Neudeutsch für Anfänger

Zauberschöne neue Wortschöpfung

von am Apr 30, 2018

Vor einiger Zeit erhielt ich ein sehr schönes Lob für eine meiner Bastelarbeiten. „Zauberschön“ sei mein kleiner Weihnachtsstern gewesen. Zauberschön? Wie toll! Da fühlt man sich doch gleich wie eine Elfe, die über taubesetzte Blütenblätter tänzelt. Zauberschön – das kann ja nur ein Lob sein. Oder etwa nicht?

Tatsächlich finde ich keine Bestätigung von offizieller Seite, dass zauberschön ein Kompliment ist. Um ehrlich zu sein: Ich finde keine Bestätigung, dass zauberschön überhaupt ein Wort ist. Der Duden kennt diese Wortschöpfung nicht. Zauberschön ist ein ganz neues Wort, das sich noch nicht verbreitet hat.

Die Mischung aus „zauberhaft“ und „schön“ ist vor allem bei Menschen gebräuchlich, die sich mit den richtig schönen Dingen des Lebens befassen: Babys, Kunst, Gebasteltes, Kuscheliges, Kosmetik, Hochzeiten, Weine und so weiter. Das liegt wohl auf der Hand, denn wer würde seine Autowerkstatt so nennen? Zauberschön Karosserie – und ihr Auspuff duftet wie ein Einhorn-Pups! Wobei die Zielgruppe einer solchen Werkstatt recht klar definiert wäre …

Lange Rede, kurzer Sinn: Die deutsche Sprache erfindet sich immer wieder neu. Ich persönlich werde das Wort „zauberschön“ nicht in meinen Wortschatz aufnehmen – mir ist es etwas zu verspielt. Aber ich finde es erfrischend, dass es mal wieder ein neues Wort gibt, das frei von englischen Einflüssen ist. Sogar ein Umlaut steckt darin, ich bin begeistert. In Zeiten von Selfies, Fake News, Tablets, Social Bots, Emojis, Work-Life-Balance, Low Carb, Hoodies und Urban Gardening ist zauberschön doch mal etwas ganz anderes. Fühlt sich irgendwie analog an; fühlt sich an nach guter, alter Zeit. I like! 😜

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Neudeutsch für Anfänger

Website? Homepage? Webseite? – Ja, da gibt es einen Unterschied

von am Mrz 29, 2018

Heute ein Thema, das mir schon länger unter den Nägeln brennt. Und eigentlich dachte ich, dass ich es hier im Blog auch schon besprochen hätte. Aber ich kann keinen Beitrag dazu finden. Dann wird es jetzt aber höchste Zeit. Mein Anliegen lautet: Es gibt Unterschiede zwischen den Begriffen Website, Webseite und Homepage. Und gerade letzteres Wort wird zu 99,9 Prozent falsch verwendet. Doch woher sollen die Leute wissen, dass sie es falsch machen, wenn sie es jeden Tag von den „Experten“ falsch vorgesagt bekommen? Nein, wir bauen uns mit dem Baukasten keine Homepage, sondern eine Website. Die hat zwar auch eine Homepage und ein paar Webseiten – heißt aber Website. Aber gut, eines nach dem anderen und etwas deutlicher:

Was ist eine Website?

Eine Website ist der gesamte Internet-Auftritt eines Unternehmens oder einer Person oder eines Vereins oder oder oder. Nehmen wir dieses Blog als Beispiel: kommunikationsABC.de ist eine Website. Sie hat eine Startseite, die so genannte Homepage. Und sie hat viele, viele weitere Seiten, die so genannten Webseiten. Vereinfacht gesagt:

Website = Homepage + Webseiten

Was ist eine Homepage?

Eine Homepage ist einzig und allein die Startseite einer Website. Dort komme ich an, wenn ich z. B. www.kommunikationsABC.de eingebe. Sobald ich eine Unterseite öffne oder auf einen Link klicke, bin ich nicht mehr auf der Homepage der Website, sondern nur noch auf einer Webseite der Website. Das wissen auch Provider, die ihren Kunden eine Baukasten-Homepage anbieten. Die wissen, dass das ein komplett falsches Wort ist und es eigentlich Baukasten-Website heißen muss. Aber gut, ich sage nur Public Viewing oder Handy. Was sich einmal in den Sprachgebrauch eingefressen hat, bekommen wir schlecht wieder los.

