Einfach schön schreiben

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

von am Mrz 20, 2018

KISS – Keep it short and simple. Diese feste Regel gilt, wenn man will, dass der Leser einen Text sofort versteht. Doch einfach ist an diesem Satz gar nichts, den ich neulich lesen musste:

Bitte denken Sie bei telefonischen Orders an die Aufzeichnung des Gespräches und an die Zurverfügungstellung der erforderlichen Unterlagen in das elektronische Postfach.

Natürlich versteht die Zielgruppe, was gemeint ist. Sie hat jeden Tag mit diesen Dingen zu tun. Dennoch ist der Satz weder leicht verständlich, noch schön zu lesen. Das geht auf jeden Fall einfacher.

Schritt 1: Substantive auf -ung durch Verben ersetzen.

Bitte denken Sie bei telefonischen Orders daran, das Gespräch aufzuzeichnen und die erforderlichen Unterlagen im elektronischen Postfach zu hinterlegen.

Schritt 2: Deutsche Wörter benutzen.

Bitte denken Sie bei telefonischen Aufträgen daran, das Gespräch aufzuzeichnen und die erforderlichen Unterlagen im elektronischen Postfach zu hinterlegen.

Schritt 3: Unnötige Adjektive raus.

Bitte denken Sie bei telefonischen Aufträgen daran, das Gespräch aufzuzeichnen und die Unterlagen im elektronischen Postfach zu hinterlegen.

Schritt 4: Klare Struktur schaffen.

Bitte beachten Sie bei telefonischen Aufträgen: Gespräch aufzeichnen und Unterlagen im elektronischen Postfach hinterlegen!

Dieser letzte Satz ist sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber er ist auf jeden Fall einfacher als die ursprüngliche Version. Und dies nach nur vier knappen Schritten.

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Das nenne ich supergute Werbung

von am Sep 15, 2014
Werbung

Lange habe ich nichts mehr von mir hören lassen und auch heute werde ich nicht besonders viel schreiben, sondern eher etwas zeigen. Und zwar die meiner Ansicht nach beste Werbeserie dieses Sommers.

Klar, dass während der Fußball-WM alle möglichen Hersteller mit diesem Großereignis geworben haben. Aber keiner hat das so locker-flockig, frech und unbeschwert hinbekommen, wie ein Bierbrauer hier bei uns in der Region. Da habe ich mich jeden Morgen auf den Pressespiegel gefreut …

WM1

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Negativbeispiele: So besser nicht!

von am Mai 27, 2014

Schöne, leicht verständliche Texte fallen nicht vom Himmel. Ihnen geht harte Arbeit voraus, in der man alle Einschübe, Fremdwörter und sonstige Stolpersteine entfernt. Daher ist es wohl nicht zu viel verlangt, von Pressearbeitern und Journalisten leicht verdauliche Lesekost einzufordern. Sollte man meinen. Doch habe ich in der vergangenen Woche zwei Beispiele gefunden, die eindrucksvoll das Gegenteil beweisen.

Komplizierte Wortstellung und Fremdwörter

„…, die Probleme in den als wichtige Absatzmärkte fungierenden Schwellenländern bleiben virulent.“

Wäre ich an dieser Stelle Lektor oder Chefredakteur gewesen, ich hätte als erstes das Wort „virulent“ entfernt. Was spricht denn gegen die verständlichen Alternativen „drängend“, „gefährlich“ oder „ansteckend“? Dass sich der Text weniger gebildet anhört? Zählt nicht als Argument, denn Pressetexte müssen verständlich sein.

Als zweites hätte ich den Einschub „als wichtige Absatzmärkte fungierenden“ gestrichen. Übrig geblieben wäre der Satz „…, die Probleme in den Schwellenländern bleiben drängend.“ Wenn es wirklich so wichtig ist, dass diese Schwellenländer als wichtige Absatzmärkte fungieren, kann man dies in einem angehängten Nebensatz verarbeiten: „…, die Probleme in den Schwellenländern bleiben drängend; diese fungieren als wichtige Absatzmärkte.“

Bürokratendeutsch mit tausend Einschüben

Man nehme den Satz, den Sie oben im Bild sehen. (Alle, die den RSS-Feed abonniert haben, öffnen bitte den Artikel auf der Website direkt!)

