Home Neudeutsch für Anfänger Was ist eigentlich ein Shitstorm?

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Die Blogger und Internet People dieser Welt wissen selbstverständlich, was ein Shitstorm ist. Doch wer im Internet nur Kontoauszüge prüft, Reisen bucht oder auf bunte.de surft, könnte seine Probleme mit diesem Wort haben. Denn die wortwörtliche Übersetzung „Scheißesturm“ hilft für das Verständnis nicht weiter.

In Deutschland bekam der Begriff „Shitstorm“ erst durch Social Media und Web 2.0 eine Daseinsberechtigung. Shitstorms treten vor allem in Blog-Kommentaren auf, bei Twitter und in Facebook. Es handelt sich hierbei um Empörungswellen, die unzählige Kommentare mit sich bringen – teils beleidigend und aggressiv. Diese Kommentare richten sich gegen Unternehmen oder einzelne Personen und erregen meist große Aufmerksamkeit. Ein jüngeres Beispiel ist der Werbespot der ING-DiBa:

Ich fand diesen Spot sehr niedlich. Doch so entspannt sahen das nicht alle. Auf der Facebook-Seite der ING-DiBa beschwerten sich tausende Vegetarier und Veganer. Zuerst kritisierten sie noch die Werbung, dann diskutierten sie eifrig über das Fleischessen an sich und nutzen die Plattform für interkulinarische Grabenkämpfe. Zwei Wochen lang ließ die ING-DiBa das Treiben auf ihrer Facebook-Seite zu. In dieser Zeit erregte die Bank eine hohe Aufmerksamkeit, jedoch trat der Unternehmenszweck komplett in den Hintergrund. Aus diesem Grund setzte sie dem Shitstorm ein Ende:

“Liebe Fans und liebe Diskussionsteilnehmer, in über 1.400 Posts mit rund 15.000 Kommentaren wurden in den letzten zwei Wochen auf unserer Pinnwand die Themen Ernährung und vegane Lebensweise ausgiebig diskutiert. Dabei wurden wohl alle denkbaren Meinungen und Argumente ausgetauscht. Wir haben das interessiert verfolgt und gerne die Plattform für die Diskussionen bereitgestellt. Wir als Bank haben das Ziel, unseren Kunden attraktive Finanzprodukte und einen guten Service anzubieten. Um den Anliegen unserer Kunden und Interessenten wieder mehr Raum zu geben, werden wir nun neue Posts zu den genannten Themen von der Pinnwand entfernen. Die bisherigen Posts bleiben selbstverständlich bestehen und werden auch weiterhin genügend Platz für Diskussionen bieten. Viele Grüße, Ihre ING-DiBa”

Meiner Ansicht nach hat die Bank damit sehr klug gehandelt. Sie hat den Shitstorm passieren lassen, nichts zu vertuschen versucht, nach einer gewissen Zeit jedoch von ihrem „Hausrecht“ Gebrauch gemacht und die Sache beendet. Damit konnte sie einen Reputationsschaden vermeiden, den viele andere Shitstorms bereits nach sich gezogen hatten.

Wer etwas Zeit übrig hat und sich weiter über das Thema informieren will, kann sich auf YouTube den Vortag von Sascha Lobo ansehen „How to survive a shit storm“ (re:publica 2010):

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