Was ist eine Webseite?

Als Webseite bezeichnet man jede einzelne Seite einer Website. So gesehen ist auch die Homepage nur eine Webseite von vielen anderen auf der Website.

Nun mag der eine oder andere einwenden, dass das doch total egal ist. Weiß doch jeder, was gemeint ist. Nur Nerds müssen wissen, dass es einen Unterschied gibt. Kann sein. Aber solange sich mir regelmäßig die Fußnägel hochdrehen und ich ein Blog herausgebe, das ab und an Wortverwirrungen auflöst, schreibe ich über solche Themen. Dann bin ich eben ein Nerd. Ist ja ohnehin gerade voll cool.

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Neudeutsch für Anfänger

Olympia oder Olympiade oder Olympische Spiele? Was ist was? {aus aktuellem Anlass}

von am Feb 19, 2018

Zugegeben: Die Wörter Olympia und Olympiade sind alles andere als „Neudeutsch“. Aber in dieser Rubrik klären wir Sprachverwirrungen auf und daher sind sie hier goldrichtig. Pünktlich zum sportlichen Großereignis erhielt ich den Hinweis, dass ich doch bitte den Unterschied erklären soll zwischen: Olympia, Olympiade und Olympische Spiele. Ja, es gibt einen Unterschied. Obwohl Olympiade und Olympia und Olympische Spiele für viele Leute dasselbe sind.

Schon in der Schule wurde der Grundstein für meine eigene Verwirrung gelegt. Dort nahm ich erfolgreich an einer Mathematik-Olympiade teil. Ich kann mich nicht mehr erinnern, in welcher Klasse das war. Aber es muss in der Grundschule gewesen sein. Denn ab dem Gymnasium war klar, dass ich in Mathe eine absolute Niete bin. Da hätte ich niemals eine Urkunde gewonnen. Doch zurück zur Olympiade.

In diesem Fall war eindeutig der Wettkampf gemeint. Der Kampf zwischen den Schülern, wer denn wohl der Schlauste sei. Damit war das Wort Olympiade jedoch streng genommen falsch. Denn ursprünglich war der Unterschied zwischen Olympia, Olympiade und Olympische Spiele klar:

  1. Eine Olympiade war der Zeitraum zwischen zwei Olympischen Spielen, der vier Jahre umfasst.
  2. Die Olympischen Spiele bezeichneten den sportlichen Wettbewerb.
  3. Olympia war der Name des Ortes in Griechenland, an dem die ersten Olympischen Spiele stattfanden.

Ich schreibe dies in der Vergangenheitsform, denn diese Grenzen gibt es heute nicht mehr. Heute dürfen wir alles kreuz und quer verwenden. Kein Hahn kräht mehr danach, dass Olympia eigentlich ein Ort ist und eine Olympiade nur ein Zeitraum. Selbst der Duden ist da … ja, was eigentlich? Wertneutral, weltoffen, gleichgültig? Für ihn ist eine Olympiade

  • eine alle vier Jahre stattfindende sportliche Veranstaltung mit Wettkämpfen von Teilnehmenden aus aller Welt
  • (selten) ein Zeitraum von vier Jahren (nach deren jeweiligem Ablauf im antiken Griechenland die Olympischen Spiele gefeiert wurden)
  • ein Wettbewerb (auf einem Wissensgebiet o. Ä.)

Wie so oft an dieser Stelle können oder müssen wir also festhalten: Es war einmal. Aber heute ist alles anders.




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Neudeutsch für Anfänger

Proof of Concept: Ideen auf dem Prüfstand

von am Mai 14, 2014
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Wer nicht gerade tagein tagaus mit Unternehmensgründungen zu tun hat oder in der Forschung und Entwicklung arbeitet, der dürfte bei dem Begriff Proof of Concept ziemlich ins Schlingern geraten. Glücklicherweise kommt er im alltäglichen Leben nicht vor; zumindest ist er mir hier noch nicht untergekommen. Jedoch könnte er uns im Büro schon einmal über den Weg laufen – und dann sollten wir vorbereitet sein.

