Home Neudeutsch für Anfänger Warum „form follows function“ nicht immer gut ist

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Wer in seinem Berufsleben mit Werbeagenturen zusammenarbeitet, lernt schnell, was ein Pitch ist. Wer während dieser Zusammenarbeit mit Designern zu tun hat, stößt früher oder später auf einen wichtigen Gestaltungsleitsatz. Dieser ist oft sinnvoll, wird manchmal aber auch als Ausrede missbraucht: „form follows function“.

Der Ausdruck „form follows function“ heißt wörtlich übersetzt so viel wie „die Form folgt aus der Funktion“. Gerade in der Architektur oder dem Produktdesign findet man diesen Grundsatz: Bevor man etwas hübsch machen kann, muss es seinen Zweck erfüllen! So muss ein Löffel immer Platz für etwas Suppe bieten, egal in welcher Form. Jedes Fahrrad braucht Räder, ob Mountainbike, Rennrad oder Oma-Fahrrad mit tiefem Einstieg. Und ein Schreibtisch kann zwar eckig, rund oder nierenförmig sein – aber er hat immer eine glatte Platte. Der Grundsatz schränkt den Designer zwar bei der Gestaltung ein. Jedoch stellt er gleichzeitig sicher, dass man das fertige Produkt auch benutzen kann.

Selbstverständlich verwenden besonders tolle Menschen den Begriff „form follows function“ auch außerhalb der Architektur und des Designer-Lebens. Hier ein paar Beispiele:

  • Sie entschuldigen ihre hässlichen One-pager damit, dass diese inhaltlich ok sind: form follows function!
  • Sie räumen ihren Schreibtisch nicht auf, denn schließlich können sie noch gut daran arbeiten: form follows function!
  • Ein besonders scheußliches, männliches Exemplar „entschuldigte“ sogar einmal einen Babybauch mit den Worten „form follows function!“

Gerade das letzte Beispiel zeigt, dass manche Begriffe ihren natürlichen Lebensraum lieber nicht verlassen sollten.

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