Home Deutsche Sprache, ... Darf man Vornamen mit einem Artikel paaren?

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Lange, lange ist sie her, meine Kindheit in Brandenburg. Damals nannten mich alle Sandra und ich war glücklich und zufrieden. Dann zogen wir nach Süddeutschland und kurzerhand wurde ich umgetauft in die Sandra. Doch damit nicht genug: Im Laufe der Jahre lernte ich, dass ich auch zu das Sandra werden kann – etwa, wenn wir Freunde in Rheinland-Pfalz besuchen. Doch wie heiße ich denn nun richtig?

Keine Frage: In meinem Ausweis steht ganz einfach Sandra Schwarz. Kein das und kein die. Auch beim meinem Freund steht kein der vor dem Namen, daher scheint mir die Verwendung eines Artikels bei Namen überflüssig, wenn nicht sogar falsch. Meine süddeutschen und westdeutschen Mitbürger sehen das selbstverständlich anders.

Der Duden* führt zu dieser Frage aus:

„Personennamen werden […] im Allgemeinen ohne Artikel gebraucht. […] Vor allem umgangssprachlich steht der Artikel auch bei Personennamen ohne Adjektiv […]. Mit diesem Gebrauch wird bei Vornamen bekräftigt, dass die bezeichnete Person bekannt ist. Er signalisiert eine gewisse Vertrautheit und ist besonders im Süden des deutschen Sprachgebiets verbreitet.“

Wir fassen zusammen: im Allgemeinen ohne Artikel, umgangssprachlich mit Artikel und der süddeutsche Sprachraum bekommt sowieso eine Extrawurst. Unterm Strich haben also beide Parteien Recht – solange sie nicht den sprachlichen Äquator überqueren.

Keine Meinung hat der Duden zum vermeintlich weiblichen Artikel das bzw. dat. Auch wenn ich Dialekte niedlich und schützenswert finde, kann ich dem sächlichen Artikel vor weiblichen Vornamen überhaupt nichts abgewinnen. Ich persönlich fühle mich da immer etwas abgewertet. Da können sie gleich sagen: „Das/dat Sandra kann bei dem anderen Schwein im Stall schlafen.“ Nicht fein!

* Duden. Richtiges und gutes Deutsch. Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle. 6., vollständig überarbeitete Auflage. Herausgegeben von der Dudenredaktion. Bearbeitet von Peter Eisenberg unter Mitwirkung von Franziska Münzberg und Kathrin Kunkel-Razum. Auf Grundlage der neuen amtlichen Rechtschreibregeln. Duden Band 9. Mannheim, Zürich 2007.

5 Kommentare für diesen Artikel
  1. Guten Tag Frau Schwarz!

    Der Duden hat in meinen Augen ohnehin seine Berechtigung verloren, indem er sich selbst überflüssig gemacht hat. Denn anstatt wie früher etwas als richtig vorzugeben, listet er vielfach nur noch auf, was „auch üblich“ ist und beugt sich so der Masse.

    Ansonsten: Glückwunsch zu Ihrer Seite, in der viel Arbeit steckt! Wenn Sie mögen, können Sie ja mal in mein Wörterbuch der Blähwörter blicken: http://www.aussenfassade.net

    Mit besten Grüßen

    Christian Althoff

  2. Hallo Frau Schwarz,

    als Deutscher mit Bayerisch-schwäbischer Provenienz ist mir die Verwendung des bestimmten Artikels vor Vornamen natürlich nicht fremd. In meiner Familie werde ich bei Treffen komisch angeschaut, wenn ich selbiges Sprachkonstrukt nicht verwende und beim sprechen nicht an jedes zweite Wort ein „sch“ anhänge…trotzdem muss ich an dieser Stelle eine Lanze für Dialekte im Allgemeinen brechen und speziell die süddeutschen Dialekte versuchen durch Abschleifung, Reduktion und Lautverschiebungen das flüssige Sprechen zu erleichtern. Ob einem das gefällt ist eine andere Frage…

    Dem Kommentar von Christian Althoff muss ich energisch widersprechen, der Duden hat sich der deutschen, gesprochenen Sprache anzupassen und nicht umgekehrt! Sprache ist immer etwas lebendiges, sich veränderndes und zwar nicht von oben herab, sondern aus dem Kreis der SPrecher heraus. Ansonsten könnten wir heute noch mit (dem) Walther einstimmen: „Du bist min, ich bin din, des sollst du gewiss sin…“

    In diesem Sinne

    Der Jürgen