Home Neudeutsch für Anfänger Synergieeffekte: Was haben Schuhe mit Spielzeug zu tun?

Print Friendly

Zwar nicht aus dem Englischen übernommen, dennoch äußerst beliebt in deutschen Chefetagen und Management-Meetings: das Wort Synergieeffekt. Seine fünf Silben machen es sprachlich nicht besonders hübsch; seine ursprünglich positive Bedeutung ist längst vergessen. An seiner statt trat ein ungutes Gefühl in der Magengegend – vor allem bei Arbeitnehmern.

Ein Synergieeffekt ist eine positive Wirkung, die sich aus dem Zusammenschluss oder der Zusammenarbeit mehrerer Organisationen ergibt. So zumindest ist es im wirtschaftslexikon24.com zu lesen. Die FTD in ihrem Business-Talk sieht die Sache nicht ganz so positiv. Demnach ist ein Synergieeffekt die „Folge von gehobenen Synergien. Klingt toll. Alle sprechen davon, aber niemand weiß, was genau damit gemeint ist. Nur alle merken, dass sie jetzt mehr arbeiten müssen.“ *

Egal, ob positiv oder negativ – Synergieeffekte haben immer Auswirkungen auf Unternehmen und deren Mitarbeiter. Nehmen wir zum Beispiel einen Online-Schuhhändler und einen Online-Spielzeugladen: Vor einigen Wochen wurde bekannt, dass Mirapodo in dem Unternehmen MyToys aufgehen wird. Die Geschäfte und Mitarbeiter von Mirapodo schlüpfen damit unter das Dach von MyToys – verkaufen aber weiterhin Schuhe. Doch warum sollten ein Schuhhändler und ein Spielwarenversand zusammen gehen?

Die Antwort lautet: Synergieeffekte. Denn unterm Strich ist es egal, was die beiden Unternehmen verkaufen. Da sie beide im Online-Handel tätig sind, können sie einige Dinge zusammenlegen. Künftig werden sie sich die IT teilen, das Lager oder die Buchhaltung. Dadurch spart das neu entstandene Unternehmen sehr viel Geld. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass manche Arbeitsplätze überflüssig werden könnten.

Synergieeffekte entstehen, wenn sich zwei oder mehr Unternehmen ein System, ein Gebäude oder einen Arbeiter teilen können. Ob das in Hinblick auf Arbeitsqualität und Nachhaltigkeit immer die beste Lösung ist, bleibt abzuwarten. Jedoch wäre es kurzsichtig, Synergien grundsätzlich zu verteufeln. Ein paar Synergieeffekte in Deutschlands Behörden und Ämtern täten dem öffentlichen Haushalt und den Steuerzahlern vielleicht einmal ganz gut – was die Beamten in den jeweiligen Behörden jedoch ganz anders sehen würden. Jede Medaille hat zwei Seiten.

* Bitte asapst mailden, sonst Bottleneck. Businesstalk – das unverzichtbare Vokabular für jedes Büro. Horst von Buttlar und Nikolaus Röttger (Herausgeber). München. 2011.


4 Kommentare für diesen Artikel
  1. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, über mögliche Synergieeffekte nachzudenken.

    Von Mozart weiß man, dass er seine Musik auf Reisen, beim Spaziergang und im Halbschlaf zu Papier brachte. Einstein kamen die besten Ideen beim Rasieren und so manche durchschlagende Erfindung soll auf dem stillen Örtchen geboren worden sein. Mancher hat seine besten Ideen beim Joggen, beim Hundespaziergang oder beim Duschen.

    Auch Wartezeiten lassen sich zur Lösung von schwierigen und umfangreichen Themen nach der „Schweizer-Käse-Technik“ nutzen. Das Hörbuch erlaubt es, gleichzeitig Auto zu fahren. Man kann Radiohören beim Zeitungslesen oder Bügeln beim Fernsehen (wo zwei Infobänder, ein Nachrichtensprecher und eine Life-Übertragung gleichzeitig zu sehen sind).

    Und hier fängt die Sache an, kritisch zu werden: Die sog. „Vergleichzeitigung“ führt zur „Zeitverdichtung“ – nicht mehr eins nach dem anderen („monochron“) wird erledigt, sondern alles parallel („polychron“): Man telefoniert und arbeitet dabei im Hintergrund weiter am PC. Karlheinz Geißler spricht in seinen Büchern schon länger vom „Simultanten“ (nicht zu verwechseln mit „Simulanten“) oder dem „Homo simultans“.

    Letztlich nichts Neues, denn schon Karl Marx diesen Trend erkannt und schrieb: „Neben das Maß der Arbeitszeit als „ausgedehnte Größe“ tritt jetzt das Maß ihres Verdichtungsgrades.“

  2. Hi!

    Vielen Dank für die Erklärung. Ich habe mehrmals das Wort nachgeschlagen. Wenn ich es aber wieder hörte, wusste ich nicht mehr, was es bedeutet. Ein nicht angenehemes Gefühl. Manchmal versteht man die Bedeutung des Wortes vom Kontext. In diesem Fall wirkt es irgendwie umgekehrt. Jetzt ist das Wort völlig klar. Danke!

    Schöne Grüße
    Helen

  3. […] Bücher über alles: Die »Vorsicht Buch!«-Kampagne Bücherblog: Lesestatistik für März 2013 Heidtmanns Bücher: Clemens G. Arvay – „Friss oder stirb“ Literaturcafé: Wie finde ich einen Verlag? Brauche ich überhaupt einen Verlag? buecher.de: Buchtipp: Dieter Nuhr – Das Geheimnis des perfekten Tages kommunikationsABC: Synergieeffekte: Was haben Schuhe mit Spielzeug zu tun? […]