Home Grundlagen der PR Wir haben Sie ausgewählt! Sie dürfen uns Ihren Content schenken!

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Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum ich manche E-Mail-Anfragen einfach lösche. Für gewöhnlich verschwende ich an diese keinen zweiten Gedanken. Doch vor zwei Wochen kam eine Anfrage, die so unglaublich unverschämt und dreist war, dass ich mich noch heute darüber aufrege. Eigentlich war dieser Artikel für einen späteren Zeitpunkt geplant – doch wenn ich die E-Mail noch länger in meinem Posteingang sehe, wird mein armer Laptop irgendwann unverschuldet an der Wand kleben.

Hier der Stein des Anstoßes (inkl. Rechtschreib- und Grammatik-Fehlern):

Liebe(r) Sandra Schwarz,

als Gründer und Geschäftsführer der … bin ich sowohl beruflich, als auch privat viel im Netz unterwegs. Dabei ist mir auch Ihre Online-Präsenz und die Leidenschaft mit der Sie sich im Netz engagieren nicht entgangen.

Die Tatsache, wie Sie Themen recherchieren und aufbereiten hat mich und mein Team absolut überzeugt. Aus diesem Grund würden wir Sie gerne als Autor für unsere neue … gewinnen.

Was ist …? [… Allgemeines Vorstellungsgeschwafel…]

Was wir Ihnen bieten

Natürlich wird sich Ihr Engangement bei … für Sie lohnen. So wird jeder Ihrer Artikel mit Verlinkungen zu Ihren Online-Präsenzen versehen. Außerdem findet sich auch ein Bild und eine Beschreibung Ihrer Person und Ihres Portfolios bei Ihrem Beitrag. Gerne verlinken wir auch auf z.B. Amazon, um auf mögliche Veröffentlichungen aufmerksam zu machen.

Das unschlagbare Angebot für meinen Content

  1. Eindruck: „Liebe(r) Sandra Schwarz“ – Ja, der Vorname Sandra ist gemeinhin als Zwitter-Name bekannt.
  2. Eindruck: Ich fühle mich geschmeichelt. Da ist jemand auf meine tolle Arbeit aufmerksam geworden und bietet mir einen Job an. Ich bin ganz Ohr.
  3. Eindruck: Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung sind nicht jedermanns Sache. Doch wenn kümmert das, der Typ hat einen Job für mich.

Was wir Ihnen bieten – mit diesem Absatz nahm das Unheil seinen Lauf. Ich soll also fester Autor eines neuen Portals werden. Und was bekomme ich dafür? Eine Verlinkung, ein Bild, eine Beschreibung unter meinem Beitrag. Und eine Amazon-Verlinkung, bei dem das Portal die Provision kassiert.

Damit mich niemand falsch versteht: Ich bin ein großer Freund des Wissen-Teilens. In meinen Blogs beschreibe ich alles, wovon ich Ahnung habe und verlinke gerne auf Leute, die noch viel mehr Ahnung haben als ich. Ich finde es toll, wenn Fachleute ihre Expertenmeinungen überall im Netz kundtun und dafür auch Plattformen geboten bekommen.

Doch hier liegt der Fall anders.

Ich bin Autorin und muss irgendwie von dieser Arbeit und meinem Content leben. Gelegentliche Gastbeiträge auf relevanten Seiten erhöhen meine Bekanntheit und sind mir daher willkommen. Doch eine Mitarbeit bei einem unbekannten Portal ohne einen einzigen Cent Bezahlung – das kann wohl nur ein schlechter Scherz sein?!

Zumindest war mir bislang nicht bekannt, dass Backlinks meine Miete bezahlen und ich eine Beschreibung meiner Person gegen Brot und Butter eintauschen kann. Wenn das eines Tages der Fall sein sollte, mache ich gerne mit bei diesem Projekt. Bis dahin erachte ich das „Angebot“ jedoch als bodenlose Unverschämtheit.

Warum, werter Herr, sollte ich Ihnen meine Arbeit schenken? Mit welchem Recht verlangen Sie dies von mir? Oder gehen Sie auch zu Ihrem Metzger und schlagen diesem vor: „Ich bezahle dich nicht, aber erzähle dafür meinen Freunden, dass ich hier eingekauft habe.“?


4 Kommentare für diesen Artikel
  1. Hallo Frau Schwarz,

    ich kriege ab und zu Anfragen à là „lassen Sie uns mal auf einen Kaffee treffen…“ und darunter versteckt sich meist eine Kooperationsanfrage mit der Verschleierung von „schenk mir was“. Meistens, nicht immer. So eine Anfrage ist wahrscheinlich noch nett gemeint von jemandem der nicht versteht, warum Selbständige freiwillig bloggend Marketing betreiben. Oder falls doch, sie diese für dumm halten und so deutlich das Ganze unterschätzen.

    Grüße
    Silke Bicker

  2. Liebe Sandra,

    über die Dreistigkeit dieses Herrn habe ich mich auch öffentlich aufgeregt, nachdem auf meine Antwortmail keine Reaktion erfolgte: http://www.digitalmediawomen.de/2014/02/21/content-fuer-reichweite-und-sonst-nichts/
    Nach 12 Tagen (sic!) hat er dann reagiert. Er rät mir darin unter anderem zur Überprüfung meines Geschäftsmodells, weil ich als Texterin keine Texte verschenke – schließlich biete ich ja auch noch Konzeptionen an, von denen ich ja leben könnte. Außerdem schreibt er mir, dass mein Blog nicht der inhaltlichen Tiefe entspricht, die er sich eigentlich für seine Kostenlosschreiber wünscht – aber er traut mir zu, dass ich „auch starke, umfangreichere fachliche Artikel schreiben“ kann.
    Nach einer Ärgerphase finde ich seine gleich mehrfach vorgetragenen Unverschämtheiten ziemlich amüsant ;o)) Wir werden ja sehen, welche Blogger auf dieses „Angebot“ eingegangen sind – wir beide sind es jedenfalls nicht. Und das ist auch gut so!
    Ein herrliches, sonniges Wochenende wünscht dir
    Christa

  3. Vielen lieben Dank für diese beiden Antworten! Schön, dass ich das nicht allein so sehe.

    Allerdings hatte ich gedacht, dass das Angebot schon der Gipfel der Unverschämtheit ist. Doch wenn ich mir die Antwort auf die Antwort anschaue, muss ich mal wieder erkennen: Schlimmer geht immer. „Du hast zwar keine inhaltliche Tiefe, aber wenn du dich unseren Vorgabe anpasst, darfst du trotzdem unsere Leibeigene sein!“ Was für eine Sauerei!

    Ich hoffe inständig, dass sich kein Kollege für dieses Projekt gewinnen lässt. Dann soll der werte Herr mal sehen, woher er seinen tiefgründigen, gut recherchierten, gut geschriebenen, kostenlosen Content bekommt.