Home Neudeutsch für Anfänger Driver’s Seat – Segen oder Fluch?

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Projektbesprechung in einem schicken Großraumbüro. Der Chef philosophiert und verteilt Aufgaben. Am Ende der Sitzung erfährt Kollege Kuntze, dass er bei diesem Projekt im Driver’s Seat sitzt. Was sich anhört wie eine Degradierung zum Chauffeur, ist in Wahrheit noch viel schlimmer.

Driver’s Seat heißt übersetzt so viel wie Fahrersitz. Im übertragenen Sinne bedeutet dies, dass Kollege Kuntze beim anstehenden Projekt das Sagen hat. Er darf koordinieren, sich mit anderen Kollegen und Dienstleistern herumschlagen und den Kopf hinhalten, wenn etwas schief geht. Wenn das Projekt misslingt, trägt er die Verantwortung. Schließlich war er im Driver’s Seat. Wenn das Projekt ein Erfolg wird, ist das jedoch nur dem Chef zu verdanken. Denn er war es, der den richtigen Mann in den Driver’s Seat gesetzt hat. Und außerdem hat er ganz toll hinter den Kulissen die Fäden gezogen.

Chefs verlangen gerne, dass man Verantwortung übernimmt und in den Driver’s Seat wechselt. Und sicherlich schadet es nicht, wenn man sich durch Erfolge auszeichnen kann. Wenn das Umfeld die Erfolge demjenigen im Driver’s Seat zuschreibt, lohnt sich ein Ausflug auf dem Fahrersitz. Oft spielt das Leben aber anders: Der Driver lenkt das Auto sicher ans Ziel; der Chef ruht sich auf dem Rücksitz aus. Am Ziel öffnet ihm der Driver noch schnell die Tür – und der Chef schreitet händeschüttelnd und breit lächelnd über den roten Teppich. Der Driver parkt unterdessen den Wagen hinterm Haus und darf sich noch nicht einmal am Büfett satt essen.