Home Neudeutsch für Anfänger Bye-bye, lieber Business-Talk der FTD!

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Mit dem Ende der Financial Times Deutschland ist Deutschland nicht nur um eine kompetente Wirtschaftsredaktion ärmer. Wissbegierige Neudeutsch-Interessierte verlieren auch eine gute Quelle für neumodische Wörter im Geschäftsalltag. Die Sparte „Neues Futter für den Businesstalk“ stirbt mit allen anderen Inhalten. Doch gibt es glücklicherweise einen Ausweg.

Was habe ich manchmal gelacht, wenn ich die Erklärungen der FTD-Redaktion für neudeutsche Begriffe las. Mein liebstes Unwort innovativ wurde hier z. B. folgendermaßen erklärt:

in|no|va|tiv, dt.; neu; von lat. innovare: erneuern; i. kann alles sein: eine Idee, ein Produkt, eine Firma. Egal, was es ist, Hauptsache, es kommt von Ihnen. Sagen Sie es, sooft Sie können, vor jedem Substantiv (außer vor: „Mittagspause“ und „Feierabend“)!

Mit einer guten Portion Ironie und Wortwitz nahm die FTD viele neumodische Begriffe auf die Schippe – und erklärte sie doch so, dass es jeder gut verstehen konnte. Hier noch ein paar Highlights:

Agen|da, die, dt.; die Aufgaben, die Tagesordnung; Bsp.: „Können Sie das bitte erledigen?“ Antwort: „Ich muss erst schauen, was bei mir heute noch auf der Agenda steht.“ Bedeutet: 1.“Ich habe keine Zeit.“ 2. „Ich habe keinen Überblick über meine To-dos.“ 3.“Ich habe keine Lust.“ Zweites Bsp.: „Was ist mit dem Projekt in Asien?“ „Das steht bei uns nicht mehr auf der Agenda.“ Bedeutet: 1. „Das hat alles nicht geklappt.“ 2. „Wir wissen da nicht mehr weiter.“

Core busi|ness, das, engl.; Kerngeschäft; Geschäftsfeld, in dem die Hauptkompetenz sitzt, und das wesentlich zum Erlös beiträgt. Bsp.: „Leute, wir müssen uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren.“ Bedeutet: 1.“Schluss mit den ganzen Abenteuern, die in den vergangenen Jahren nur Geld gefressen haben.“ 2.“Vergesst alles, was wir euch in der Vergangenheit über Wachstum und Strategien erzählt haben“ 3.“Weiß zufällig einer noch, wofür dieses Unternehmen einmal stand?“

just in time, engl., gerade noch rechtzeitig; ursprüngl. Begriff aus Produktion und Vertrieb für zeitoptimale Prozesse; allgem. eher negativer Ausdruck für Aufgaben, die auf den letzten Drücker erledigt wurden – also so ziemlich alle. Der Chef sagt dann: „Das war aber j. i. t.!“ Der Untergebene nickt, gelobt Besserung und schneidet beim Rausgehen eine Fratze.

Man|po|wer, die, engl.; Arbeitskraft, die zur Erledigung einer Aufgabe zur Verfügung steht; Bsp.: „Dafür bräuchten wir mehr Manpower.“ Bedeutet: „Wir haben keinen blassen Schimmer, was wir machen sollen. Aber vielleicht hat ja jemand Neues eine Idee.“ Merke: Es gibt eigentlich nie genug Manpower.

tar|get, engl. Ziel; im weitesten Sinne: In jedem Unternehmen wird definiert, was in einem bestimmten Zeitraum erreicht werden soll. Egal ob das Ziel über- oder untererfüllt wird, es ist grundsätzlich falsch gesteckt. Es gilt:
1. T. untererfüllt: Es gibt Ärger.
2. T. übererfüllt: Zuerst Congratulations, dann gibt es Ärger, warum das forecast so ungenau war.
3. T. erfüllt (Punktlandung): Zuerst Congratulations, dann die Frage, warum man nicht wie andere übererfüllt hat.

Bislang kann man den gesammelten Business-Talk auf der Seite der FTD lesen – doch wer weiß, wie lange noch!? Wer den Business-Talk in seinem Bücherregal konservieren will, kann sich jedoch ein Exemplar der Buchausgabe sichern: Bitte asapst mailden, sonst Bottleneck: Businesstalk – Das unverzichtbare Vokabular für jedes Büro. So bleibt ein Stück FTD doch für die Ewigkeit erhalten.

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