Home Deutsche Sprache, ... Ein paar Deutsch-Tipps zum Tag der deutschen Sprache

Print Friendly

Jedes Jahr am zweiten Samstag im September findet der Tag der deutschen Sprache statt. Mit diesem Tag wollen die Initiatoren u. a. ein Sprachbewusstsein schaffen, das den unkritischen Gebrauch von Fremdwörtern eindämmt. Der Tag soll für den Gebrauch von gutem und verständlichem Deutsch werben und die Wichtigkeit guter muttersprachiger Kenntnisse für alle Lebensbereiche hervorheben. Ich trage heute schon einmal mein Teil dazu bei – mit ein paar kleinen Merksätzen und Deutsch-Tipps.

Dies & Das

  • Vor Jahreszahlen gehört kein „in“! Im Jahr 2012 soll die Erde untergehen. Oder: 2012 soll die Erde untergehen.
  • Es heißt „Der Sommer dieses Jahres“. „Der Sommer diesen Jahres“ ist falsch.
  • Das gleiche Haus ist nicht dasselbe Haus. Das gleiche Haus gleicht nur dem anderen. Dasselbe ist exakt dasselbe Haus!
  • Etwas „ist sinnvoll“. Etwas „ergibt Sinn“. Etwas „hat Sinn“. Aber „Sinn machen“ kann nichts!
  • In Süddeutschland hört man „Warum hast du umgeschalten?“ Hochdeutsch/richtig heißt es aber „Warum hast du umgeschaltet?“
  • Es heißt „deinetwegen“, nicht „wegen dir“!
  • Wenn mehrere Wörter hintereinander abgekürzt werden, setzt man zwischendrin Leerzeichen: z. B. oder u. v. m. oder m. E.
  • Das Wort „buchhalterisch“ wird auf der ersten Silbe betont. Die Aussprache „buchhalteeeeeeerisch“ ist laut Duden falsch.
  • Bei der 2. Pers. Sing. Akt. Präs. von „halten“ vergisst man gerne das erste „t“. Die richtige Form lautet „du hältst“.
  • Hing oder hängte? Das Bild hängt an der Wand. Das Bild hing an der Wand. Das Bild hatte an der Wand gehangen. ABER: Ich hänge das Bild an die Wand. Ich hängte das Bild an die Wand. Ich habe das Bild an die Wand gehängt.
  • Herunter oder hinunter? „Hinunter“ bewegt sich jemand von mir weg: Ich stehe oben, der andere läuft den Berg hinunter. „Herunter“ bewegt sich jemand zu mir her: Ich stehe unten, der andere läuft den Berg herunter.
  • Zwar sagen wir „brilljant“, die Schreibweise sieht aber weder ein „j“ noch ein zweites „i“ vor. Richtig ist „brillant“.

Groß- oder Kleinschreibung

  • Zahlen bei der Uhrzeit werden klein geschrieben: Wolltet ihr euch nicht um ein Uhr treffen? Ja, wir treffen uns um eins!
  • Für gewöhnlich werden Formen von „ander-“ kleingeschrieben: die anderen, der andere, alles andere, jemand anders… Das „Andere“ kann jedoch großgeschrieben werden, wenn man kein unbestimmtes Zahlwort meint: z. B. die Suche nach dem Anderen.
  • Wann schreibe ich „gleich“ klein? z. B. das gleiche Spiel, alle Männer sind gleich, gleiches Recht für alle
  • Wann schreibe ich „gleich“ groß? z. B. Ich wünsche dir das Gleiche, Gleiches mit Gleichem vergelten, Gleich und Gleich
  • Bei der festen Verbindung „Jung und Alt“ im Sinne von „jedermann“ werden die Adjektive „jung“ und „alt“ großgeschrieben.
  • Abend oder abends? Das Substantiv „Abend“ wird großgeschrieben: eines Abends, es wird Abend, gestern Abend, guten Abend. Das Adverb „abends“ wird kleingeschrieben: mittwochs abends, von morgens bis abends, abends um neun
  • Reden oder reden? Er hat gut reden. Er macht von sich reden. ABER: Durch ständiges Reden will er sie zum Reden bringen.
  • Pleite oder pleite? Das Adjektiv schreibt man klein: Er ist pleite! Das Substantiv schreibt man groß: Er macht Pleite!
  • „meist“ wird auch in Verbindung mit Artikeln kleingeschrieben: das meiste kennt ihr schon, die meisten denken, dass…
  • Du hast Recht/recht, wirst Recht/recht behalten und ich werde dir Recht/recht geben. Beide Schreibweisen sind richtig.
  • Herzlich willkommen! Seien Sie willkommen! In Grußformeln schreibt man „willkommen“ klein.
  • Substantivierte Zahlwörter und Infinitive schreibt man groß: der Dritte an diesem Tag, der Erste in der Reihe, eine Vier schreiben, das Lesen, beim Schreiben, zum Einkaufen, schnelles Laufen
  • Lachen oder lachen? Klein schreibt man lachen z. B. hier: Wir mussten herzhaft lachen. Sie hat gut lachen. Groß schreibt man lachen z. B. hier: Dein Lachen wird dir vergehen. Der Witz ist zum Lachen.
  • Worte mit „all-“ werden für gewöhnlich kleingeschrieben: Sie sind alle da. Es geht um alles. Ausnahme: Du bist mein Ein und Alles!