Die eigentliche Kernaussage dieses Satzes lautet: „Ferner werden für Beschäftigte die Möglichkeiten erleichtert.“ Gut, niemand weiß, für welche Beschäftigten genau und wie die Erleichterungen aussehen. Doch ist es die Aufgabe eines guten Texters, das alles zu erzählen – ohne Einschübe und leicht verständlich.

Ganz grob wäre hier mein Vorschlag: „Beschäftigte in Elternzeit oder auf anderen Dienststellen erhalten die Möglichkeit, an den Personalratswahlen teilzunehmen; zum einen durch frühzeitige Unterrichtung, zum anderen durch eine vereinfachte Briefwahl.“

Dieser Satz ist immer noch nicht perfekt, aber doch sicherlich sehr viel verständlicher als der Ursprung, oder?


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Wertfreier Journalismus: Welche Adjektive stehen einem Journalisten zu?

von am Apr 8, 2014
wertfreier Journalismus

Journalisten und Redakteure tun gut daran, sparsam mit Adjektiven umzugehen. Diesen redaktionellen Grundsatz lernen sie in den ersten Stunden ihrer journalistischen Ausbildung. Ein weiterer Grundsatz besagt, dass man wertfrei berichten soll – ohne seiner eigenen Meinung oder den subjektiven Ansichten anderer eine Plattform zu geben. Manch ein Korrespondent nimmt es damit aber nicht so genau.

Wertfreier Journalismus: Der Fall Gurlitt

Tagesthemen in der ARD. Am 7. April 2014 um ca. 22.20 Uhr. Ein Beitrag hatte die Einigung im Falle der Gurlitt-Kunstsammlung zum Thema. Dabei berichtete der Korrespondent, dass vor zwei Jahren nicht nur Bilder in Gurlitts Münchener Wohnung gefunden wurden, sondern auch in seinem „heruntergekommenen“ Haus in Salzburg. (Mediathek)

Hm. An dieser Stelle zuckte ich leicht zusammen. Ist das Wort „heruntergekommen“ im Falle dieser Nachricht tatsächlich unabdingbar? Ist die Einigung in diesem Streit weniger Wert, weil die Bilder zwischenzeitig in einem heruntergekommenen Haus gelagert waren? Wohl kaum! Doch welchen Zweck erfüllt dieses Wort dann?

Meiner Ansicht nach hat dieses wertende Adjektiv einzig den Zweck, Cornelius Gurlitt herabzuwürdigen: „Sehr euch diesen Hallodri an! Solch einem unreinlichen Menschen steht der Besitz solcher Kunstwerke nicht zu!“

Darf ein Redakteur solch einen Unterton in seine Berichterstattung legen? Nein, denn er sollte unabhängig und wertfrei über den Fall berichten. Doch anstatt dieser Rolle gerecht zu werden, maßt er sich an, über einen Menschen zu urteilen. Ein Urteil, das noch dazu für den Beitrag vollkommen unerheblich ist. Oder ist der positive Abschluss dieses Falles nichts wert, weil es das Eigenheim des Herrn Gurlitt nicht in die Zeitschrift „Schöner Wohnen“ schafft?

Wertfreier Journalismus: Eine Utopie?

Diese kleine Geschichte ist eigentlich ganz belanglos, denn letztlich spielt es keine Rolle, ob das Haus in Salzburg tatsächlich heruntergekommen ist oder nicht. Doch was ist mit all den anderen Nachrichten, die wir täglich konsumieren? Den großen Themen, die uns tatsächlich direkt betreffen? Den „geringfügigen“ EEG-Umlagen, den „alternativlosen“ Rettungspaketen und den „unrechtmäßigen“ Volksentscheiden?

Bekommen wir heutzutage tatsächlich unabhängig recherchierten, wertfreien Journalismus aufgetischt? Oder quatschen Journalisten nur das nach, was ihnen souffliert wird? Oder erfindet die vierte Gewalt gar ihre eigenen Wahrheiten?


