Home Deutsche Sprache, ... Fremdwörter: Nur verwenden, wenn man ihre Bedeutung kennt!

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Ein Geständnis vorweg: Fremdwörter und ich haben eine schwierige Beziehung. In meiner täglichen Arbeit versuche ich sie zu vermeiden, damit meine Texte verständlich werden. Und auch sonst verstehe ich manchmal nur Bahnhof, wenn so genannte Intellektuelle mit ihnen um sich werfen. Doch manchmal höre ich einen Satz und weiß genau, dass da etwas nicht stimmt. Doch was ist es nur, was mich stört?

Ein Bekannter berichtete mir neulich von einem Text, den er Korrektur lesen musste. Darin enthalten war unter anderem folgender Satz:

Die freiwillige Feuerwehr will mit solchen Veranstaltungen vor allem Nachwuchs requirieren.

Wenn ich diesen Satz höre, weiß ich, dass hier wohl das Wort „akquirieren“ gemeint war. Doch würde ich mich nicht erdreisten und den anderen auf seinen Fehler hinweisen. Denn in einem solchen Fall käme die Nachfrage, was denn dann „requirieren“ bedeutet. Und an dieser Stelle hätte ich bisher passen müssen.

Doch weiß ich seit einem Ausflug in die bunte Welt meines Dudens, was requirieren heißt: [für militärische Zwecke] beschlagnahmen. Die Synonyme dazu lauten unter anderem beschlagnahmen, einziehen, exekutieren, konfiszieren, pfänden, sicherstellen, wegnehmen.

Au Backe! Die freiwillige Feuerwehr will Nachwuchs beschlagnahmen, einziehen und exekutieren? Ich bin entsetzt, welche Methoden heutzutage angewandt werden, um junge Menschen für soziale Aufgaben zu begeistern.

Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht?

Um solche Missverständnisse zu vermeiden, sollten wir also nur Wörter verwenden, die wir tatsächlich kennen. In diesem Fall war wohl „akquirieren“ gemeint. Jedoch passt auch das nicht hundertprozentig, denn es bedeutet neben „werben“ auch so viel wie „anschaffen“ oder „einkaufen“. Wie wäre es also mit einem deutschen Wort, das jeder versteht? Vor allem der Sprecher selbst!

Die freiwillige Feuerwehr will […] Nachwuchs werben.
Die freiwillige Feuerwehr will […] Nachwuchs für ihre Arbeit begeistern.
Die freiwillige Feuerwehr will […] Nachwuchs ansprechen.
Die freiwillige Feuerwehr will […] Nachwuchs gewinnen.
Die freiwillige Feuerwehr will […] Nachwuchs finden.
usw.

4 Kommentare für diesen Artikel
  1. Unsere Agentur ist spezialisiert auf PR in der Tourismusindustrie – man könnte meinen, dass sich bei diesem leicht zugänglichen Thema Fremdwörter erübrigen würden, aber so ist es leider nicht. Das Problem ist, dass vielen Unternehmen nicht bewusst ist, dass manche Kunden nicht über das entsprechende Hintergrundwissen verfügen. So ein Fall wie hier, dass ein Fremdwort falsch benutzt ist, ist bei uns zum Glück noch nie vorgekommen. Doch viele Unternehmen wollen auf bestimmte Fremdwörter nicht verzichten, weil sie glauben, eine einfache Sprache würde ihre Fachkompetenz herunterspielen – da ist es oft schwierig, sie vom Gegenteil zu überzeugen…

    • Das stimmt! Eine der schwersten Aufgaben in unserer Branche: Kunden überzeugen, dass Fachjargon nicht die Kompetenz unterstreicht, sondern Kunden verprellt. Mit Speck fängt man Mäuse und mit verständlicher Sprache Kunden.