Home Einfach schön schreiben Amtsdeutsch ist sexy!

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Amtsdeutsch ist leicht zu verstehen und unglaublich sexy! Das scheinen viele Pressearbeiter zu denken, denn schließlich lese ich es ständig in Meldungen oder Newslettern. Da ist von „Herausforderungen“ und „Innovationen“ die Rede. Passiv gibt es zuhauf, ebenso Klammern und Endlossätze. Und es drängt sich die Frage auf, ob der Autor überhaupt will, dass man seinen Text liest.

Wann schreiben wir Amtsdeutsch? Wenn wir wollen, dass der Leser so wenig wie möglich versteht. Gesetze sind so formuliert – was einen zwingt, bei Rechtsfragen einen Anwalt aufzusuchen. Behörden schreiben ihre Briefe mit vielen Substantiven und passiven Verben. Denn der Inhalt ist oft schlecht, was wir nicht sofort merken sollen. Amtsdeutsch verschleiert und sorgt für Unverständnis. Daher hat es in Presseschriften und Werbung nichts verloren!

Der Begriff „Amtsdeutsch“ umfasst vieles, was sperrig und unverständlich ist. Dazu zählen vor allem:

  • Substantive statt Verben, z. B. in Abzug bringen statt abziehen
  • Bestimmte Präpositionen, z. B. mittels, betreffs, zwecks
  • Passiv statt Aktiv
  • Sperrige Substantive, z. B. Inbetriebnahme, Nichtbefolgung, Herausforderung
  • Fremdwörter

Beispiel 1: Welchen Messestand würden Sie lieber besuchen?

„An unserem Messestand können sich Besucher betreffs rechtlicher Fragestellungen und innovativer Restrukturierungsmöglichkeiten beraten lassen.“

oder

„An unserem Messestand beantworten wir Ihnen all Ihre Fragen: Wie kann ich mein Unternehmen umbauen? Was muss ich beachten? Wie sieht die rechtliche Seite aus? …“

Beispiel 2: In welches Geschäft würden Sie lieber gehen?

„Unter großen Anstrengungen wurden unsere Ladengeschäfte für Sie optimiert. Nach vielen Herausforderungen erwarten Sie nun ein innovatives Gestaltungskonzept und umfangreiche Neuerungen.“

oder

„Wir haben für Sie umgebaut! Große Räume und viel Licht machen Ihren Einkauf ab sofort zu etwas ganz Besonderem. Erleben Sie es selbst!“

Fazit

Es geht nicht darum, besonders reißerisch oder originell zu schreiben. Kurze Sätze, aktive Verben und einfache Wörter reichen meist völlig aus.

3 Kommentare für diesen Artikel
  1. Amtsdeutsch, Fachtermini, Fremdwörter und gewählte Ausdrucksweisen sind als gehobene Sprache zu betrachten und ergeben sich in der Kommuniktion gebildeter Menschen von selbst.
    Der Versuch, diese gehobene Sprache durch Straßen-Jargon ersetzen zu wollen ist lachhaft und nicht ernst zu nehmen (…ist die „Neue Rechtschreibnorm“ übrigends auch).

    • Genau! Unsere Welt ist eine Scheibe und besteht nur aus schwarz und weiß bzw. vermeintlich „gehobener Sprache“ und „Straßen-Jargon“.