Ein Proof of Concept ist ein Beweis, dass ein bestimmtes Vorhaben möglich ist; der Nachweis einer Machbarkeit. Wer ein neues Produkt auf den Markt bringen will, prüft vorher, ob das technisch oder wirtschaftlich überhaupt möglich ist. Dies gilt nicht nur für Produkte, sondern beispielsweise auch für Geschäftsideen: Bevor ein Unternehmen mit einer neuen Idee an den Start geht, klärt es, ob das Konzept realistisch ist.

Proofs of Concept gibt es daher in vielen verschiedenen Bereichen des Geschäftslebens. Sie sind das positive Ergebnis von Machbarkeitsstudien – wobei ich gerade nicht sagen kann, was das Gegenteil davon ist. Unproof of Concept? Wohl kaum. Stattdessen sagt man an dieser Stelle eher: Der Proof of Concept wurde nicht erbracht.

Damit markiert ein Proof of Concept oftmals die Schwelle zwischen bloßem Jonglieren mit Ideen und der tatsächlichen Umsetzung dieses Vorhabens. Denn bevor wir Geld, Zeit und Arbeit in eine Idee investieren, müssen wir gewährleisten, dass wir nicht nur einem utopischen Hirngespinst hinterherjagen.


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Benefit: Bedeutung und ungeschickter Einsatz

von am Apr 1, 2014
Benefit

An viele englische Wörter haben wir uns in unserem Alltag gewöhnt. So stutz wohl kaum mehr jemand, wenn er ein Feedback erhält oder eine To-do-Liste vorgelegt bekommt. Doch muss ich immer wieder schmunzeln, wenn eine Person einen neudeutschen Begriff benutzt, zu der das nicht so recht passen will. So gebrauchte neulich jemand das Wort „Benefit“, der sonst auf solche Begriffe verzichtet. Entsprechend verdutzt war ich – zumal wir über Bastelarbeiten sprachen.

Ein Benefit steht übersetzt für einen Nutzen, einen Vorteil, eine Leistung oder einen Gewinn. Es kann auch um eine Unterstützung gehen oder eine Wohltat, eine Vergünstigung oder einen Zuschuss. Entsprechend wird dieses Wort in der Geschäftswelt sehr gerne benutzt:

  • Welchen Benefit bringt uns diese Kampagne?
  • Wie groß wird der Benefit sein, den wir aus der Umstrukturierung ziehen können?
  • Vielleicht erhalten wir ja einen Benefit für dieses Projekt.
  • Wir sind doch nicht hier, um Benefits zu verteilen!

In bestimmten Kreisen ist dieses Wort also durchaus gebräuchlich. Doch im Falle meiner Bastel-Unterhaltung entlockte es mir ein Schmunzeln. Aus zwei Gründen:

  1. Der Kontext: Die Frage nach einem „Benefit“ bei der Wahl der einen oder anderen Papiersorte erschien mir doch etwas hochgestochen und abwegig.
  2. Die Person: Wenn sich jemand sonst einer klaren, einfachen Sprache befleißigt, wirkt ein solches Wort wie ein Fremdkörper. Die eigentliche Aussage tritt zurück und eine andere Frage rückt in den Vordergrund: Warum hat der Sprecher dieses Wort gewählt? Damit macht der Sprecher seine eigene Aussage klein, was sehr schade sein kann – nicht nur, wenn es um Bastelsachen geht.

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In der Kategorie Neudeutsch für Anfänger gibt es viele weitere Begriffe, die unseren Büro-Alltag unverständlich machen können. Außerdem finden Sie hier eine Sammlung aller englischen Abkürzungen, die bisher im kommunikationsABC behandelt wurden.


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Neudeutsch für Anfänger

Taskforce im Büro, in der Politik und beim Militär

von am Mrz 6, 2014
Taskforce

Im heutigen Beitrag in der Rubrik „Neudeutsch für Anfänger“ widmen wir uns dem Begriff Taskforce. Dieser hört sich äußerst martialisch an, was nicht von ungefähr kommt. Dennoch verwenden ihn brave Chefs ebenso wie friedensliebende Politiker. Was bedeutet dieses Wort genau und worauf müssen sich Mitarbeiter einstellen, wenn sie in eine Taskforce beordert werden?

