Home Deutsche Sprache, ... Groß- oder Kleinschreibung nach einem Doppelpunkt

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Immer wieder sitze ich da und grübele, ob man ein Wort nun groß- oder kleinschreibt. Je mehr ich mich mit der deutschen Sprache beschäftige, desto verwirrter werde ich. Oft hilft dann nur noch ein Blick in den Duden. Es gibt jedoch eine Handvoll Regeln, die halbwegs verständlich sind.

So beantwortet sich die Frage relativ einfach, wie man nach einem Doppelpunkt weiterschreiben muss. Die wichtigsten Regeln habe ich hier einmal zusammengestellt. Gerade für Berufsschreiber sind diese interessant. Denn der Doppelpunkt zählt zu den gern gesehen Satzzeichen – genauso wie der Gedankenstrich.

Oft steht ein Doppelpunkt zu Beginn einer wörtlichen Rede. Dann ist alles klar. Denn in einem solchen Fall wird danach immer groß geschrieben:

Der Nachrichtensprecher sagte: „Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi wird zurücktreten.“

Außerdem schreiben wir nach einem Doppelpunkt groß weiter, wenn ein eigenständiger Satz folgt:

Die Regierungskoalition verteidigt die geplanten Steuersenkungen: Gerade die kleinen und mittleren Einkommen würden profitieren.

Des Weiteren sagt der Duden*, dass man Aufzählungen und Zusammenfassungen nach einem Doppelpunkt kleinschreibt.

Mit spekulativen Finanzgeschäften setzte er alles aufs Spiel: sein Haus, sein Auto, sein Pferd.

Soweit war die Sache recht einfach und klar. Doch nun kommt wieder das übliche Wischi-Waschi. Denn eigentlich schreibt man nach einem Doppelpunkt klein weiter, wenn ein unvollständiger Satz oder ein Nebensatz folgt. ABER: „Sieht man diesen Ausdruck als selbstständig an, so schreibt man ihn groß […]“* Auf gut Deutsch heißt das, dass wir wieder einmal machen dürfen, was wir wollen.

Ich fasse zusammen…

Nach einem Doppelpunkt schreiben wir groß weiter, wenn eine wörtliche Rede oder ein neuer Satz kommt. Kleingeschrieben wird bei Aufzählungen. Bei allen anderen Satzformen oder Ausdrücken entscheidet der eigene Geschmack. Ich frage mich nur, wie Deutschlehrer solche Regeln korrigieren wollen.

 

* Duden. Richtiges und gutes Deutsch. Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle. 6., vollständig überarbeitete Auflage. Herausgegeben von der Dudenredaktion. Bearbeitet von Peter Eisenberg unter Mitwirkung von Franziska Münzberg und Kathrin Kunkel-Razum. Auf Grundlage der neuen amtlichen Rechtschreibregeln. Duden Band 9. Mannheim, Zürich 2007.