesen und jenen. […] Halten Sie sich an all diese Schritte – das macht Sie erfolgreich!“

Der erfahrene Pressearbeiter wird sich an dieser Stelle bereits denken: „Direkte Ansprache? In einem Fachartikel? Wohl kaum!“ Und ich reagierte seinerzeit ebenso.

Nun war ich damals nur engagiert, um kleinere Korrekturen vorzunehmen, nicht jedoch ganze Texte umzuschreiben. Dennoch sah ich es als meine Pflicht an, den Autor und die koordinierende Person auf etwas hinzuweisen: Es ist eher unüblich, wenn nicht sogar verpönt und verboten, in einem Fachartikel die Leser direkt anzusprechen. Für diese Initiative erntete ich nur bedingt Beifall.

Autor: Sie können vergessen, dass ich das nochmal neu schreibe! Der Text ist gut so. Was wissen Sie denn!?

Koordinierende Person: Das sehe ich genauso. Ich finde den Text äußerst gelungen, gerade die direkte Ansprache. Beachten Sie Ihre Stellung hier!

Wie sich jeder denken kann, hatte ich diesen Auftrag nicht mehr lange – jedoch noch lange genug, um mitzubekommen, dass die Zeitschrift noch einmal explizit auf ihre Redaktionsrichtlinien hinwies. Und in diesen stand unter anderem geschrieben:

Bitte sprechen Sie in Ihrem Fachartikel die Leser niemals direkt an!

Und mit einem Schmunzeln schied ich aus meinem Amt.


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Einfach schön schreiben

Partizipien vermeiden – der Verständlichkeit wegen

von am Jan 13, 2014

Der lesende Beobachter dieses Blogs hat längst erraten, dass ich der schreibenden Zunft angehöre. Als handelnde Frau ist es mir ein Anliegen, meine beschreibenden Texte in einer einfangenden Art zu präsentieren. — Und wenn Sie sich gerade fragen, warum ich dafür eine solch furchtbare Sprache wähle, haben Sie das Problem meines heutigen Beitrags bereits erkannt: der unnütze Gebrauch von Partizipien.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht über ein kompliziertes Partizip stolpere: In Fernsehen, Hörfunk, Printmedien und Internet finden wir sie ständig, die „noch zu lösenden Probleme“, die „stattgefundenen Konferenzen“, die „eingetretenen Katastrophen“ und die „abwartenden Politiker“. Dabei sind diese Partizipien nicht nur kompliziert, sondern manchmal auch falsch.

Wir unterscheiden zwei Arten von Partizipien:

Partizip Präsens: die singende Frau >>> die aktive Form
Partizip Perfekt: das gescholtene Kind >>> die passive Form

Beim Partizip Präsens handelt das Subjekt, das näher beschrieben wird: Die Frau singt = die singende Frau. Beim Partizip Perfekt wird etwas mit dem Subjekt gemacht: Das Kind wurde gescholten = das gescholtene Kind.

Damit zeigt sich, dass die „stattgefundenen Konferenzen“ und die „eingetretenen Katastrophen“ grammatikalisch falsch sind, denn die Konferenzen wurden nicht stattgefunden und die Katastrophen nicht eingetreten. Doch abgesehen davon, sind diese Partizipien auch hässlich und unverständlich.

Das Partizip als Adjektiv

In all meinen Beispielen übernimmt das Partizip die Aufgabe eines Adjektivs – und diese sollten wir nur in Maßen verwenden. Doch im Gegensatz zu einem normalen Adjektiv muten Partizipien zudem unnatürlich an. Oder sprechen Sie in einer Unterhaltung von Ihrem „noch zu mähenden Rasen“ oder Ihren „gehaltenen Vorträgen“? Nein, denn in der mündlichen Sprache hört sich das viel zu hochgestochen an. Daher sollten wir auch unsere Texte nicht so schreiben; egal, ob Briefe, Fernsehkommentare, Hörfunkbeiträge, Pressemitteilungen, Nachrichten oder Blog-Artikel. Unsere Leser werden es uns danken.