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Stellung beziehen für Expertenstatus und klares Profil

von am Mrz 11, 2014
Stellung beziehen

Ich mag Menschen, die klar und dennoch höflich ihre Meinung sagen. Die Worte wie „eigentlich“ vermeiden und von sich selbst nicht als „man“ sprechen. Die nicht auf Teufel komm raus politisch korrekt sein wollen, sondern bestimmt ihren Standpunkt vertreten. Selbst wenn sie dafür angegriffen werden. Doch sage ich auch: Ich wünschte, ich wäre mehr wie diese Menschen.

Warum sagen wir nicht deutlich, was wir denken?

Wenn ich von mir ausgehe, bin ich oft zurückhaltend, weil ich mich nicht in eine Schusslinie begeben will. Eine klare Meinung polarisiert und ruft Kritiker auf den Plan – und damit nicht nur berechtigte Einwände, sondern auch unsachgemäße Kritik. Und gerade mit letzterer können viele Menschen nicht umgehen. Genau wie ich. (Ein paar gute Gründe, warum solche Kritik an uns abprallen sollte, gab es gestern übrigens im Blog von Gitte Härter. Klare Stellung: Unbedingt lesen!)

Wir wollen uns nicht angreifbar machen, nicht festlegen und stattdessen ein Hintertürchen offen halten. Aus diesen Gründen finden sich in unseren Pressemitteilungen und Blog-Artikeln Satzteile wie z. B. …

  • … daher empfiehlt sich …
  • … kann es hilfreich sein …
  • … man könnte …
  • … Experten meinen …
  • … eigentlich …
  • … möglicherweise …
  • … in Einzelfällen …
  • … für gewöhnlich …

Mit einer solchen Wortwahl verstecken wir uns hinter den Äußerungen anderer, relativieren unsere eigenen Thesen und können so zurückrudern, wenn wir auf Gegenwind stoßen sollten. Das macht uns weniger angreifbar und ist gut für unseren Nachtschlaf.

Warum wir trotzdem Stellung beziehen sollten

Relativierungen und Hintertürchen haben einen entscheidenden Nachteil: Wer nicht Stellung bezieht, wird nicht ernstgenommen. Daher vertreten Experten eine klare Meinung, während windige Trittbrettfahrer oben genannte Formulierungen verwenden.

Ein kluger Mann in meinem Umfeld sagt immer: „Wer für alle Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein.“ Da gebe ich ihm voll und ganz Recht, denn Leser und Zuhörer spüren instinktiv, wer zu 100 Prozent hinter seiner Sache steht und wer bloß ein Schaumschläger ist.

Daher ist es wichtig, dass wir Stellung beziehen und unsere (Experten-)Meinung deutlich vertreten. Damit handeln wir uns vielleicht trotzige Blog-Kommentare, unverschämte E-Mails und bitterböse Blicke ein. Doch schärfen wir auch unser Profil, erhöhen unseren Wiedererkennungswert und ernten sehr viel zustimmendes Kopfnicken von Menschen, die unserer Meinung sind. Ganz leise, meist nicht öffentlich und doch so viel ehrlicher als das Gepolter einer einzigen Gegenstimme.


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Hoher Nachrichtenwert und neutrale Formulierungen für Pressetexte

von am Feb 11, 2014
Nachrichtenwert, Formulierung, Pressetext

Pressetexte müssen einen hohen Nachrichtenwert haben und vor allem so geschrieben sein, dass sie ein Journalist einfach und schnell übernehmen kann. Daraus leitet sich eine Regel ab, die wir in jedem PR-Text einhalten müssen, wenn wir die Chance auf einen Abdruck steigern wollen: Wörter wie „wir“, „uns“ oder „unsere“ sind tabu! Ebenso tabu wie die direkte Ansprache in Fachartikeln.

Nachrichtenwert in Pressetexten

Woran erkennt man eine Pressemeldung mit hohem Nachrichtenwert? Nicht nur am überraschenden, neuartigen und aktuellen Inhalt, sondern auch am Ausdruck. Wenn ein Unternehmen im Fließtext von „unserem neuen Produkt“ berichtet, setzt es sich schnell dem Verdacht aus, nur Werbung zu machen. Jeder noch so überraschende, neuartige und aktuelle Inhalt gerät bei einer solchen Formulierung ins Hintertreffen.