Imperative

  • Der Imperativ von „sterben“ lautet „Stirb!“ Bruce Willis hätte wohl niemanden mit einem „Sterbe langsam!“ beeindruckt.
  • Der Imperativ von vergessen lautet „vergiss!“ Das Blümchen heißt schließlich Vergissmeinnicht, nicht Vergessmeinnicht.
  • Der richtige Imperativ von „helfen“ lautet „hilf“. Hilf mir bitte aus dem Auto! Hilf dir selbst, dann wird dir geholfen!
  • Der Imperativ von „sehen“ lautet „sieh!“ Da werden jetzt einige Leute sagen: „Sieh mal einer an…“
  • Der korrekte Imperativ von „treten“ lautet nicht „trete!“, sondern „tritt!“ Beispiel: Tritt nicht immer auf der Stelle!
  • Mütter, die ihre Kinder grammatikalisch korrekt erziehen wollen, sagen: „Iss nicht so schnell!“ (nicht: Ess!) Gleiches gilt bei Hunden: „Friss!“ (anstatt: „Fress!“)
  • Empfehl mir ein Restaurant! Kann ich nicht, aber wenn du sagst: „Empfiehl mir ein Restaurant“, empfehle ich die Krone.
  • Mit der Aufforderung „Werf den Ball her!“ erreicht man bei Deutschkundigen nichts. Denn es heißt „Wirf den Ball her!“
  • Der gute Rat eines Freundes: „Triff dich mit ihr!“ Vorsicht, wenn er vorschlägt „Treff…!“ Das ist der falsche Imperativ.
  • Die Werbung macht es ausnahmsweise richtig: Der Imperativ von „nehmen“ lautet „nimm!“ Nimm zwei Bonbons!
  • Die Befehlsform für Verben auf -eln und -ern wird mit -e gebildet: Feiere schön! Sammele Pilze! Angele Fische! Jedoch kann das -e in der Mitte wegfallen: Feire schön! Sammle Pilze! Umgangssprachlich lassen jedoch viele Menschen das -e am Ende weg: Feier schön!
  • Imperative im „Herbsttag“ (R. M. Rilke): „Befiehl den letzten Früchten voll zu sein/gib ihnen noch zwei südlichere Tage“!
  • Schon Sokrates wusste, wie es richtig heißt: „Sprich, damit ich dich sehe!“ nicht „Sprech, damit ich dich sehe!“
  • Der Imperativ des Wortes „lesen“ lautet „lies!“ – Lies diese Tipps bitte aufmerksam!

Präpositionen & der richtige Fall

  • James Bond – Im Angesicht des Todes! Auf die Präposition „angesichts“ folgt der Genitiv.
  • Auf die Präposition „infolge“ folgt der Genitiv: infolge des schlechten Wetters, infolge seines großen Einsatzes
  • Auf das Wörtchen „dank“ folgt der Genitiv: dank seines guten Aussehens, dank ihres Talents, dank deiner Begeisterung.
  • Während des Essens, während des Unterrichts, während meines Feierabends: Nach „während“ folgt immer ein Genitiv.
  • Auf die Präposition „statt“ folgt der Genitiv: statt des schlechten Wetters, statt des Sohnes, statt eines Lobes
  • Seitens des Publikums, seitens der Gemeinde, seitens seines Chefs: Nach „seitens“ folgt der Genitiv.
  • Auf die Präposition „unweit“ folgt immer der Genitiv: unweit des Baumes, unweit unseres Hauses, unweit des Sees
  • Auf die Präposition „trotz“ folgt ein Genitiv, wenn das Hauptwort nicht allein steht: trotz des Regens. Wenn das Hauptwort allein steht, kann ein Genitiv oder ein Dativ folgen: trotz Regen(s)
  • Wenn die Präposition „aufgrund“ allein steht, folgt ein Genitiv: aufgrund des Fehlers, aufgrund schlechten Wetters. Wenn „aufgrund“ zusammen mit „von“ steht, benutzt man den Dativ: aufgrund von schlechtem Wetter, aufgrund von Verträgen
  • Wenn „einschließlich“ vor einem bekleideten Hauptwort steht, folgt der Genitiv: z. B. einschließlich des Portos. Wenn „einschließlich“ vor einem unbekleideten Hauptwort steht, folgen Genitiv oder Dativ: einschließlich Portos/Porto
  • Ortsangaben mit „nahe“ verlangen einen Dativ: nahe dem See, nahe der Stadt, nahe dem Marktplatz, nahe der Brücke
  • Auf die Präposition „entgegen“ folgt ein Dativ: entgegen seinem Vertrag, entgegen anders lautenden Berichten
  • Auf die Präpositionen „entsprechend“ und „gemäß“ folgt der Dativ: entsprechend seinem Vertrag, entsprechend ihren Angaben, gemäß deinem Brief, der Satzung gemäß, gemäß dem Gesetz

