Home Einfach schön schreiben Stellung beziehen für Expertenstatus und klares Profil

Stellung beziehen
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Ich mag Menschen, die klar und dennoch höflich ihre Meinung sagen. Die Worte wie „eigentlich“ vermeiden und von sich selbst nicht als „man“ sprechen. Die nicht auf Teufel komm raus politisch korrekt sein wollen, sondern bestimmt ihren Standpunkt vertreten. Selbst wenn sie dafür angegriffen werden. Doch sage ich auch: Ich wünschte, ich wäre mehr wie diese Menschen.

Warum sagen wir nicht deutlich, was wir denken?

Wenn ich von mir ausgehe, bin ich oft zurückhaltend, weil ich mich nicht in eine Schusslinie begeben will. Eine klare Meinung polarisiert und ruft Kritiker auf den Plan – und damit nicht nur berechtigte Einwände, sondern auch unsachgemäße Kritik. Und gerade mit letzterer können viele Menschen nicht umgehen. Genau wie ich. (Ein paar gute Gründe, warum solche Kritik an uns abprallen sollte, gab es gestern übrigens im Blog von Gitte Härter. Klare Stellung: Unbedingt lesen!)

Wir wollen uns nicht angreifbar machen, nicht festlegen und stattdessen ein Hintertürchen offen halten. Aus diesen Gründen finden sich in unseren Pressemitteilungen und Blog-Artikeln Satzteile wie z. B. …

  • … daher empfiehlt sich …
  • … kann es hilfreich sein …
  • … man könnte …
  • … Experten meinen …
  • … eigentlich …
  • … möglicherweise …
  • … in Einzelfällen …
  • … für gewöhnlich …

Mit einer solchen Wortwahl verstecken wir uns hinter den Äußerungen anderer, relativieren unsere eigenen Thesen und können so zurückrudern, wenn wir auf Gegenwind stoßen sollten. Das macht uns weniger angreifbar und ist gut für unseren Nachtschlaf.

Warum wir trotzdem Stellung beziehen sollten

Relativierungen und Hintertürchen haben einen entscheidenden Nachteil: Wer nicht Stellung bezieht, wird nicht ernstgenommen. Daher vertreten Experten eine klare Meinung, während windige Trittbrettfahrer oben genannte Formulierungen verwenden.

Ein kluger Mann in meinem Umfeld sagt immer: „Wer für alle Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein.“ Da gebe ich ihm voll und ganz Recht, denn Leser und Zuhörer spüren instinktiv, wer zu 100 Prozent hinter seiner Sache steht und wer bloß ein Schaumschläger ist.

Daher ist es wichtig, dass wir Stellung beziehen und unsere (Experten-)Meinung deutlich vertreten. Damit handeln wir uns vielleicht trotzige Blog-Kommentare, unverschämte E-Mails und bitterböse Blicke ein. Doch schärfen wir auch unser Profil, erhöhen unseren Wiedererkennungswert und ernten sehr viel zustimmendes Kopfnicken von Menschen, die unserer Meinung sind. Ganz leise, meist nicht öffentlich und doch so viel ehrlicher als das Gepolter einer einzigen Gegenstimme.


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