Home Einfach schön schreiben 20 Sekunden entscheiden über Lesen oder Weiterblättern

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Liebe auf den ersten Blick – das gibt es auch bei redaktionellen Inhalten. Leser entscheiden ganz schnell, ob sie einen Artikel weiterlesen oder ob sie weiterblättern. Das gilt für Nachrichten, Reportagen, Kommentare, Rezensionen und alle anderen Texte. Nur 20 Sekunden haben wir, um unsere Leser an unseren Beitrag zu fesseln. Das ist sportlich, aber machbar.

In 20 Sekunden liest der durchschnittliche Leser 300 bis 400 Zeichen. Also einen Text, der so lang ist wie meine Einleitung oben. In diesen 20 Sekunden müssen wir für unseren Text werben, sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Wir müssen leicht verständliche Sätze schreiben und alle journalistischen Grundregeln anwenden (z. B. Checkliste für gute Texte). Dies ist in den ersten Sätzen noch wichtiger als im Rest des Artikels. Wenn wir unsere Leser mit unserer Sprache abschrecken, kann der Inhalt noch so spannend sein – er wird ihn nicht mehr interessieren.

Auf der anderen Seite müssen wir Interesse für unser Thema wecken. Dies gelingt uns, indem wir mit der Tür ins Haus fallen. Lange Einleitungen können wir uns sparen, wir müssen sofort schreiben, was das Interessante ist. Ein überraschender Wahlausgang, der Freud‘sche Versprecher Politikers oder ein witziger Zwischenfall auf dem Oktoberfest: In den ersten 20 Sekunden muss etwas passieren, das woanders nicht passiert. Nur dann bleibt unser Leser bei uns.

Sicherlich hängt es von der Textform ab, was das Beste an unserem Thema ist. Wer eine Nachricht oder Pressemitteilung schreibt, muss die Sachinformation an den Anfang stellen. Wer eine Reportage verfasst, kann mit einer lebhaften Szene anfangen oder eine freche Behauptung aufstellen. So fangen wir Leser selbst dann ein, wenn sie sich eigentlich gar nicht für unser Thema interessieren.


2 Kommentare für diesen Artikel
  1. Das ist eine interessante und wertvolle Tatsache für einen Texter. Man soll sie aber auch richtig ausnutzen können, denn manche Autoren übertreiben damit bei der Auswahl des Titels oder in der Anleitung. Sie wählen sensationelle Überschriften und zweideutige Behauptungen aus, aber schon im zweiten Absatz geht es ums Thema, das schon mehrmals diskutiert wurde. Ich denke, dass die Länge des Textes auch wichtig ist. Nur wenige Nutzer lesen gerne lange Artikel. Aussagekräftige Überschriften könnten aber schon den Leser motivieren, den Text bis zum Ende zu lesen.