Steigerung von Adjektiven

  • Ungleiche Vergleiche werden mit „als“ gebildet und nicht mit „wie“: größer als, schöner als, besser als…
  • Gleiche Vergleiche werden mit „wie“ gebildet: genauso schnell wie, genauso groß wie, so hübsch wie, gleich stark wie. Ein gleicher Vergleich ist z. B. auch „doppelt so schnell wie“. Das Adjektiv ist nicht gesteigert, daher folgt ein „wie“.
  • Die Steigerung des Adjektivs „weit reichend“ lautet: „weiter reichend“ – „weitest reichend“. NICHT: „weit reichender“
  • Die Steigerung von „viel gelesen“ lautet „mehr gelesen“ – „meist gelesen“: Er ist der meist gelesene Autor der Neuzeit.
  • Einen gut aussehendsten Mann gibt es nicht. Die korrekte Steigerung lautet: gut – besser – am besten aussehend
  • „altmodisch“ wird hinten gesteigert, da es als ein Wort gilt und nicht als Zusammensetzung: altmodisch, altmodischer, altmodischste (aber: hoch-, höher und höchstgelegen)
  • Nur „normale“ Farben kann man beugen: die grüne Hose, das blaue Blut, der rote Vorhang, der gelbe Vogel. „Neumodische“ Farben bleiben unverändert: das rosa Haus, der lila Schal, die türkis Kette
  • Ein „einziger“ Mensch ist ganz allein. Einsamer kann er nicht werden. Daher ist die Steigerung „einzigster“ falsch.
  • Die korrekte Steigerung des Adjektivs „schwarz“ lautet: schwarz, schwärzer, am schwärzesten
  • Das Adjektiv „fromm“ darf man mit und ohne Umlaut steigern: frommer/frommste oder frömmer/frömmste. Beides ist richtig.

Plural

  • Die Mehrzahl von Couch lautet Couchs oder Couchen. Sofas geht aber auch! 😉
  • Der richtige Plural des Wortes „Visum“ lautet „Visa“ oder „Visen“. „Visas“ ist jedoch falsch.
  • Der richtige Plural von Geschmack lautet Geschmäcke. Der Plural Geschmäcker ist nur eine scherzhafte Form.
  • Für das Wort Hospital gibt es zwei Pluralformen: Hospitale und Hospitäler
  • Der Plural des Wortes „Eindruck“ lautet „Eindrücke“. „Eindrucke“ gibt es auch, aber nur in Druckereien!
  • Der Plural von Wagen lautet Wagen, nicht Wägen!
  • Der Plural des Wortes Status lautet Status. Jedoch wird in der Mehrzahl das „u“ lang gesprochen: Statuuuus
  • Die Mehrzahl der Worte Virus und Zyklus wird mit -en gebildet: ein Virus, viele Viren; ein Zyklus, mehrere Zyklen
  • Der Plural von Bambus ist Bambusse. Genau wie bei Globus – Globusse. Wobei man hier auch Globen sagen kann.
  • Der richtige Plural des Wortes „Komma“ lautet „Kommas“ oder „Kommata“. „Kommatas“ ist doppelt-gemoppelt und falsch.
  • Der richtige Plural des Wortes „Espresso“ lautet „Espressos“ oder „Espressi“. „Espressis“ gibt es aber nicht.

4 Kommentare für diesen Artikel
  1. Wundervolle Seiten, auf die ich per Zufall aufmerksam geworden bin. Ich werde sicherlich häufiger vorbeischauen!

    Ein paar kleine Korrekturanmerkungen seien mir allerdings bitte erlaubt:

    Schon Sokrates wusste, wie es richtig heißt: „Sprich, damit ich dich sehe!“ nicht „Sprech, damit ich dich sehe!“
    => Auch wenn der Imperativ korrekt ist: Sokrates war Grieche und hatte mit dem deutschen Imperativ nichts am Hut. Übersetzte Zitate sind strenggenommen keine, da sie natürlich der Rechtschreibung und Grammatik der Zielsprache folgen.

    Die Steigerung von „viel gelesen“ lautet „mehr gelesen“ – „meist gelesen“: Er ist der meist gelesene Autor der Neuzeit
    => Nein, er ist der meistgelesene Autor (siehe auch unten: Meistgelesene Artikel ;-))

    Die Mehrzahl der Worte Virus und Zyklus wird mit -en gebildet: ein Virus, viele Viren; ein Zyklus, mehrere Zyklen
    => Wenn man genau sein möchte, sollte man an dieser Stelle schreiben: Die Mehrzahl der Wörter.

    • Hallo Marc,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Ok, beim Sokrates fehlt ganz offensichtlich ein Smiley – meinen schiefen Humor versteht sonst keiner 🙂 Meinen Recherchen zufolge wird „meist gelesen“ nach der Rechtschreibreform getrennt geschrieben, jedoch ist die alte Form „meistgelesen“ auch erlaubt – warum klar, wenn es auch verwirrend geht? Wörter und Worte schmeiße ich allerdings immer durcheinander, sorry!

      Vielen Dank noch einmal & schöne Weihnachten
      Sandra