Home Deutsche Sprache, ... Unwort ’12: Opfer-Abo, Pleite-Griechen & Lebensleistungsrente

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Im vergangenen Jahr hatten bei der Wahl zum Wort des Jahres nur Begriffe eine Chance, die kaum oder gar nicht bei den Bürgern bekannt waren. Ähnlich verhält es sich beim Unwort des Jahres, dass am Dienstag bekannt gegeben wurde. Obwohl die Begriffe Schlecker-Frauen, Anschlussverwendung, Moderne Tierhaltung und Ehrensold am häufigsten vorgeschlagen wurden, wählte die Jury „Opfer-Abo“ zum Unwort des Jahres 2012.

Die Jury begründete ihre Entscheidung für „Opfer-Abo“ folgendermaßen: „Im Herbst 2012 sprach Jörg Kachelmann in mehreren Interviews […] davon, dass Frauen in unserer Gesellschaft ein ‚Opfer-Abo‘ hätten. Mit ihm könnten sie ihre Interessen in Form von Falschbeschuldigungen – unter anderem der Vergewaltigung – gegenüber Männern durchsetzen. Das Wort ‚Opfer-Abo‘ stellt in diesem Zusammenhang Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und somit selbst Täterinnen zu sein. Das hält die Jury angesichts des dramatischen Tatbestands, dass nur 5-8 % der von sexueller Gewalt betroffenen Frauen tatsächlich die Polizei einschalten und dass es dabei nur bei 3-4 % der Fälle zu einer Anzeige und einem Gerichtsverfahren kommt, für sachlich grob unangemessen. Das Wort verstößt damit nicht zuletzt auch gegen die Menschenwürde der tatsächlichen Opfer.“

„Opfer-Abo“ ist gerade in diesem Zusammenhang ein abscheuliches Wort. Doch frage ich mich, ob man ihm nicht gerade dadurch zu Ruhm verhilft, indem dass man es zum „Unwort des Jahres“ kürt. Wird es so nicht viel bekannter, als es die eigentliche Aussage jemals war?

Weitere Unwörter des Jahres 2012 waren daneben „Pleite-Griechen“ und „Lebensleistungsrente“. Die Jury bemängelte, dass der Begriff „Pleite-Griechen“ ein ganzes Volk diffamiere. Die „Lebensleistungsrente“ sei indes eine irreführende bis zynische Bezeichnung für ein Vorhaben, bei dem unter sehr restriktiven Bedingungen eine geringfügige Zusatzleistung des Staates versprochen wird. „Mit diesem komplexen Wort wird der Bedeutungsgehalt des Wortes ‚Lebensleistung‘ ausgenutzt, um eine für den Einzelnen marginale staatliche Leistung als Maßnahme gegen Altersarmut zu verkaufen. Sachlich unangemessen ist die Bezeichnung auch, weil mit ihr die ‚Lebensleistung‘ von Menschen auf die für diese Rente vorgegebenen Bedingungen reduziert wird, und zynisch ist sie gegenüber denjenigen, die eine solche ‚Lebensleistung‘ aus familiären oder gesundheitlichen Gründen nicht zu erbringen in der Lage sind.“


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