Home Grundlagen der PR Aus dem Nähkästchen: Warum ich Interviews nicht mag

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Im kommenden Beitrag in dieser Kategorie werde ich ein paar Tipps geben, wie man ein Interview vorbereiten kann. Was zum täglichen Handwerkszeug eines Journalisten gehört, müssen auch Öffentlichkeitsarbeiter immer mal wieder einsetzen. Bevor ich jedoch die Lösung dieses Problems präsentiere, verrate ich heute erst einmal, warum Interviews überhaupt ein Problem für mich sind.

Es begab sich zu einer Zeit, als ich noch Studentin war. Mit meinen süßen 23 Lebensjahren nahm ich alles etwas lockerer und absolvierte einige Kurse und Seminare nur, weil ich die Scheine brauchte. So war es auch mit dem Seminar, welches uns die Grundlagen der Interview-Führung vermittelte. Ich wusste schon immer, dass ich lieber schreiben als quatschen wollte und versteckte mich konsequent hinter meinem Ordner. Immer in der Hoffnung, nicht als Anschauungsobjekt herhalten zu müssen.

Diese Taktik ging zunächst auf. Alle Rollenspiele waren verteilt und ich wähnte mich in Sicherheit. Unser Referent hatte uns Bruno Labbadia als Interview-Partner angekündigt, damals noch Spieler beim Karlsruher SC. Während meine Kommilitonen über dessen Fernbleiben traurig waren, war für mich alles in Butter. Hauptsache kein Interview führen!

Doch es kam selbstverständlich alles anders. Am späteren Nachmittag gesellte sich der Fußballer doch noch zu uns und es ist wohl kein großes Rätsel, wer für ein Interview auserkoren wurde: „Du da hinten, du hast den ganzen Tag noch nichts gesagt. Du sprichst jetzt mit Bruno über sein Privatleben und versuchst, ihm ein paar Details zu entlocken. Auf geht’s!“

Vorbereitungszeit = Null. Grundwissen über Bruno Labbadia = Null. Puls = 180. Zwar führten wir das Interview nicht direkt vor der Seminargruppe, doch trug das Mikro in meiner Hand nicht vollends zu meiner Entspannung bei. Ich stammelte zusammenhangloses Zeug und schwupps war das Mikro nach vorne geschnalzt und hatte meine Hand mit sich gerissen – noch bevor ich eine Frage gestellt hatte. Doofe Technik!

Glücklicherweise erbarmte sich mein Gesprächspartner und plauderte unaufgefordert etwas aus seinem Privatleben. Die drei Minuten Gesprächszeit füllten sich so ohne mein weiteres Zutun, so dass ich nach kurzer Zeit entlassen war. Meine eigene, quietschende Stimme aus dem Rekorder und die Lacher meiner Kommilitonen ertrug ich mit dem letzten bisschen Würde, was mir geblieben war, und beschloss, nie wieder ein Interview zu führen.

Selbstverständlich hat sich dieser Vorsatz nicht in die Tat umsetzen lassen. Doch weiß ich heute, wie ich mich nicht mehr bis auf die Knochen blamiere. Wie ich das anstelle, erzähle ich beim nächsten Mal.


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