Der englische Begriff Taskforce hat durchaus einen militärischen Charakter, denn wir übersetzen ihn unter anderem mit: Kampfgruppe, Einsatztruppe oder Sonderkommando. Daneben gibt es weitaus friedlichere Übersetzungen, die außerhalb des Militärs benutzt werden. So kann eine Tastforce auch ein braver Arbeitsausschuss sein oder eine Arbeitsgruppe. Damit erklärt sich, warum unsere Regierung auch in Friedenszeiten Taskforces bildet und wir im Büro keine Angst vor scharfen Geschützen haben müssen, wenn jemand eine Taskforce fordert.

Taskforce und die Auswirkungen im Büroalltag

Doch was muss ein normaler Mitarbeiter befürchten, wenn jemand mit einer Taskforce droht? Dies beschreibt der unvergessene Business-Talk der FTD am besten, den es mittlerweile leider nur noch in Buchform* gibt. Daher möchte ich ihn an dieser Stelle wieder einmal zitieren:

Demnach ist eine Taskforce, „ein Team von Mitarbeitern, das spontan für die Lösung eines Problems aufgestellt wird. Das Problem ist i. d. R. unlösbar, die Lösung muss dem Management dennoch innerhalb kürzester Zeit präsentiert werden. Wichtig: Die Arbeit in einer T. bedeutet nicht, dass die Mitarbeiter von ihrer normalen Arbeit entlastet werden.“

Nach dieser Betrachtung bekommt der Begriff auf einmal doch eine militärische Reichweite. Denn egal, ob im Büro, in der Politik oder auf dem Schlachtfeld – eine Taskforce bedeutet in jedem Fall „Köpfe einziehen und verstecken!“

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In der Kategorie Neudeutsch für Einsteiger gibt es viele weitere Begriffe, die unseren Büro-Alltag unverständlich machen können. Außerdem habe ich hier eine Sammlung aller englischen Abkürzungen zusammengestellt, die ich bisher im kommunikationsABC behandelt habe.


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Neudeutsch für Anfänger

Issue, der Unruhestifter in Büros und Konferenzräumen

von am Feb 17, 2014
Inzahlung

Warum benutzen Menschen im Geschäftsalltag eigentlich so viele unnötige und unverständliche Vokabeln? In ihren Familien haben sie diese nicht gelernt, ebenso wenig in der Schule. Doch dann kamen die Universität und die ersten Berufserfahrungen und das Unheil nahm seinen Lauf. Plötzlich werden Vereine zu NPOs, Pläne zu Roadmaps und Kundenpflege zu CRM. Ein weiteres Beispiel in dieser Runde ist das heutige neudeutsche Wort: Issue.

Was war das Leben damals noch schön, als wir ein Thema oder eine Angelegenheit besprachen oder ein Problem lösten. Themen und Angelegenheiten waren neutrale Dinge, die keine große Gefahr bargen. Wenn jedoch ein Problem im Raum stand, mussten wir handeln. Diese Unterscheidung ist heute nicht mehr so einfach, denn Thema, Angelegenheit und Problem heißen heute gleichermaßen „Issue“.

Verwirrung durch Issues

Da bekommen wir eine E-Mail, in deren Betreffzeile steht „Issue: Ihre Rechnung vom …“ Auf den ersten Blick erscheint das doppelt-gemoppelt – und sofort machen wir uns Sorgen. Gibt es ein Problem mit der Rechnung? Oder haben die nur eine banale Rückfrage zu diesem Thema? In zweitem Fall wären „Issue“ und „Betreff“ gleichbedeutend und „Issue“ damit unnötig.

Gleiche Gedanken drohen in Besprechungen, wenn der Chef erklärt, dass der Abteilungsumbau ein großes Issue sein wird. Ist dieser Abteilungsumbau nun ein besonders wichtiges Thema? Oder drohen durch den Umbau große Probleme? Verliere ich am Ende sogar meine Stelle?

Eindeutigkeit durch passende Wörter

Das Wort „Issue“ eignet sich somit vortrefflich, wenn man Unruhe stiften will. Wer sich jedoch klar und deutlich ausdrücken möchte, sollte besser zu einem Wort greifen, das eindeutig ist. Das Wort „Problem“ schreckt vielleicht ab, doch ist es ehrlich. „Thema“ ist zwar langweilig, verunsichert jedoch nicht gleich jeden. Und auch für „Issue“ in Verlagen gibt es eine tolle Alternative: die gute, alte „Ausgabe“.


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