Home Einfach schön schreiben Negativbeispiele: So besser nicht!

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Schöne, leicht verständliche Texte fallen nicht vom Himmel. Ihnen geht harte Arbeit voraus, in der man alle Einschübe, Fremdwörter und sonstige Stolpersteine entfernt. Daher ist es wohl nicht zu viel verlangt, von Pressearbeitern und Journalisten leicht verdauliche Lesekost einzufordern. Sollte man meinen. Doch habe ich in der vergangenen Woche zwei Beispiele gefunden, die eindrucksvoll das Gegenteil beweisen.

Komplizierte Wortstellung und Fremdwörter

„…, die Probleme in den als wichtige Absatzmärkte fungierenden Schwellenländern bleiben virulent.“

Wäre ich an dieser Stelle Lektor oder Chefredakteur gewesen, ich hätte als erstes das Wort „virulent“ entfernt. Was spricht denn gegen die verständlichen Alternativen „drängend“, „gefährlich“ oder „ansteckend“? Dass sich der Text weniger gebildet anhört? Zählt nicht als Argument, denn Pressetexte müssen verständlich sein.

Als zweites hätte ich den Einschub „als wichtige Absatzmärkte fungierenden“ gestrichen. Übrig geblieben wäre der Satz „…, die Probleme in den Schwellenländern bleiben drängend.“ Wenn es wirklich so wichtig ist, dass diese Schwellenländer als wichtige Absatzmärkte fungieren, kann man dies in einem angehängten Nebensatz verarbeiten: „…, die Probleme in den Schwellenländern bleiben drängend; diese fungieren als wichtige Absatzmärkte.“

Bürokratendeutsch mit tausend Einschüben

Man nehme den Satz, den Sie oben im Bild sehen. (Alle, die den RSS-Feed abonniert haben, öffnen bitte den Artikel auf der Website direkt!)

Die eigentliche Kernaussage dieses Satzes lautet: „Ferner werden für Beschäftigte die Möglichkeiten erleichtert.“ Gut, niemand weiß, für welche Beschäftigten genau und wie die Erleichterungen aussehen. Doch ist es die Aufgabe eines guten Texters, das alles zu erzählen – ohne Einschübe und leicht verständlich.

Ganz grob wäre hier mein Vorschlag: „Beschäftigte in Elternzeit oder auf anderen Dienststellen erhalten die Möglichkeit, an den Personalratswahlen teilzunehmen; zum einen durch frühzeitige Unterrichtung, zum anderen durch eine vereinfachte Briefwahl.“

Dieser Satz ist immer noch nicht perfekt, aber doch sicherlich sehr viel verständlicher als der Ursprung, oder?


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