Home Deutsche Sprache, ... Hauptsache, Germanisten machen richtig viele Praktikas!

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Germanisten wird gerne nachgesagt, dass sie auf Hartz IV studieren. Soweit ich weiß, sind alle meine ehemaligen Kommilitonen in Lohn und Brot gekommen. Daher kann ich diese Aussage nicht bestätigen. Was ich jedoch sicher weiß: Wenn ein Germanist das Wort „Praktikas“ gebraucht, ist er selbst schuld, wenn ihn keiner einstellen will. Denn was soll man anfangen mit jemandem, der sein eigenes Fach nicht beherrscht?

Germanisten darf dieser Fehler also nicht unterlaufen. Selbst dann nicht, wenn alle anderen Menschen von Praktikas und Visas sprechen, von Antibiotikas und Lexikas, Internas und Dogmas. Das unnötige „s“ am Ende all dieser Pluralformen kommt wohl daher, dass das deutsche Ohr die richtige Endung auf „a“ nicht als Plural erkennt. Also hängen wir einfach noch ein „s“ dran. Ja, so hört sich das doch gleich viel deutscher an!

Problem ist nur, dass all diese Wörter nicht deutschen Ursprungs sind. Und da unsere sprachliche Entwicklung sie noch nicht vollends eingedeutscht hat, stehen die Praktikas dieser Welt noch nicht im Duden. Ebenso wenig die Visas, Antibiotikas, Lexikas, Internas und Dogmas. Ich fürchte zwar, eines Tages werden all diese Formen als richtige Pluralformen anerkannt sein – denn steter Tropfen höhlt leider den Stein. Doch bis es soweit ist, gelten nur die folgenden Pluralformen.

Der richtige Plural für Praktikum & Co.

    ein Praktikum – zwei Praktika
    ein Visum – zwei Visa (auch Visen)
    ein Antibiotikum – zwei Antibiotika
    ein Lexikon – zwei Lexika (auch Lexiken)
    ein Dogma – zwei Dogmen
    ein Internum – zwei Interna

Schon immer hat die deutsche Sprache viele Fremdwörter aus anderen Sprachen übernommen. Daher gibt es oft Verwirrungen, wenn wir diese „Fremdkörper“ in unsere Grammatik und unseren Satzbau einfügen möchten. Aus diesem Grund wird dieser Beitrag wohl nicht der letzte seiner Art sein.


6 Kommentare für diesen Artikel
  1. Danke für den bitter notwendigen Beitrag!
    Manche/r blamiert sich ja gerade mit solchen falschen Pluralbildungen, obwohl er /sie damit ja gerade besonders gescheit aussehen wollte.

    P.S.: Was machen wir mit dem „Status“?

    • Hallo Herr Heidtmann,

      der Status bleibt ein Status – auch wenn er im Plural Statuuuus ausgesprochen wird. Aber das wussten Sie doch schon, oder?! 😉

      Viele Grüße
      Sandra Schwarz

  2. Hallo Frau Schwarz,

    ich schlage noch Soli als Plural für Solo vor (statt der weit verbreitenden Solos) und die Lapsus (mit langem u) statt der Lapsi.

    Freundlich grüßt

    Kai Bargmann

    • Stimmt, die „Solis“ und „Lapsis“ dieser Welt dürfen nicht fehlen 😉