Home Neudeutsch für Anfänger Ist ein Point of no return wirklich alternativlos?

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„Das müssen wir jetzt so machen. Den Point of no return haben wir schon lange überschritten!“ Wenn wir diese Sätze hören, wissen wir, dass gesunder Menschenverstand und sachliche Argumente keine Chance mehr haben. Ein Projekt wird auf Gedeih und Verderb durchgezogen – egal, wie schwachsinnig es ist. Damit zeigt der Point of no return eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Unwort des Jahres 2010: alternativlos.

Point of no return heißt übersetzt so viel wie: Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Sicherlich lässt sich diese Formel für gewisse Dinge anwenden. Wenn wir bei einem Fallschirmsprung bereits gehüpft sind – das ist ein Point of no return. Oder wenn wir unserem feindlich gesinnten Chef die Kündigung auf den Schreibtisch knallen und ihn noch dazu als „dummen Esel“ bezeichnen – auch hier dürfte es keinen Weg zurück mehr geben.

Im Büroalltag wird der Point of no return jedoch gerne missbraucht. So nutzen beratungsresistente Kollegen und Vorgesetzte diese Floskel, wenn sie eine Diskussion beenden wollen. Oder wenn sie keine Kritik an ihren Entscheidungen zulassen. In solchen Fällen tut man gut daran, die Sache auf sich beruhen zu lassen, denn Gegenargumente, Verbesserungsvorschläge oder komplett neue Alternativen sind hier unerwünscht.

Der Point of no return kann also auch gerne mit alternativlos übersetzt werden. Der übermäßige Gebrauch durch unsere liebe Bundeskanzlerin bescherte dem Wort alternativlos 2010 den Titel „Unwort des Jahres“. In der Begründung der Jury hieß es seinerzeit: „Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe. Behauptungen dieser Art sind 2010 zu oft aufgestellt worden, sie drohen, die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung zu verstärken.“ (Quelle: Wikipedia)