Home Neudeutsch für Anfänger Bei uns läuft alles „business as usual”

Print Friendly

Korruptionsaffären, Vorstandsentlassungen, Razzien der Staatsanwaltschaft: Manchmal geht es in deutschen Unternehmen oder bei deren Vorständen zuhause heiß her. Doch selbst wenn die Welt einstürzt, bewahren Kommunikationsexperten einen kühlen Kopf: „Bei uns ist alles business as usual!“

Dreiste Lügen, Ignoranz oder tatsächliches Unwissen? Oft fühlen wir uns als Zuhörer verkohlt, wenn uns Manager erzählen wollen, dass alles ganz normal laufe. Tepco erzählt uns, dass es niemals eine Kernschmelze gab und geben wird. Unsere Politiker reden uns ein, dass wir unsere Griechenland-Milliarden sicher zurückbekommen. Und bei jedem neuen Lebensmittelskandal besteht grundsätzlich „keine Gefahr für die Bevölkerung“. Sie wollen uns glauben machen, dass alles normal ist. Die Geschäfte laufen wie gewöhnlich – eben „business as usual“.

Man kann also davon ausgehen, dass nichts normal läuft, wenn irgendjemand beteuert, alles sei „business as usual“. Irgendwie muss ich bei diesem Ausspruch immer an Erich Maria Remarque denken. Der junge Soldat Paul Bäumer wird im Oktober 1918 an der Westfront erschossen. Und im Heeresbericht heißt es lapidar „Im Westen nichts Neues“. Im großen Ablauf der Weltgeschichte mag die eine oder andere Katastrophe verschwindend klein sein. Doch für den Einzelnen kann dabei eine Welt zusammenbrechen. Der Tepco-Mitarbeiter, der infolge seiner Verstrahlung an Krebs sterben wird. Der kleine Geschäftsmann, der wegen der Euro-Krise Haus und Hof verliert. Die Mutter, deren Kind trotz „keiner Gefahr für die Bevölkerung“ schwer erkrankt.

Man sollte also sehr aufpassen, ob und wann man den Ausdruck „business as usual“ verwendet…