Home Einfach schön schreiben Das unerwünschte Ausrufezeichen in der Redaktion

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Anfang der Woche bedauerte ich das leise Aussterben des Ausrufezeichens in unserer täglichen Kommunikation. Denn in Briefen und E-Mails kennzeichnen nur noch wenige Menschen ihre Aufforderungen mit einem Ausrufezeichen. Hier ist dieses Satzzeichen also erwünscht – wenn es an der richtigen Stelle steht. Doch wie sieht es mit redaktionellen Texten aus? Darf ich hier Ausrufezeichen setzen?

Zur Klärung dieser Frage habe ich etwas in Wolf Schneiders „Deutsch für Profis” geschmökert. Das habe ich schon lange nicht mehr gemacht – allerdings sollte ich es öfter tun. Denn selbst wenn man täglich schreibt und immer alle Regeln befolgen will, macht man ständig Fehler. Gerade heute bin ich dafür ein sehr gutes Beispiel: Täglich zähle ich meine Silben, streiche ich eingeschobene Nebensätze und mache ich einen großen Bogen um passive Verbformen. Doch habe ich mir eine blöde Marotte angewöhnt, weil ich eine andere Regel schlichtweg vergessen habe.

Diese Regel besagt, dass man Ausrufezeichen sparsam einsetzen sollte. Vor allem dürfen Ausrufezeichen den eigenen Worten niemals als Tusch nachgeschickt werden. Da kann ich nur sagen: Schuldig im Sinne der Anklage! Ausrufezeichen! Tusch! Denn das mache ich besonders gerne. Ich stelle etwas Wichtiges fest und kröne diesen Satz mit einem Ausrufezeichen. Fast so, als wollte ich sagen: „Das hier meine ich besonders ernst.“ Leider habe ich mir damit eine verpönte Marotte angewöhnt. Künftig werde ich versuchen, dieses Fehlverhalten abzustellen. Versprochen.

PS: Das Ausrufezeichen nach einer eigenen Aussage ist übrigens genauso verpönt wie Klammern, Parenthesen und die verschwörerischen drei Punkte am Ende eines Satzes…


2 Kommentare für diesen Artikel
  1. Das Ausrufezeichen kann in Überschriften hervorheben, dass die folgende Nachricht oder der folgende Artikel etwas besonders Wichtiges, Unerhörtes oder Dringliches sind.

    Insofern finde ich es keineswegs unerwünscht, sondern nützlich. Man muss es nur bewusst einsetzen.