Deutsche Sprache, ...

Sie müssen klartexter mit mir reden!

von am Nov 18, 2014

Neues aus dem Kuriositätenkabinett.

Deutsch ist eine lebende Sprache. Sie entwickelt sich ständig weiter. So weit, so gut. Doch manchmal frage ich mich, wie Menschen darauf kommen, ihre eigenen Neukreationen als Standardsprache anzuerkennen. Wenn Neuschöpfungen aus einem Spaß geboren wurden und im privaten Umfeld als Dauerwitz verwendet werden, stellt das für die Gesellschaft kein größeres Problem dar. So sprechen wir daheim gerne vom Schußgängerfutzweg, wenn wir einen Fußgängerschutzweg meinen (offizieller Name für einen „Zebrastreifen“). Und wohl niemand stört sich daran, dass das französische Weihnachtsfest bei uns nur noch „Nöl“ statt „Noel“ heißt.

Doch neulich hörte ich eine Dame ein geschäftliches Telefonat führen und verschluckte mich fast an meinem Kaffee. Da sagte die Erwähnte doch tatsächlich den Satz: „Da müssen Sie jetzt schon mal etwas klartexter mit mir reden!“

Klartext als neues Adjektiv? Klartext, klartexter, am klartextesten? Bisher war ich immer der Meinung, dass es sich bei dem Wort „Klartext“ um ein Substantiv handelt. Eines, das man nicht steigern kann. Noch nicht einmal ein sinnvoller Plural will mir dazu einfallen. Ein Klartext, zwei Klartexte? Wohl eher nicht.

Doch ganz sicher ist „Klartext“ kein Adjektiv und sollte daher auch nicht so gebraucht werden. Schon gar nicht im Berufsleben. Denn auf offiziellen Wegen verbreiten sich solche Auswüchse schnell und bekommen ungehindert den Stempel „seriöses Hochdeutsch“ verpasst. Und dann fragen sich selbst die Menschen, die ständig mit deutscher Sprache zu tun haben, ob sie etwas nicht mitbekommen haben – und erwischen sich im nächsten Schritt, dass sie selbst solch einen Blödsinn reden.

Und wenn Sie dann zu den Menschen gehören, die sich trotz aller Dauerbeschallung an dieser neuen Sprachweise stören, dürfen Sie sich sagen lassen: „Deutsch ist eine lebende Sprache, die sich ständig weiterentwickelt, Sie ewig gestrige, engstirnige Evolutionsbremse!“

Da sich dies wohl niemand gerne sagen lässt, wünsche ich viel Spaß mit dem neuen Adjektiv „klartext“. Und immer daran denken: Klartexter reden ist viel besser als wie unverständlich sein tun!


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Einfach schön schreiben

Partizipien vermeiden – der Verständlichkeit wegen

von am Jan 13, 2014

Der lesende Beobachter dieses Blogs hat längst erraten, dass ich der schreibenden Zunft angehöre. Als handelnde Frau ist es mir ein Anliegen, meine beschreibenden Texte in einer einfangenden Art zu präsentieren. — Und wenn Sie sich gerade fragen, warum ich dafür eine solch furchtbare Sprache wähle, haben Sie das Problem meines heutigen Beitrags bereits erkannt: der unnütze Gebrauch von Partizipien.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht über ein kompliziertes Partizip stolpere: In Fernsehen, Hörfunk, Printmedien und Internet finden wir sie ständig, die „noch zu lösenden Probleme“, die „stattgefundenen Konferenzen“, die „eingetretenen Katastrophen“ und die „abwartenden Politiker“. Dabei sind diese Partizipien nicht nur kompliziert, sondern manchmal auch falsch.

Wir unterscheiden zwei Arten von Partizipien:

Partizip Präsens: die singende Frau >>> die aktive Form
Partizip Perfekt: das gescholtene Kind >>> die passive Form

Beim Partizip Präsens handelt das Subjekt, das näher beschrieben wird: Die Frau singt = die singende Frau. Beim Partizip Perfekt wird etwas mit dem Subjekt gemacht: Das Kind wurde gescholten = das gescholtene Kind.

Damit zeigt sich, dass die „stattgefundenen Konferenzen“ und die „eingetretenen Katastrophen“ grammatikalisch falsch sind, denn die Konferenzen wurden nicht stattgefunden und die Katastrophen nicht eingetreten. Doch abgesehen davon, sind diese Partizipien auch hässlich und unverständlich.

Das Partizip als Adjektiv

In all meinen Beispielen übernimmt das Partizip die Aufgabe eines Adjektivs – und diese sollten wir nur in Maßen verwenden. Doch im Gegensatz zu einem normalen Adjektiv muten Partizipien zudem unnatürlich an. Oder sprechen Sie in einer Unterhaltung von Ihrem „noch zu mähenden Rasen“ oder Ihren „gehaltenen Vorträgen“? Nein, denn in der mündlichen Sprache hört sich das viel zu hochgestochen an. Daher sollten wir auch unsere Texte nicht so schreiben; egal, ob Briefe, Fernsehkommentare, Hörfunkbeiträge, Pressemitteilungen, Nachrichten oder Blog-Artikel. Unsere Leser werden es uns danken.


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Einfach schön schreiben

Vierköpfige Familienväter und andere schiefe Adjektive

von am Jan 24, 2013

Mehrfach habe ich es in diesem Blog schon angesprochen: Adjektive und journalistische Texte sind nicht immer die besten Freunde. Gerne gehen die Pferde mit uns durch, wenn wir besonders blumig und stimmungsvoll schreiben wollen. Die Verständlichkeit bleibt da manchmal auf der Strecke. Daher müssen wir auf die Anzahl achten, ebenso auf die Steigerung und unnötige Dopplungen. Außerdem dürfen wir nicht aus dem Auge verlieren, welches Wort wir näher beschreiben wollen. Sonst schreiben wir am Ende von den berühmten „vierköpfigen Familienvätern“.

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Deutsche Sprache, ...

Ein paar Deutsch-Tipps zum Tag der deutschen Sprache

von am Sep 5, 2012

Jedes Jahr am zweiten Samstag im September findet der Tag der deutschen Sprache statt. Mit diesem Tag wollen die Initiatoren u. a. ein Sprachbewusstsein schaffen, das den unkritischen Gebrauch von Fremdwörtern eindämmt. Der Tag soll für den Gebrauch von gutem und verständlichem Deutsch werben und die Wichtigkeit guter muttersprachiger Kenntnisse für alle Lebensbereiche hervorheben. Ich trage heute schon einmal mein Teil dazu bei – mit ein paar kleinen Merksätzen und Deutsch-Tipps.

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