Home Neudeutsch für Anfänger Was haben wir YTD bisher im laufenden Jahr erreicht?

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Heute wird es wieder einmal Zeit für eine englische Abkürzung. Es ist noch nicht allzu lange her, dass es sich diese in deutschen Büros bequem gemacht hat. Was mit Absatzzahlen und Gewinnstatistiken begann, ist schnell auf andere Abteilungen übergeschwappt. Heute spricht jeder von YTD – selbst wenn er nichts mit Zahlenwerken zu tun hat.

YTD bedeutet ausgeschrieben so viel wie year-to-date. Auf Deutsch bezeichnet YTD den Zeitraum von Jahresanfang bis zum aktuellen Datum. Am heutigen 4. Februar wäre eine YTD-Kennzahl recht witzlos, da ohnehin monatliche Auswertungen vorliegen. Je weiter das Jahr jedoch voranschreitet, desto interessanter kann solch eine Zahl werden. Automobilkonzerne sagen im Oktober, wie viele Fahrzeuge sie im laufenden Jahr verkauft haben – das ist eine interessante Information. Und in den Zahlenwerken erkennen in- und ausländische Investoren auf einen Blick, was ein Unternehmen bis dato geleistet hat.

Bei der internationalen Rechnungslegung ist diese Abkürzung durchaus sinnvoll. In allen anderen Geschäftsbereichen finde ich sie jedoch ziemlich affig.

Eine Presseabteilung, die YTD sieben Pressemitteilungen verschickt hat.
Eine Personalabteilung, die YTD drei Leute eingestellt hat.
Eine Kantine, die YTD 2.615 vegetarische Essen ausgegeben hat.

Ist es nicht viel schöner, verständlicher und einfacher, wenn wir eine deutsche Alternative wählen?

Im laufenden Jahr haben wir sieben Pressemitteilungen verschickt.
2013 haben wir bislang drei Leute eingestellt.
Dieses Jahr haben wir schon 2.615 vegetarische Essen verkauft.

Aber vielleicht bin ich auch nur altmodisch.


2 Kommentare für diesen Artikel
  1. Liebe Frau Schwarz,

    um altmodisch zu sein, fehlen Ihnen doch wahrlich noch die „years to birth“!

    Sprache ist immer in Bewegung. Lange hat das Französische Einfluss auf die deutsche Sprache gehabt. Seit die alliierten Siegermächte Deutschland „mores“ lehrten, ist es die englische Sprache.

    Oftmals ist das natürlich unerträglich! Und unnötig! Mancher will mit „Denglisch“ nur imponieren.

    Und doch gibt es Fälle, wo auch ich finde, dass das Englische Dinge sehr kurz, knapp und griffig benennt – das kennen wir natürlich auch von anderen Sprachen (zB Latein, Französisch). Das sind zB Idiome wie „It takes two to tango!“ Und „Werkstatt“ ist nun mal etwas anderes als „Workshop“.

    Was bleibt, ist die Tatsache, dass durch die fremde Sprache immer auch die fremde Kultur importiert wird. Mit „Coke“ und „Camel“ zog eben auch ein neues Lebensgfühl ein.

    LG KH