Home Einfach schön schreiben Schreibblockade – gibt es so etwas überhaupt?

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Das PR-Trendthema des Monats November heißt: Schreibblockade. Unzählige Beiträge dazu geistern gerade durch das WWW, so dass man schnell den Überblick verlieren könnte. Glücklicherweise hat PR-Doktor Kerstin Hoffmann zu einer Blogparade zum Thema Schreibblockade aufgerufen, in der viele Artikel gebündelt sind. Auch mein Artikel soll dort nicht fehlen, denn ich stelle mir eine ganz grundlegende Frage: Gibt es so etwas wie eine Schreibblockade überhaupt?

Die Ausgangssituation

Sicher: Wohl jeder Redakteur und Texter kennt den Moment, in dem er vor einem weißen Blatt Papier oder leeren Bildschirm sitzt und in dem ihm partout kein schöner Satz einfallen will. Der Artikel muss in wenigen Stunden fertig sein, doch Wortwitz und Sprachgenie haben sich vorzeitig in den Winterschlaf verabschiedet. Allenfalls ein paar Stichpunkte bekommt man hin – das ist aber schon der Gipfel der Kreativität. Gemeinhin wird dieser Zustand als „Schreibblockade“ bezeichnet.

Schreibblockade oder vielleicht doch eher …

Da sitzen wir nun also: Ein Thema im Kopf, aber keine schönen Worte und verständlichen Sätze in der Feder. Wir könnten schreiben, wenn uns das Ergebnis egal wäre. Doch wir tun es nicht, weil wir einen Ruf zu verlieren haben. Also starren wir auf Blatt und Monitor und verfluchen die Muse, die uns nicht küssen will.

Doch ist das tatsächlich eine Schreibblockade? Oder haben wir es hier eher mit Fällen von genereller Einfallslosigkeit, akuter Unlust, ständiger Ablenkung oder übertriebenem Perfektionismus tun? Kann es sein, dass wir eigentlich losschreiben könnten, jedoch nicht wollen, weil wir das Ergebnis fürchten? Nicht witzig genug, zu umständlich formuliert, zu ungenau, zu langweilig usw. Doch hier stelle ich die entscheidende Frage: Na, und?

Wir wissen doch alle, dass der erste Wurf nie perfekt ist. Also, warum nicht einmal eine vollkommen verschrobene Version hinknallen und auf diesem Scherbenhaufen aufbauen? Mir persönlich macht es einen Heidenspaß, meine eigenen Texte komplett zu zerpflücken – zumal ich keine Angst haben muss, dass der Kunde beleidigt ist.

Wie schreibe ich, wenn ich eigentlich nicht schreiben kann?

  • Wenn möglich schreibe ich Pressemeldungen, Blog-Posts und andere Texte nicht erst am Tag der Abgabe, sondern nehme sie mir mit etwas Vorlauf zur Brust. Je nach Tagesform kommt hierbei sofort ein hübscher Beitrag heraus oder nur eine erste Ideensammlung mit vereinzelten Sätzen. In letzterem Fall schreibe ich an einem anderen Tag weiter, an dem ich weniger einfallslos, unmotiviert, abgelenkt oder perfektionistisch bin.
  • Eilige Aufträge kann ich selbstredend nicht so lange reifen lassen. Komischerweise muss ich das auch nicht, denn für gewöhnlich reicht die Deadline im Nacken aus, um aus mir einen topmotivierten, konzentrierten Schreiber zu machen.
  • Dann gibt es noch die Artikel, die zwar nicht dringend sind, jedoch geschrieben werden sollten, solange ich ausnahmsweise etwas Luft habe. Bei diesen kann ich mich mit folgenden Mitteln austricksen (funktioniert übrigens auch, wenn eine Deadline als Druckmittel nicht ausreicht).
    1. Die ersten Sätze eines Artikels müssen perfekt sein. Doch wenn ich merke, dass mir gerade nichts Perfektes einfallen will, steige ich einfach an einer späteren Stelle ein. Für gewöhnlich platzt dadurch der Knoten.
    2. Das hört sich jetzt komisch an, aber ich unterhalte mich auch gerne mit imaginären Zuhörern über das Thema meines geplanten Artikels. Meine Argumente quatsche ich einfach in mein Handy und schicke mir den Text per E-Mail. So weiß ich zum einen, dass sich die Sätze gut anhören. Zum anderen muss ich die einzelnen Elemente meist nur noch verbinden.
    3. Manchmal bin ich einfach frustriert vom Anblick meines langweiligen Schreibtisches und ideenlosen Arbeitszimmers. Dann schnappe ich mir das iPad oder einen Stift mit Block und verkrümele mich an einen anderen Ort. Und schon sieht die Ideenwelt viel freundlicher aus.
    4. Oder ich schreibe einfach los. Ich lasse Satzmonster und Wortungetüme zu und bringe stur alle Fakten zu Papier. Danach schließe ich die Datei, mache mir einen Milchkaffee und fünf Minuten Pause. Dann öffne ich die Datei wieder und redigiere meinen ersten Entwurf. Redigieren finde ich ohnehin einfacher als schreiben.

Mein Fazit

Eine Schreibblockade ist nicht die Unfähigkeit zu schreiben, sondern nur ein Sammelbegriff für all die kleinen Dinge, die sich wie ein Schleier auf unsere Inspiration legen können. Wir sollten dem Schreckgespenst „Schreibblockade“ gar nicht diesen großen Stellenwert beimessen. Denn wie hieß es bei Harry Potter einst so schön: „Fear of a name only increases fear of the thing itself.“

Eine kleine Auswahl weiterer Artikel zur Blockparade

Christa Goede: Blogparade Schreibblockade
blatternet: Schreibblockade? Nein danke – So schreibe ich
media likes: Bloggen ohne Schreibblockade
Mike Schnoor: 5 Tipps zur Vermeidung einer Schreibblockade
Martin Kost: Tipps gegen Schreibblockaden – #bloCKparade


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