Home Neudeutsch für Anfänger Airtime beim Chef: Sendezeit oder Achterbahnfahrt?

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Wenn man früher etwas mit seinem Chef besprechen wollte, hat man sich einen Termin geben lassen. Das ist heute out. Wer als Chef etwas auf sich hält, vergibt keine Termine mehr – er stellt Airtime zur Verfügung. Die eine Bedeutung dieses Begriffs ist recht harmlos. Doch gibt es eine zweite Bedeutung, die manchmal viel besser passt.

Wörtlich übersetzt bedeutet Airtime so viel wie Luftzeit. Im journalistischen Jargon ist damit die Sendezeit gemeint, die ein Programm zugewiesen bekommt. Die Airtime der „Tagesschau“ läuft von 20.00 Uhr bis 20.15 Uhr. Airtime bei einem Chef ist damit die Zeit, in der man seine Informationen senden darf. Das kann in einem regelmäßigen Jour Fixe sein oder in einem spontanen Gespräch zwischen Tür und Angel. Wichtig ist, dass man selbst senden darf und der Chef auf Empfang gestellt hat. Umgekehrt geht es selbstverständlich auch: Man empfängt Informationen, die der Chef sendet.

Jedoch gibt es noch eine zweite Bedeutung des Begriffs Airtime. Airtime ist nämlich auch das Gefühl der Schwerelosigkeit, das man beim Achterbahnfahren bekommt. Es wird turbulent, man hebt aus seinem Sitz ab und verliert kurzzeitig den Boden unter den Füßen. Und nun beziehen wir diese Definition einmal auf die Beziehung Chef/Mitarbeiter!

Da wird aus der harmlosen Sendezeit eine Achterbahnfahrt, die jeder Mitarbeiter fürchtet. „Oh mein Gott, ich habe heute Jour Fixe beim Chef!“ hört man die Kollegen stöhnen. Entsetzen macht sich breit, das nur noch mit Baldrian-Tropfen bekämpft werden kann. Ja, es gibt auch solche Airtime. Vornehmlich bei cholerischen, unfähigen Chefs. Für diese ist Airtime die Zeit, in der sie sich abreagieren können. Der Mitarbeiter bangt in dieser Zeit um Job, Haus und Hof. Ihm wird schwindelig und er hat das Gefühl, dass ihm sein Sessel unterm Hintern weggezogen wird.

Wollen wir hoffen, dass die zweite Variante nur eine Ausnahme ist …

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