Home Deutsche Sprache, ... Wort des Jahres? Noch nie gehört!

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Am vergangenen Freitag kürte die Gesellschaft für deutsche Sprache das Wort des Jahres 2012. Frühere Worte des Jahres trafen meist den Zeitgeist und waren im allgemeinen Sprachgebrauch zu finden, wie z. B. Stresstest (2011), Abwrackprämie (2009) oder Bundeskanzlerin (2005). Doch in diesem Jahr mutierte die liebe Gesellschaft für deutsche Sprache offenbar in eine Gesellschaft für frei erfundene Sprache. Denn egal, wen ich frage: das Wort Rettungsroutine hat noch kein Schwein gehört!

Rettungsroutine. Kanzlerpräsidentin. Bildungsabwendungsprämie. Das ist die Top 3 beim Wort des Jahres 2012. Die Jury begründet ihre Entscheidung für Rettungsroutine mit folgenden Worten: „Dieses Wort spiegelt nicht nur das schon seit einigen Jahren dauerhaft aktuelle Thema der instabilen europäischen Wirtschaftslage wider, sondern beschreibt zudem die zahlreichen und wiederkehrenden Maßnahmen, die bisher zur Stabilisierung unternommen wurden. Sprachlich interessant ist die widersprüchliche Bedeutung der beiden Wortbestandteile: Während eine Rettung im eigentlichen Sinn eine akute, initiative, aber abgeschlossene Handlung darstellt, beinhaltet Routine – als Lehnwort aus dem Französischen – eine wiederkehrende, wenn nicht gar auf Dauer angelegte und auf Erfahrungen basierende Entwicklung.“ (Quelle: Pressemitteilung der GfdS vom 14. Dezember 2012)

Diese Argumente mögen ja alle ganz nett sein, doch lassen sie leider einen wichtigen Punkt außer Acht: Damit ein Wort zum Wort des Jahres werden kann, sollte es vorher in aller Munde gewesen sein. Solch ein Wort muss die Stimmung des ganzen Jahres einfangen und bei jedem Bürger ein wissendes Nicken auslösen. Zumindest nach meinem Verständnis.

Die Verkündung des Wortes Rettungsroutine sorgte jedoch nur für Kopfschütteln. Alle Befragten in meinem Umfeld hatten dieses Wort noch nie gehört – und dass, obwohl viele politisch Interessierte darunter sind. Gleiches gilt für die zweit- und drittplatzierte Kanzlerpräsidentin und Bildungsabwendungsprämie. Herdprämie ist bissig, frech, allseits bekannt und ehrlich. Bildungsabwendungsprämie ist zu lang, zu unbekannt, schlichtweg: Hä?

Die Wahl ist gefallen, sei’s drum! Für die Zukunft wünsche ich der GfdS ein etwas aufmerksameres Ohr am Volk und eine Sekretärin, die weiß, dass man fast 300 E-Mail-Adressen nicht frei sichtbar ins Adressfeld einfügen sollte. Schönen Gruß: das Zauberkürzel lautet BCC!


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