Home Neudeutsch für Anfänger Issue, der Unruhestifter in Büros und Konferenzräumen

Inzahlung
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Warum benutzen Menschen im Geschäftsalltag eigentlich so viele unnötige und unverständliche Vokabeln? In ihren Familien haben sie diese nicht gelernt, ebenso wenig in der Schule. Doch dann kamen die Universität und die ersten Berufserfahrungen und das Unheil nahm seinen Lauf. Plötzlich werden Vereine zu NPOs, Pläne zu Roadmaps und Kundenpflege zu CRM. Ein weiteres Beispiel in dieser Runde ist das heutige neudeutsche Wort: Issue.

Was war das Leben damals noch schön, als wir ein Thema oder eine Angelegenheit besprachen oder ein Problem lösten. Themen und Angelegenheiten waren neutrale Dinge, die keine große Gefahr bargen. Wenn jedoch ein Problem im Raum stand, mussten wir handeln. Diese Unterscheidung ist heute nicht mehr so einfach, denn Thema, Angelegenheit und Problem heißen heute gleichermaßen „Issue“.

Verwirrung durch Issues

Da bekommen wir eine E-Mail, in deren Betreffzeile steht „Issue: Ihre Rechnung vom …“ Auf den ersten Blick erscheint das doppelt-gemoppelt – und sofort machen wir uns Sorgen. Gibt es ein Problem mit der Rechnung? Oder haben die nur eine banale Rückfrage zu diesem Thema? In zweitem Fall wären „Issue“ und „Betreff“ gleichbedeutend und „Issue“ damit unnötig.

Gleiche Gedanken drohen in Besprechungen, wenn der Chef erklärt, dass der Abteilungsumbau ein großes Issue sein wird. Ist dieser Abteilungsumbau nun ein besonders wichtiges Thema? Oder drohen durch den Umbau große Probleme? Verliere ich am Ende sogar meine Stelle?

Eindeutigkeit durch passende Wörter

Das Wort „Issue“ eignet sich somit vortrefflich, wenn man Unruhe stiften will. Wer sich jedoch klar und deutlich ausdrücken möchte, sollte besser zu einem Wort greifen, das eindeutig ist. Das Wort „Problem“ schreckt vielleicht ab, doch ist es ehrlich. „Thema“ ist zwar langweilig, verunsichert jedoch nicht gleich jeden. Und auch für „Issue“ in Verlagen gibt es eine tolle Alternative: die gute, alte „Ausgabe“.