Home Deutsche Sprache, ... Unwort des Jahres 2013: Sozialtourismus

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Zum Unwort des Jahres 2013 wurden in 1.340 Einsendungen insgesamt 746 verschiedene Wörter vorgeschlagen. Von Supergrundrecht über Homo-Ehe bis hin zu Ausschließeritis war alles dabei. Das Rennen gemacht hat jedoch ein Wort, das uns auch im laufenden Jahr weiter begleiten wird: Sozialtourismus. Meiner Ansicht nach ein würdiges Unwort des Jahres – schlichtweg, weil es unwürdig ist.

Die Jury sah dies genauso und prangerte das Wort an, da es von einigen Politikern und Medien benutzt worden sei, um Stimmung gegen ihrer Ansicht nach unerwünschte Zuwanderer zu machen. So heißt es in der Begründung:

„Das Grundwort „Tourismus“ suggeriert in Verdrehung der offenkundigen Tatsachen eine dem Vergnügen und der Erholung dienende Reisetätigkeit. Das Bestimmungswort „Sozial“ reduziert die damit gemeinte Zuwanderung auf das Ziel, vom deutschen Sozialsystem zu profitieren. Dies diskriminiert Menschen, die aus purer Not in Deutschland eine bessere Zukunft suchen, und verschleiert ihr prinzipielles Recht hierzu.“

Zu diesem unwürdigen Wort gesellen sich zwei weitere, nämlich Armutszuwanderung und Freizügigkeitsmissbrauch. Auch diese wurden von der Jury angeprangert:

„‚Armutszuwanderung‘ wird im Sinne von ‚Einwanderung in die Sozialsysteme‘ ursprünglich diffamierend und nun zunehmend undifferenziert als vermeintlich sachlich-neutraler Ausdruck verwendet. Mit ‚Freizügigkeitsmissbrauch‘ wird denjenigen, die die in der EU jetzt auch für Menschen aus Bulgarien und Rumänien garantierte Freizügigkeit nutzen, ein kriminelles Verhalten unterstellt. Der Ausdruck ‚Sozialtourismus‘ treibt die Unterstellung einer böswilligen Absicht jedoch auf die Spitze.“

Das Unwort des Jahres wird seit dem Jahr 1991 gekürt. Hinter den folgenden Links verbergen sich die „Preisträger“ der Jahre 1991 bis 2010, das Unwort des Jahres 2011 und das Unwort des Jahres 2012.


3 Kommentare für diesen Artikel
  1. Hallo Sandra

    Ich habe heute schon von dieser Wahl in einer Zeitung gelesen und frage mich warum dieses Wort bei mir so spurlos vorüber ging? Normalerweise sind die Unwörter des Jahres ja in aller Munde und tauchen wochenlang überall auf. Abgesehen davon das „Sozialtourismus“ überhaupt nichts aussagt ist es, wie du auch schon sagst nicht nur unwürdig sondern entwürdigend. Meine erste Vermutung, was das Wort bedeutet, war übrigens Tourismus in Regionen wie Griechenland und Spanien um die Wirtschaft etwas direkter zu erhalten. Vor zwei, drei Jahren wäre das noch eine mögliche Erklärung gewesen… Die Erklärung, was es nun wirklich bedeutet finde ich aber noch viel beschämender als meine Vermutung…

    • Hallo Stefan,

      ja, manchmal ist die Auswahl nicht ganz nachzuvollziehen. „Sozialtourismus“ hatte ich immerhin schon gehört – was ich vom letztjährigen „Opfer-Abo“ nach wie vor nicht behaupten kann.

      Viele Grüße
      Sandra