Home Deutsche Sprache, ... Die schwierige Deklination des Wortes „Herz“

Deklination, Herz, Herzen
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In letzter Zeit fällt mir immer öfter auf, dass sich Menschen Dinge „zu Herz nehmen“ oder etwas „auf dem Herz haben“. In meinen Ohren hört sich das falsch an, denn ich kenne die Redensarten so, dass man sich etwas „zu Herzen nimmt“ bzw. etwas „auf dem Herzen hat“. Also recherchierte ich etwas und stieß auf ein Phänomen in der deutschen Sprache, dessen ich mir bislang noch gar nicht bewusst war: die gemischte Deklination.

Gemischte Deklinationen – und die Ausnahme bei „Herz“

Substantive dieser Gruppe haben im Genitiv die normale S-Endung, im Dativ und Akkusativ jedoch die Endung -en. So wird „der Friede(n)“ dekliniert mit „des Friedens, dem Frieden, den Frieden“. Der „Funke(n)“ wird zu „des Funkens, dem Funken, den Funken“. Gleiches gilt für „der Glaube(n)“ oder „der Wille(n)“.

Doch das „Herz“ unterscheidet sich von diesen noch einmal durch eine ganz spezielle Deklination, die sich beim Akkusativ wieder an den Nominativ anlehnt. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Abstand

    Deklination Singular Deklination Plural
Nominativ
Genitiv
Dativ
Akkusativ
  das Herz
des Herzens
dem Herzen
das Herz
die Herzen
der Herzen
den Herzen
die Herzen

Abstand

Kommen wir zurück zu unserer Ausgangsfrage: Dürfen wir auf die Endung -en verzichten, wenn wir eine der folgenden Redensarten gebrauchen?

  • etwas auf dem Herzen haben
  • jemandem aus dem Herzen sprechen
  • jemandem am Herzen liegen
  • ein Kind unter dem Herzen tragen
  • aus seinem Herzen keine Mördergrube machen
  • aus tiefstem Herzen
  • etwas mit halbem Herzen tun
  • sich den Kummer vom Herzen reden
  • sich etwas zu Herzen nehmen

Da es sich bei all diesen Ausdrücken um einen Dativ handelt, dürfen wir laut Deklinationstabelle nicht einfach die Endung weglassen. Denn der Dativ lautet „Herzen“ – sowohl im Singular als auch im Plural.

Die deutsche Sprache wandelt sich. Und vielleicht ist es irgendwann ganz normal, dass uns jemand „aus dem Herz spricht“ oder wir etwas „aus tiefstem Herz“ bedauern. Doch noch sind wir nicht so weit. Daher verwende ich weiterhin die Form mit -en.


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