Home Deutsche Sprache, ... Wer nicht frägt, bleibt dumm!

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Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen Deutschlehrer in der Mittelstufe: Porsche-Fahrer, Zahnärztin-Gatte, finanziell unabhängig und daher stinkend faul! Der Unterricht war eine einzige Katastrophe, ständig waren Prüfer des Kultusministeriums im Haus. Doch bei einer Sache hatte er Recht: „Man frägt keine Fragen, schließlich sägt man auch keine Antworten!“

In der Kurpfalz hat sich eine furchtbare Sitte eingenistet. Die Menschen in dieser Region fragen ihre Fragen nicht mehr: Sie frägen sie! Selbstverständlich entwickeln sich Sprachen weiter. Doch ich frage mich: Wie kommt man auf die Idee, einem klaren, einfachen Wort zwei Pünktchen anzudichten? Es spricht sich dadurch nicht leichter. Es schafft keine Abgrenzung zu einem ähnlichen, anderen Wort. Noch nicht einmal auf den englischen Einfluss kann man es schieben – denn diese Sprache kennt gar keine Pünktchen.

Ich finde die Pünktchen über dem A extrem nervig – selbst wenn sie der Duden* als landschaftlich kennzeichnet und damit zulässt. Sie entstellen ein hübsches Wort und geben ihm einen nervigen, gequälten, quengeligen Ton. Auch wenn es momentan nur die Formen du frägst und er/sie/es frägt gibt, ist die weitere Entwicklung programmiert. Künftig könnte ein Gespräch zwischen einem landschaftlichen Vater und seinem landschaftlichen Sohn folgendermaßen lauten:

„Frägst du mal deine Mutter, wann es heute Essen gibt!“
„Warum frägst du sie nicht selbst?“
„Das frägst du noch? Immer wenn ich sie etwas fräge, kommt eine Gegenfräge. Bitte fräg du!“
„Du kannst mich nicht immer vorschieben, deine Frägen zu frägen! Außerdem ist es frägwürdig, ob ich eine Antwort auf deine Fräge bekomme! Fräglos wird sie erkennen, dass es eigentlich deine Fräge ist.“

Da säge ich nur: Schöne neue, landschaftliche Welt! 😉

* Duden. Die deutsche Rechtschreibung. 24., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Herausgegeben von der Dudenredaktion. Auf der Grundlage der neuen amtlichen Rechtschreibregeln. Duden Band 1. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 2006.

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