Home Deutsche Sprache, ... Wie und warum kommen wir eigentlich auf den Hund?

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„Der ist aber ganz schön auf den Hund gekommen!” Oh weh, das verheißt nichts Gutes. Wir wissen wohl alle, was solch ein Urteil über die betroffene Person aussagt. Doch woher stammt diese Redewendung? Hat es tatsächlich etwas mit dem Tier zu tun oder ist vielleicht ein anderer „Hund“ gemeint?

Wenn jemand oder etwas auf den Hund gekommen ist, ist er heruntergekommen. Dies kann in vielerlei Hinsicht geschehen: eine gesundheitliche Verschlechterung, ein gesellschaftlicher Abstieg oder finanzielle Schwierigkeiten. Wenn jemand auf den Hund gekommen ist, geht es ihm schlecht – zumindest schlechter als zuvor. Doch woher stammt diese Redewendung?

Beim Ursprung des Ausdrucks „auf den Hund kommen“ sind sich die Experten nicht einig. Hier ein paar mögliche Erklärungen:

  • Der Hund galt lange als erbärmliche, geprügelte Kreatur. Wenn also jemand auf den Hund kam, hatte er das schlechte Niveau eines Hundes erreicht.
  • Im Bergbau wurden die Männer zum Wagenschieben verdonnert, wenn sie nicht mehr kräftig genug zum Hauen waren. Der Wagen hieß „Hunt“ und bei dieser Arbeit verdienten sie viel weniger als vorher.
  • Früher war es üblich, dass Straftäter öffentlich einen Hund herumtragen mussten, um ihre Schuld vor aller Augen zu beweisen. Wer auf den Hund kam, war ein geächteter Missetäter.
  • Andere Quellen besagen, dass ein Hund am unteren Ende von Kisten zu finden war – entweder in Form eines kleinen separaten Kästchens oder als Zeichnung auf dem Boden. In diesen Fällen waren die Reserven fast aufgebraucht, wenn man auf den Hund kam.
  • Reiche Leute konnten sich früher einen Pferdewagen leisten, weniger Reiche einen Eselskarren, die untere Schicht nur einen Hundewagen. Es war also ein sozialer Abstieg, wenn man vom Pferd auf den Esel und später auf den Hund kam.

Ach ja: Nicht vergessen wollen wir all diejenigen, die auf den Hund kommen, obwohl sie keinen Abstieg erlebt haben. So wird diese Redewendung auch gerne scherzhaft benutzt, wenn sich jemand einen Hund als Haustier anschafft.


6 Kommentare für diesen Artikel
  1. Aufgefallen ist mir, dass alle mir bekannten Redewendungen mit und über den Hund einen negativen Unterton aufweisen: „Ein dicker Hund ist das!“, „vor die Hunde gehen“, etc.
    Gibt es da keine positiven Redewendungen? Als treuer Begleiter des Menschens hätte er sie doch verdient…

    • Offensichtlich schneidet der beste Freund des Menschen wirklich sehr schlecht ab: ein krummer Hund, dort wo die Hunde mit dem Schwanz bellen, es regnet junge Hunde, keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken, hundsgemein, Hundeleben, hundsmiserabel u. s. w. Ich habe auch keine netten Sachen finden können. Komisch.

  2. Ja, die Redewendungen. Ich liebe ihre Bildhaftigkeit, Unmittelbarkeit und ihren Anspielungsreichtum. Wer das Thema etwas systematischer erkunden will: Rolf Bernhard Essig ist so eine Art Sprichwortpapst. In Radiosendungen, Vorträgen, aber vor allem Büchern erläutert er die Ursprünge von Redewendungen, z.B. in „Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt.“
    http://www.amazon.de/wird-doch-Hund-Pfanne-verr%C3%BCckt/dp/3423625120/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1360957460&sr=1-1