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Einfach schön schreiben

Schreibblockade – gibt es so etwas überhaupt?

von am Nov 13, 2013

Das PR-Trendthema des Monats November heißt: Schreibblockade. Unzählige Beiträge dazu geistern gerade durch das WWW, so dass man schnell den Überblick verlieren könnte. Glücklicherweise hat PR-Doktor Kerstin Hoffmann zu einer Blogparade zum Thema Schreibblockade aufgerufen, in der viele Artikel gebündelt sind. Auch mein Artikel soll dort nicht fehlen, denn ich stelle mir eine ganz grundlegende Frage: Gibt es so etwas wie eine Schreibblockade überhaupt?

Die Ausgangssituation

Sicher: Wohl jeder Redakteur und Texter kennt den Moment, in dem er vor einem weißen Blatt Papier oder leeren Bildschirm sitzt und in dem ihm partout kein schöner Satz einfallen will. Der Artikel muss in wenigen Stunden fertig sein, doch Wortwitz und Sprachgenie haben sich vorzeitig in den Winterschlaf verabschiedet. Allenfalls ein paar Stichpunkte bekommt man hin – das ist aber schon der Gipfel der Kreativität. Gemeinhin wird dieser Zustand als „Schreibblockade“ bezeichnet.

Schreibblockade oder vielleicht doch eher …

Da sitzen wir nun also: Ein Thema im Kopf, aber keine schönen Worte und verständlichen Sätze in der Feder. Wir könnten schreiben, wenn uns das Ergebnis egal wäre. Doch wir tun es nicht, weil wir einen Ruf zu verlieren haben. Also starren wir auf Blatt und Monitor und verfluchen die Muse, die uns nicht küssen will.

Doch ist das tatsächlich eine Schreibblockade? Oder haben wir es hier eher mit Fällen von genereller Einfallslosigkeit, akuter Unlust, ständiger Ablenkung oder übertriebenem Perfektionismus tun? Kann es sein, dass wir eigentlich losschreiben könnten, jedoch nicht wollen, weil wir das Ergebnis fürchten? Nicht witzig genug, zu umständlich formuliert, zu ungenau, zu langweilig usw. Doch hier stelle ich die entscheidende Frage: Na, und?

Wir wissen doch alle, dass der erste Wurf nie perfekt ist. Also, warum nicht einmal eine vollkommen verschrobene Version hinknallen und auf diesem Scherbenhaufen aufbauen? Mir persönlich macht es einen Heidenspaß, meine eigenen Texte komplett zu zerpflücken – zumal ich keine Angst haben muss, dass der Kunde beleidigt ist.

Wie schreibe ich, wenn ich eigentlich nicht schreiben kann?

  • Wenn möglich schreibe ich Pressemeldungen, Blog-Posts und andere Texte nicht erst am Tag der Abgabe, sondern nehme sie mir mit etwas Vorlauf zur Brust. Je nach Tagesform kommt hierbei sofort ein hübscher Beitrag heraus oder nur eine erste Ideensammlung mit vereinzelten Sätzen. In letzterem Fall schreibe ich an einem anderen Tag weiter, an dem ich weniger einfallslos, unmotiviert, abgelenkt oder perfektionistisch bin.
  • Eilige Aufträge kann ich selbstredend nicht so lange reifen lassen. Komischerweise muss ich das auch nicht, denn für gewöhnlich reicht die Deadline im Nacken aus, um aus mir einen topmotivierten, konzentrierten Schreiber zu machen.
  • Dann gibt es noch die Artikel, die zwar nicht dringend sind, jedoch geschrieben werden sollten, solange ich ausnahmsweise etwas Luft habe. Bei diesen kann ich mich mit folgenden Mitteln austricksen (funktioniert übrigens auch, wenn eine Deadline als Druckmittel nicht ausreicht).
    1. Die ersten Sätze eines Artikels müssen perfekt sein. Doch wenn ich merke, dass mir gerade nichts Perfektes einfallen will, steige ich einfach an einer späteren Stelle ein. Für gewöhnlich platzt dadurch der Knoten.
    2. Das hört sich jetzt komisch an, aber ich unterhalte mich auch gerne mit imaginären Zuhörern über das Thema meines geplanten Artikels. Meine Argumente quatsche ich einfach in mein Handy und schicke mir den Text per E-Mail. So weiß ich zum einen, dass sich die Sätze gut anhören. Zum anderen muss ich die einzelnen Elemente meist nur noch verbinden.
    3. Manchmal bin ich einfach frustriert vom Anblick meines langweiligen Schreibtisches und ideenlosen Arbeitszimmers. Dann schnappe ich mir das iPad oder einen Stift mit Block und verkrümele mich an einen anderen Ort. Und schon sieht die Ideenwelt viel freundlicher aus.
    4. Oder ich schreibe einfach los. Ich lasse Satzmonster und Wortungetüme zu und bringe stur alle Fakten zu Papier. Danach schließe ich die Datei, mache mir einen Milchkaffee und fünf Minuten Pause. Dann öffne ich die Datei wieder und redigiere meinen ersten Entwurf. Redigieren finde ich ohnehin einfacher als schreiben.