Wer jedoch neutral formuliert, von „dem neuen Produkt“ spricht und sich ganz auf die Beschreibung der Tatsachen konzentriert, gibt sich den Anschein, objektiv zu berichten – auch wenn selbstverständlich jeder weiß, dass dem nicht so ist. Doch diese vermeintlich objektive Berichterstattung erhöht den gefühlten Nachrichtenwert und bringt einen weiteren Vorteil.

Journalistenfreundliche Pressetexte

Wenn die Formulierung eines Textes bereits neutral und objektiv ist, muss sich ein Journalist keine Mühe machen, ihn neutral und objektiv umzuschreiben. Das spart ihm viel Zeit und die Chancen steigen, dass der Redakteur den Beitrag ohne Änderungen veröffentlicht. Und ohne Änderungen heißt: ganz im Sinne des Unternehmens.

Ein „wir“ an der richtigen Stelle

Von dieser Regel ausgenommen sind selbstverständlich Zitate. Hier könnte es sehr ungelenk wirken, wenn der Zitatgeber ständig von sich oder seinem Unternehmen in der dritten Person sprechen würde. Ein „wir haben dies und das gemacht“ ist hier also durchaus erlaubt. So hat der Journalist zwei Möglichkeiten: Entweder kürzt er diese Meinung mit einem Handstreich heraus – oder er lässt sie drin als Expertenstimme und zur Auflockerung.


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Keine direkte Ansprache in Fachartikeln

von am Jan 27, 2014

Jede Presseabteilung freut sich, wenn sie in einer Zeitschrift oder einem Magazin einen Fachartikel unterbringen darf. Meist geht dies nur, wenn man eine Anzeige bucht; doch dies soll heute nicht erörtert werden. Vielmehr klären wir die Frage, wie man die Leser in einem solchen Artikel ansprechen sollte. Die klare Antwort lautet: gar nicht!

Eine Geschichte aus dem Nähkästchen: Ich hatte einmal einen Auftrag, bei dem drei Personen an einem Fachartikel mitwirken sollten. Der Autor war ein Fachmann zu dem Thema, ich sollte den Beitrag redigieren und dann war da noch eine koordinierende Marketing-Person auf Seiten des Auftraggebers.

Der Autor schrieb seinen Fachbeitrag in folgender Manier:

„Wenn Sie erfolgreich Ihr Business aufbauen wollen, dann müssen Sie dies und das tun. […] Dafür wenden Sie sich am besten an diesen und jenen. […] Halten Sie sich an all diese Schritte – das macht Sie erfolgreich!“

Der erfahrene Pressearbeiter wird sich an dieser Stelle bereits denken: „Direkte Ansprache? In einem Fachartikel? Wohl kaum!“ Und ich reagierte seinerzeit ebenso.

Nun war ich damals nur engagiert, um kleinere Korrekturen vorzunehmen, nicht jedoch ganze Texte umzuschreiben. Dennoch sah ich es als meine Pflicht an, den Autor und die koordinierende Person auf etwas hinzuweisen: Es ist eher unüblich, wenn nicht sogar verpönt und verboten, in einem Fachartikel die Leser direkt anzusprechen. Für diese Initiative erntete ich nur bedingt Beifall.

Autor: Sie können vergessen, dass ich das nochmal neu schreibe! Der Text ist gut so. Was wissen Sie denn!?

Koordinierende Person: Das sehe ich genauso. Ich finde den Text äußerst gelungen, gerade die direkte Ansprache. Beachten Sie Ihre Stellung hier!

Wie sich jeder denken kann, hatte ich diesen Auftrag nicht mehr lange – jedoch noch lange genug, um mitzubekommen, dass die Zeitschrift noch einmal explizit auf ihre Redaktionsrichtlinien hinwies. Und in diesen stand unter anderem geschrieben:

Bitte sprechen Sie in Ihrem Fachartikel die Leser niemals direkt an!

Und mit einem Schmunzeln schied ich aus meinem Amt.


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