Home Einfach schön schreiben Der feine Unterschied zwischen „fast“ und „knapp“

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Wie versprochen folgt nach einer krankheitsbedingten Pause in der vergangenen Woche heute ein neuer Beitrag im kommunikationsABC. Dieser beschäftigt sich mit zwei kurzen Wörtern, die wir gerne synonym verwenden. Dabei gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied, den gerade Journalisten und Texter beachten sollten.

Buchhalterisch und bilanziell spielt es sicherlich keine Rolle, ob ein Unternehmen fast eine Milliarde Euro Gewinn gemacht hat oder knapp eine Milliarde Euro. In beiden Fällen ist die Milliardengrenze nicht überschritten worden und die gleichen 956.723.658,41 Euro werden verbucht. Doch sprachlich besteht ein sehr großer Unterschied zwischen knapp und fast. Das Wörtchen fast ist in den meisten Fällen die bessere Wahl, denn es beschreibt den Sachverhalt neutral und wertfrei. Das Wort knapp zeigt hingegen an, dass eine gewisse Knappheit, ein Mangel besteht.

    >>> Das Unternehmen hat fast eine Milliarde Euro Gewinn gemacht.
    >>> Das Unternehmen hat knapp eine Milliarde Euro Gewinn gemacht.

Wer in diesem Fall das Wort knapp wählt, drückt insgeheim aus, dass der Gewinn nicht ausreichend ist. Hätte sich das Unternehmen etwas mehr angestrengt, hätte es nicht nur eine knappe Milliarde Euro Gewinn gemacht, sondern eine gute Milliarde Euro.

Manchen mag diese Haarspalterei absurd vorkommen und bestimmt fällt vielen Menschen dieser Unterschied gar nicht auf. Journalisten müssen sich in Nachrichten jedoch jegliche Wertungen verkneifen und objektiv berichten. Und da sie vom Schreiben leben, sollten sie diesen Unterschied kennen und beachten.


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