Home Einfach schön schreiben Die Grenze zwischen spritzig-neu und plump-peinlich

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Um einen Text interessant zu machen, müssen wir Kunstgriffe anwenden. Wir müssen auf ein schönes Erscheinungsbild achten, die KISS-Regel einhalten und auf Adjektive verzichten. Auch sollten wir möglichst frisch und spritzig berichten. Doch wo genau verläuft die Grenze zwischen spritzig und peinlich?

Selbstverständlich müssen sich Journalisten und Kommentatoren immer etwas Neues einfallen lassen. Schließlich wollen sie ihre Leser und Zuhörer bei Laune halten. Und man kann nicht immer das Gleiche schreiben bzw. erzählen. Jedoch stellt sich die Frage, wann und wo man mit Kreativität aufwarten darf. Bei ernsten Themen sollte man tunlichst auf ausgefallene Formulierungen verzichten – sie wirken befremdlich und fehl am Platz. Aber auch bei seichten Themen muss man aufpassen, wie man sich ausdrückt. Was frisch und neu wirken soll, kann schnell peinlich und plump sein. Die Grenze lässt sich leider nicht definieren. Hier ist das Gespür jedes Einzelnen gefragt.

Nun folgen ein paar Beispiele, die ich in den vergangenen Tagen zusammengesammelt habe. Entscheiden Sie selbst: spritzig oder peinlich?

Beschreibung der Aktienkursentwicklung von Autobauern, Fluggesellschaften und Lebensmittelherstellern:

    „Peugeot fährt 1,9 Prozent vor.“
    „Lufthansa stürzt ab.“
    „Danone schmeckt den Aktionären nicht.“

Formel-1-Rennen in Monza. Sebastian Vettel startet zum 25. Mal von der Pole-Position:

    „Der Sepp und die Pole feiern Silberhochzeit.“

FDP-Chef Rösler bringt eine geordnete Insolvenz Griechenlands zur Sprache:

    „Skandal um Rösi.“

Körperscanner werden am Hamburger Flughafen wieder abgebaut:

    „Hamburger Peepshow beendet.“

Es ist schon eine Weile her, da zeigte das ZDF die Herr-der-Ringe-Saga. Da diese Filme bekanntlich etwas länger dauern, verschob sich der Beginn des heute-journals. Claus Kleber kündigte dies am Abend zuvor sinngemäß mit den Worten an: „Morgen beginnt das heute heute-journal erst um 23.30 Uhr. Frodo braucht so lange, um diesen dummen Ring loszuwerden.“ Objektiv betrachtet war das ein absolut unpassender Satz – schließlich ist das heute-journal eine seriöse Nachrichtensendung! Subjektiv betrachtet habe ich bei einer Nachrichtensendung noch nie so gelacht…

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