Home Deutsche Sprache, ... Unsere Grammatik ist schlecht, weil wir passen nicht mehr auf

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In letzter Zeit ertappte ich mich immer häufiger dabei, dass ich bei einem neuen Sprachphänomen mitmache. Ich will es gar nicht und doch hat es sich heimlich, still und leise in meinen Sprachgebrauch eingeschlichen. In Gesprächen mache ich diesen Fehler manchmal. Aber ich hoffe, dass ich nicht auch in meinen Texten anfange, Hauptsatz und Nebensatz zu vertauschen.

Es gibt Konjunktionen, die verbinden Hauptsätze miteinander, z. B. und, oder, aber und sondern. Und es gibt Konjunktionen, die leiten Nebensätze ein, wie z. B. weil, wobei und obwohl. Während wir bei der ersten Gruppe beim Satzbau nichts beachten müssen, bringt die zweite Gruppe eine Besonderheit mit sich.

Subjekt | Prädikat | Objekt. Das ist der herkömmliche Aufbau eines Hauptsatzes. Das Prädikat steht hier meist in der Mitte: Ich gehe heute Abend ins Kino. In einem Nebensatz müssen wir von dieser strengen Form abweichen und das Prädikat ans Satzende stellen: Ich habe heute Abend keine Zeit, weil ich ins Kino gehe.

Nun hat es sich in letzter Zeit eingebürgert, auch Nebensätze mit Subjekt | Prädikat | Objekt zu bilden. Das ist laut der einschlägigen Grammatikwerke nicht erlaubt – aber natürlich sehr viel bequemer. Denn so müssen wir uns nicht zwei Regeln merken, sondern nur eine.

Auch mich hat diese Faulheit teilweise erfasst, was mich extrem nervt. Vor allem bei Nebensätzen mit „weil“ ertappe ich mich. Das Ganze kann sich dann folgendermaßen anhören:

Ich muss heute nicht kochen, weil wir haben noch genug von gestern übrig.
Wir gehen dieses Jahr nicht mehr in Urlaub, weil wir waren im Frühling in Florida.
Ich werde mit auf die Party gehen, obwohl ich mag die Gastgeberin nicht.

Was für ein Schwachsinn! Wenn man das geschrieben sieht, erkennt man das sofort. Trotzdem rutscht es uns in Gesprächen ständig heraus. Das hört sich dann so an, als sprächen wir einen Doppelpunkt mit – oder hätten zu oft „Star Wars“ geschaut. Deine Grammatik-Kenntnis miserabel ist!


5 Kommentare für diesen Artikel
  1. Seien Sie nicht so streng mit sich, Frau Schwarz! Wenn wir sprechen, machen wir oft eine kleine Pause nach der Konjunktion – praktisch einen Gedankenstrich – und dann klingt SPO wieder richtig. Das kann man nur leider nicht lesen – es sei denn, man setzte einen Gedankenstrick. Das wäre eine Lösung.

    Für die kausale Konjunktion gibt es noch eine schöne Alternative: Sie können SPO erhalten, wenn sie „weil“ gegen „denn“ tauschen. Doch das ist leider in Vergessenheit geraten, wie ich schon vergangenes Jahr feststellen musste. Wie und warum steht hier: http://www.better-media.de/bmwp/2011/05/hilfe-weil-das-wortchen-denn-stirbt-aus/

    • Lieber Herr Bargmann,
      vielen Dank für diesen Super-Beitrag! Wieder einmal ergänzen sich unsere Blogs perfekt.