Home Neudeutsch für Anfänger Die Kunst in einem kurzen Briefing zu briefen

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Briefings gehören zum deutschen Büroalltag wie der Kaffeeklatsch und nörgelnde Chefs. Und da das Wort „Briefing“ nicht schaurig genug ist, haben wir ein deutsches Verb daraus gebildet: So brieft uns der Chef in einem Jour Fixe und wir briefen Lieferanten und sagen ihnen, was wir genau haben wollen. Dabei haben diese Aktionen meistens nichts mehr mit dem ursprünglichen Wort zu tun.

Wenn ich jemanden briefe, bedeutet das übersetzt, dass ich ihn KURZ informiere, KURZ einweise, KURZ instruiere oder KURZ unterrichte. Mit einer kurzen Information haben die meisten Briefings jedoch überhaupt nichts zu tun. Sie enthalten oft viele Informationen und kommen daher als ausgewachsene Besprechungen daher.

Ein Beispiel für ein Briefing von einem Chef für seinen Mitarbeiter könnte z. B. folgendermaßen aussehen:

„Herr Maier, bitte melden Sie sich beim Kunden XYZ. Er braucht bis morgen eine neue Pressemitteilung zum Thema ABC.“

Das ist eine kurze und knackige Anweisung. Wenige Informationen, jedoch weiß Kollege Maier, was er zu tun hat. Solche Briefings gibt es in deutschen Büros tausende und abertausende täglich. Doch komischerweise werden diese Aufforderungen nicht als Briefing anerkannt. Denn sie sind offenbar zu kurz. Als Briefing wird gemeinhin das angesehen, was Kollege Maier dann beim Telefonat mit dem Kunden erwartet. Hier werden u. a. folgende Fragen geklärt:

Was ist das Thema der Pressemitteilung?
Welche Punkte soll die Pressemitteilung im Einzelnen behandeln?
Wer ist die Zielgruppe?
Was will der Absender mit der Pressemitteilung erreichen?
Wer ist Zitatgeber, was sagt er genau und warum spricht gerade dies Person?
Wie lang soll die Pressemitteilung sein?
Welche Personen und Abteilungen müssen die Pressemitteilung freigeben?
Wann will der Kunde die Pressemitteilung genau versenden?
Über welche Kanäle soll die Pressemitteilung verbreitet werden?

Diese Fragen sind wichtig und unerlässlich, wenn man für seinen Kunden eine gute Pressemitteilung schreiben will. Doch frage ich mich als Mensch, der grundsätzlich in Zeitnot ist: Ist ein solches Telefonat tatsächlich kurz? Und wenn das ein kurzes Briefing ist – wie sieht dann eine lange Arbeitsanweisung aus?


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