Home Neudeutsch für Anfänger Anglizismus des Jahres 2013: … -gate

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Gestern veröffentlichte die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) eine Stellungnahme zur Wahl des Anglizismus 2013. Eine Jury um den Professor für englische Sprachwissenschaft Anatol Stefanowitsch hatte zuvor das englische Wort bekannt gegeben, das ihrer Ansicht nach die deutsche Sprachlandschaft am meisten geprägt hatte. Der überraschende Sieger ist die englische Wortendung „-gate“.

Die Jury begründete ihre Ansicht damit, dass dieses Suffix in den vergangenen Jahren für besonders viele neue Wortbildungen herangezogen wurde. In der Bedeutung „Skandal“ seien seit 2009 beispielsweise folgende Wortschöpfungen entstanden:

  • Dirndlgate
  • Rüttgersgate
  • Ullagate
  • Konstantingate
  • Schrippengate
  • Watsch’n-Gate
  • Hymnengate
  • Krawattengate
  • Scheiße-Gate
  • Hosengate
  • Jogi-Gate
  • Kraftgate
  • Krippengate
  • Nasengate
  • Handy-Gate
  • Brüderle-Gate
  • Eierlikörgate
  • Handtaschen-Gate
  • Mops-Gate

Nachsilben wie -gate „integrieren sich vollständig in das Sprachsystem und stehen dann zur Bildung beliebiger neuer Wörter zur Verfügung“, so die Jury. Ob diese neuen Wörter jedoch schön, hilfreich, nötig oder in aller Munde sind? Diese Aspekte scheinen für die Wahl zum Anglizismus des Jahres zweitrangig.

Die GfdS bemängelt derweil: „-gate ist im deutschen Sprachgebrauch wohl spätestens mit der Verwendung im CDU-Spendenskandal im Jahr 2000 angekommen und insofern eben kein aktuelles Beispiel für einen neu ins Deutsche integrierten Anglizismus, sondern ein alter Hut.“

Auch ich persönlich denke, dass die Plätze 3 bis 5 den Geist des vergangenen Jahres viel besser eingefangen hätten. Schließlich wurde Handy-Gate erst durch einen Whistleblower bekannt und mit Hashtags verbreitet.

Anglizismus 2013: Die Plätze 1 bis 5

  1. -gate
  2. Fake-
  3. Whistleblower (nicht im Sinne von „Verräter“, sondern mit positiver Behaftung)
  4. Selfie (Selbstporträt)
  5. Hashtag


2 Kommentare für diesen Artikel
  1. Äußerst schwache Entscheidung der Jury, ich hatte nicht mal Lust, darüber zu bloggen. Sie haben völlig recht, die Plätze drei bis fünf wären die deutlich bessere Wahl gewesen. Allerdings ist der Whistleblower auch nicht neu. der Hashtag erscheint mir etwas zu technisch, speziell, nerdig. Aber Selfie ist letztes Jahr richtig durchgestartet, das hätte ich vorn gesehen.