Home Deutsche Sprache, ... Der leise Abschied des Ausrufezeichens

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Immer wieder bekomme ich E-Mails, die Arbeitsaufträge, Bitten und Anfragen enthalten. Dort lese ich Sätze wie z. B. „Bitte bereiten Sie eine Pressemitteilung zu diesem Thema vor.“ Schon seit Längerem fällt mir auf, dass die Absender keine Ausrufezeichen am Satzende verwenden. Doch nicht nur in E-Mails fehlt dieses Satzzeichen. Niemand scheint mehr Verwendung für das gute alte „!“ zu haben – außer vielleicht die marktschreierische Werbung.

Selbstverständlich muss man nicht immer ein Ausrufezeichen setzten. Wenn man jemanden ohne Nachdruck zu etwas auffordert, kann man das Ausrufezeichen weglassen: „Komm doch am Samstag mal vorbei.“ Wenn man jemanden mit Nachdruck zu etwas auffordert, sollte man das Ausrufezeichen jedoch setzen: „Bereiten Sie hierzu bitte schnellstmöglich eine Pressemeldung vor!“

Das Ausrufezeichen unterstreicht die Dringlichkeit einer Bitte – und wird daher wohl oft als unhöflich angesehen. Vielleicht verzichten viele Menschen deswegen lieber ganz darauf. Das wäre eine mögliche Begründung für das langsame Aussterben des Ausrufezeichens. Ich persönlich fände es sehr schade, wenn das Ausrufezeichen verschwinden würde. Denn es macht unsere Sprache bunter und lebhafter. Es ist ein Satzzeichen wie jedes andere auch und erfüllt viele sinnvolle Zwecke:

  • Es hebt Ausrufe hervor: Nein! Doch! Oh!
  • Es kennzeichnet Bitten und Aufforderungen: Bitte reiche mir das Brot!
  • Es dient zur Anrede: Liebe Genossinnen und Genossen!

Abschließend noch zwei Beispiele zum richtigen Gebrauch von Ausrufezeichen und Anführungszeichen bei Zitaten. Hier fällt das Ausrufezeichen nicht weg, nur weil es auf ein anderes Satzzeichen trifft, z. B.:

  • „Fahrt vorsichtig!“, rief er seinen Freunden zum Abschied zu.
  • Seinen Freunden rief er zum Abschied zu: „Fahrt vorsichtig!”

4 Kommentare für diesen Artikel
  1. Wir haben sieben Satzzeichen im Deutschen.

    Wolf Schneider hat dazu jüngst in der Beilage der „ZEIT“ („Wie Sie besser schreiben“) einen lesenswerten Beitrag verfasst: „Mit Satzzeichen Musik machen“.