Home Einfach schön schreiben Superlative: Wie steigert man Jahrhundertflut?

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Im Jahr 2002 ergoss sich die so genannte Jahrhundertflut über Ostdeutschland, zerstörte Städte, verwüstete Ackerland und hinterließ viele verzweifelte Menschen. Schon damals fragte ich mich, wie man den Begriff „Jahrhundertflut“ wohl noch steigern könnte, sollte sich eine noch schlimmere Katastrophe ereignen. Denn mir schien es vermessen, bereits 98 Jahre vor Abschluss des Jahrhunderts einen Superlativ-Titel zu vergeben. Und wie sich gerade zeigt, war es tatsächlich zu früh.

Journalisten müssen besonders verständlich und ausdrucksstark sprechen und schreiben. Und viele meinen, dass dies am besten mit Superlativen geht. Ihr Publikum scheint ihnen diesbezüglich Recht zu geben, denn kaum jemand zuckt zusammen, wenn es in einem Atomkraftwerk zu einem GAU kommt. Berichten die Medien indes von einem Super-GAU, schreien alle sofort nach der Energiewende. Dabei ist dieser Vorfall auch nicht schlimmer als der vermeintlich kleinere „Größte Anzunehmende Unfall“.

Wie steigert man also den GAU und die Jahrhundertflut richtig? Die Antwort lautet: gar nicht. Denn das aktuelle Beispiel zeigt, dass eine Jahrhundertflut durchaus getoppt werden kann. Was bleibt uns nun noch? Jahrtausendflut? Das wäre in Zeiten des Klimawandels wohl noch unpassender, als es „Jahrhundertflut“ jetzt schon ist. Selbst dieser Begriff wäre besser niemals erfunden worden.

Daher wäre es wohl das Beste, wenn wir auf reißerische, unnötige Superlative verzichten und die Dinge lieber beim Namen nennen. Ohnehin kann man solche Ereignisse am besten verstehen, wenn wir sie auf kleine Einheiten herunterbrechen: Eine Oma, die um ihre Andenken trauert. Ein kleiner Junge, der sein Meerschweinchen nicht retten konnte. Ein Bauer, der auf seinem zerstörten Acker steht. Diese Dinge bleiben in Erinnerung, nicht Worte wie „Jahrhundertflut“. Aber Achtung: Trotz dieser Bilder und Schicksale nicht reißerisch werden!


3 Kommentare für diesen Artikel
  1. Irgendwie steigert sie sich selbst. Also jede Flut, die größer ist als ein vorangegangene ist automatisch eine Jahrhundertflut. Dieses Jahrhundert geht eben dann ein paar Jahre länger. Vielleicht sträuben sich jetzt nicht mehr so viele Menschen gegen Schutzwälle und die Bundesländer versiegeln nicht jeden Tag mehrere Hektar Boden. Dann wird sich die Frage nicht mehr stellen, weil dann auch bei stärkstem Regen keine solchen Schäden mehr entstehen können.
    Jedenfalls kann ich mir vorstellen, dass es viele gibt, die nicht alle zehn Jahre ihr ganz Hab und Gut baden wollen.
    Die Frage ist also nicht nach der Steigerung, sondern nach Lösungen. Dort, wo was gemacht wurde, hat es kaum Schaden gegeben.

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