Home Einfach schön schreiben Nein, nicht, niemals: Nein-Sagen will gelernt sein

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Mit der Verneinung ist das so eine Sache. Das Wort Nein lernen wir zwar direkt, nachdem wir Mama und Papa sagen können – allerdings hören wir es gar nicht gerne. Kein Wunder also, dass die deutsche Sprache unzählige Möglichkeiten liefert, wie wir ein Nein netter ausdrücken können. Für Leser und Zuhörer ist das jedoch sehr verwirrend.

Sicherlich ist es schön, wenn ein Text abwechslungsreich ist. Die Verständlichkeit sollte jedoch immer Vorrang haben vor der Kreativität. Ein klares nein oder nicht verstehen wir meist leichter, als Konstruktionen mit kaum, weder-noch, knapp, miss- oder Mangel. Richtig schlimm wird es, wenn Journalisten zu doppelten Verneinungen greifen oder das Negative bis zum Ende hinauszögern.

Beim journalistischen Schreiben ist gut, was klar und einfach ist. Wer um den heißen Brei herumschreibt, riskiert, dass er nicht verstanden wird – oder die eigentliche Aussage verfälscht.

Entscheiden Sie selbst, welche der folgenden Beispiele für Sie am verständlichsten sind:

  • Das Geld wird nicht reichen.
  • Es wird wohl zu einem Geldmangel kommen.
  • Mittelfristig wird das Land seinen finanziellen Verpflichtungen kaum nachkommen können.
  • Moritz ist jetzt Vegetarier.
  • Moritz isst kein Fleisch mehr.
  • Moritz boykottiert jegliche Fleisch- und Wurstwaren.
  • Nein, das habe ich nicht gesagt.
  • Da haben Sie mich missverstanden.
  • Es lag mir fern, diesen Eindruck zu erwecken.
  • Er hat nur noch wenige Freunde in der Partei.
  • Seine Freunde in der Partei waren auch schon einmal zahlreicher.
  • Einen Großteil seiner Parteifreunde hat er eingebüßt.
  • Er hat viel geredet, aber nichts gesagt.
  • Seine Rede war recht inhaltsleer.
  • Seine Rede verfügte über einen Mangel an brillanten Ideen.

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