Mein Fazit

Eine Schreibblockade ist nicht die Unfähigkeit zu schreiben, sondern nur ein Sammelbegriff für all die kleinen Dinge, die sich wie ein Schleier auf unsere Inspiration legen können. Wir sollten dem Schreckgespenst „Schreibblockade“ gar nicht diesen großen Stellenwert beimessen. Denn wie hieß es bei Harry Potter einst so schön: „Fear of a name only increases fear of the thing itself.“

Eine kleine Auswahl weiterer Artikel zur Blockparade

Christa Goede: Blogparade Schreibblockade
blatternet: Schreibblockade? Nein danke – So schreibe ich
media likes: Bloggen ohne Schreibblockade
Mike Schnoor: 5 Tipps zur Vermeidung einer Schreibblockade
Martin Kost: Tipps gegen Schreibblockaden – #bloCKparade


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Einfach schön schreiben

SEO oder Lesbarkeit – was ist besser für mein Blog?

von am Okt 8, 2013
Selfie

An der Suchmaschinenoptimierung scheiden sich die Geister. Manche Websites richten all ihre Artikel darauf aus – zu Lasten der Textqualität. Andere schreiben schönste Beiträge, die jedoch von Suchmaschinen nicht gut bewertet werden. Daher stellt sich viele Blogger die Frage, ob und wie viel Suchmaschinenoptimierung (SEO) nötig ist. So ist dies auch das Thema einer aktuellen Blogparade: SEO für Blogs – Notwendigkeit oder Zeitverschwendung?

Suchmaschinenoptimierung – was ist das?

Die Suchmaschinenoptimierung wird zumeist SEO abgekürzt – das Kürzel für den englischen Begriff Search Engine Optimization. Ziel der SEO ist es, eine Website so zu gestalten, dass sie von Suchmaschinen wie Google leicht gefunden wird. Hierbei fischt man meistens im Trüben, da die Suchmaschinen nicht verraten, wie genau sie die vielen Seiten im WWW bewerten. Jedoch ist bekannt, dass Websites gut abschneiden, die unter anderem …

  • schon lange existieren
  • regelmäßig und oft aktualisiert werden
  • von anderen Websites empfohlen werden
  • wichtige und aktuelle Suchbegriffe beinhalten.

Damit ist Suchmaschinenoptimierung vor allem eines: mit viel Arbeit verbunden!

SEO für mein Blog – eine gesunde Mischung

Die meisten Hobby-Blogger schreiben frei von der Leber weg – und sind trotzdem erfolgreich. Daher scheint es nicht notwendig, Texte für Suchmaschinen zu optimieren. Wer schon länger über ein ganz spezielles Thema schreibt und gut mit anderen Bloggern vernetzt ist, erfüllt viele Kriterien, die ihn für Suchmaschinen interessant machen.

Doch was spricht dagegen, trotzdem auf wichtige Schlüsselbegriffe zu achten? Wer ein Rezeptblog betreibt, tut sicherlich gut daran, bestimmte Wörter oft zu erwähnen, zum Beispiel Rezept, Zutaten, backen, kochen usw. So wird die Website für Suchmaschinen interessanter; sie klettert in der Trefferliste nach oben – und wird öfter aufgerufen.

