Home Grundlagen der PR Interview: Tipps für ein erfolgreiches Gespräch

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Ein Journalist, der keine Interviews führt, ist kein Journalist. Denn für Recherchen muss man ständig andere Menschen um Informationen bitten oder nach ihrer Meinung fragen. Jedes Telefonat und jede Umfrage kann daher als Interview gelten – auch wenn diese weit weniger aufwendig sind als „richtige“ Interviews. Damit sich niemand so blamiert wie ich einst im Studium, habe ich hier ein paar Tipps zusammengestellt, mit denen ich seither ganz gut fahre.

Das Interview: Vorbereitung ist das A und O

Wer ein gutes Interview führen will, MUSS sich vorbereiten. Wischi-Waschi-Kenntnisse reichen nicht aus, wenn wir unserem Gesprächspartner Details und Geheimnisse entlocken wollen. Daher müssen wir uns vor jedem Gespräch grundlegende Fragen stellen:

  1. Was will ich erreichen?
  2. Bei einem Interview mit Queen Elizabeth will ich das genaue Datum ihrer Abdankung erfahren. Der Apple-Deutschland-Chef soll mir verraten, wie das iPhone 6 aussehen wird. Und Lothar Matthäus soll einen Heiratsantrag für seine neue Freundin in mein Mikrofon sprechen. Das sind mögliche Ziele für ein Interview – ob man diese erreicht, sei dahin gestellt. Aber sie helfen zumindest bei der Vorbereitung.

  3. Will ich Fakten, Meinungen oder Persönliches?
  4. Entsprechend dieser Frage muss ich meine Strategie planen und einen Fragenkatalog erstellen. Sinnvoll ist sicherlich, wenn ich von allem etwas dabei habe. Das macht dem Gesprächspartner, dem Leser und mir selbst mehr Spaß.

  5. Wer ist mein Gesprächspartner?
  6. Welche Position bekleidet er? Welche fachlichen Fragen kann ich ihm stellen? Wofür ist er bekannt? Was hat er vorher gemacht? Was plant er für die Zukunft? Antwortet er auch auf persönliche Fragen? Wenn ja: Was will ich über den Privatmenschen wissen? Wir müssen unseren Gesprächspartner kennenlernen, noch bevor wir ihn persönlich treffen. Nur so können wir Fragen stellen, auf die es bisher noch keine Antwort gab.

  7. Wie komme ich an alle relevanten Fakten?
  8. Manchmal tritt der Gesprächspartner in den Hintergrund und wir wollen nur Fakten von ihm erfahren: Was macht das neue Produkt einzigartig? Wie lange haben Forschung und Entwicklung gedauert? Wie schätzen Sie das Umsatzpotenzial ein? In diesen Fällen sollten wir sicherstellen, dass wir den richtigen Menschen interviewen und nicht mit der Marketing-Dame über Produktionsabläufe philosophieren.

  9. Wie sieht die aktuelle Berichterstattung aus?
  10. Was wurde zuletzt über die Person, das Unternehmen oder das Thema geschrieben? Wie ist die Meinung des Gesprächspartners? Wie wird das Thema in der Öffentlichkeit diskutiert? Lohnt es sich noch, aufzuspringen? Was kann ich selbst zum neuen Thema machen?

Das Interview: Fragenkatalog & Vorgehen

Auf Grundlage dieser Fragen erarbeiten wir dann einen Fragenkatalog. Achtung: Dieser sollte niemals in Stein gemeißelt sein, sondern immer Platz für Nachfragen oder einen Richtungswechsel einräumen. Schließlich wollen wir nicht einfach unsere Fragen herunterleiern, sondern ein Gespräch führen. Denn in einer netten Unterhaltung erzählt unser Gesprächspartner wesentlich mehr als in einem Verhör.

Last but not least: Auch unter Zeitdruck müssen wir unsere Fragen immer einzeln stellen. Andernfalls überfordern wir unseren Interview-Partner oder geben ihm die Möglichkeit, unliebsamen Fragen auszuweichen. Das wäre beides sehr schade.

Das Interview: Grundlage für viele journalistische Texte

Wer ein gutes Interview in der Tasche hat, kann aus dem Vollen schöpfen. Einerseits hat er die Möglichkeit, das Gespräch in Interview-Form abzudrucken – im mehr oder weniger tatsächlichen Wortlaut. Auf der anderen Seite kann er eine Interview-Story schreiben, in der er die Zitate durch indirekte Rede und eigene Beobachtungen ergänzt. Wer die gewonnenen Informationen lieber in einen Fließtext packt, wählt eine andere journalistische Textform und rundet diese mit Zitaten ab (z. B. eine Nachricht, Reportage oder ein Feature).

Ausgangslage ist jedoch meist ein Interview, um das somit kein Journalist herum kommt.


2 Kommentare für diesen Artikel
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