SEO und schöne Texte schließen sich dabei keineswegs aus. Denn auch die journalistischen Grundregeln besagen, dass man nicht um jeden Preis nach Synonymen suchen sollte. Wer also über das Kochen schreibt, darf wichtige Schlüsselwörter gerne und oft verwenden. Wenn diese Begriffe innerhalb von 100 Wörtern drei bis fünf Mal vorkommen, hat man genau die Wortdichte, die Suchmaschinen gefällt. Bei einer geringeren Wortdichte fällt die Seite nicht auf; bei einer höheren Wortdichte werden die Suchmaschinen stutzig und stufen die Seite möglicherweise als unseriös ein – und zeigen sie gar nicht mehr an.

Es kommt also wie immer auf die richtige Mischung an.


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Schöne Texte müssen sich schön anhören

von am Aug 29, 2013

Redakteure und Journalisten müssen sich und ihre Texte quälen, wenn sie gelesen werden wollen. Was es hierbei zu beachten gilt, habe ich schon in vielen Artikeln beschrieben. Doch kann man sich als Texter nie sicher sein, dass man alle Anforderungen erfüllt. Und wer als Einzelkämpfer im Büro sitzt, hat noch nicht einmal einen Gegenleser zur Hand.

Ist mein Text spannend genug? Habe ich alle wichtigen Fakten verständlich erklärt? Ist meine Sprache so einfach, dass der Leser gerne bis zum Ende bleibt? Selbst wenn wir keinen Gegenleser haben, können wir uns diese Fragen selbst beantworten – indem wir uns unseren eigenen Text laut vorlesen.

Sicherlich ist die Vorstellung alles andere als verlockend: Da sitzen wir in unserem Büro und lesen uns selbst etwas vor. Jeder, der hereinkommt, muss uns für verrückt halten. Doch führt uns dies wieder an den Anfang: Wir müssen uns etwas quälen, wenn unsere Texte gut werden sollen.

Drei Vorteile des lauten Vorlesens

  1. Wir lesen langsamer und nehmen dadurch Rechtschreibfehler wahr, die wir vorher übersehen haben.
  2. Wir erkennen, an welchen Stellen wir ins Stocken geraten. Diese Stolperfallen könnten uns später Leser kosten.
  3. Mit der richtigen Betonung hören wir, ob unser Text mitreißend oder langweilig ist.

Nach der lauten Lektüre haben wir die Möglichkeit, alle Rechtschreibfehler, schwierigen Formulierungen und zähen Passagen zu verbessern. Der Leser wird uns diese Mühen danken.

Fazit

Generell lesen sich Texte leichter, die an unsere mündliche Sprache angelehnt sind. Daher ist das laute Vorlesen sein sehr gutes Mittel, seine eigenen Schriften zu überprüfen. Wenn Texte für das Ohr verständlich sind, dann sind sie es auch für das Auge. Dennoch sollte man selbstverständlich auf Umgangssprache, Füllwörter und dergleichen verzichten.


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Einfach schön schreiben

Verben austauschen, wechseln, variieren – zwei gute Gründe

von am Aug 8, 2013

In einem früheren Beitrag hatte ich darüber geschrieben, wie man die Zeichen, Silben und Sekunden zwischen zweigeteilten Verben reduzieren kann. Damals hatte ich mein Augenmerk darauf gelegt, einen langen Satz in zwei kurze zu verwandeln. Doch gibt es einen weiteren Weg, den wir alle kennen, jedoch allzu häufig vergessen: Synonyme. Hierbei rede ich nicht von Synonymen für Hauptwörter, denn diese sind in den meisten Fällen schlecht und daher zu vermeiden. Ich rede von einer abwechslungsreichen Sprache, die sich durch schöne Verben auszeichnet.

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Grundlagen der PR

Anzeigenschluss, Druckunterlagenschluss und genervte Journalisten

von am Jul 25, 2013

Unternehmen wollen in Zeitungen und Zeitschriften erwähnt werden. Am besten kostenlos, wenn eine Zeitung ihre Pressemeldung aufgreift oder der Chef seine Expertenmeinung kundtun soll. Dies ist der Königsweg. Doch zeigt die Praxis, dass sie oft Anzeigen kaufen müssen, um auch im redaktionellen Teil Fuß zu fassen. Auch aus diesem Grund sollte man meinen, dass Pressearbeiter mit den Begriffen „Anzeigenschluss“ und „Druckunterlagenschluss“ etwas anfangen können. Doch hat Wissen leider oft nichts mit Handeln zu tun.

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