Home Neudeutsch für Anfänger Was bedeutet „just in time“?

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Redaktionsschluss, Bewerbungsschluss, Einsendeschluss – viele Aufgaben erledigen wir gerade noch rechtzeitig. Doch wäre die deutsche Sprache nicht die deutsche Sprache, wenn es dafür keinen englischen Begriff gäbe. Denn „gerade noch rechtzeitig“ bearbeitet niemand mehr eine Aufgabe. Heutzutage erledigt man Arbeiten „just in time“.

Ich erinnere mich dunkel, dass ich „just in time“ damals im BWL-Unterricht kennengelernt habe – das dürfte ein gutes Jahrzehnt her sein. Damals bezog sich dieser Begriff noch auf die Produktion von Waren. Die Rohstoffe wurden „just in time“ geliefert und sofort verarbeitet. Durch die passgenaue Lieferung konnte sich der Betrieb die Kosten für das Lager sparen. Oder so ähnlich…
Dieses Umfeld hat der Begriff schon längt verlassen. Jedoch trifft man auch heute noch auf Mitmenschen, die fragend gucken, wenn sie „just in time“ im normalen Leben hören. Wahrscheinlich erinnern sich diese Menschen an ihren einstigen BWL-Unterricht.

Heutzutage wird „just in time“ vornehmlich mit einem negativen Unterton verwendet, z. B. wenn der Kollege eine Aufgabe wieder einmal auf den letzten Drücker erledigt hat. Dann kommt gerne der Spruch: „Das war aber just in time!“ Übersetzt heißt dieser Satz so viel wie: „Das nächste Mal bitte nicht ganz so spät! Schone gefälligst meine Nerven, du Armleuchter!“

Verwechselt werden sollte „just in time“ daher niemals mit „pünktlich“! Denn eine pünktliche Lieferung, ein pünktliches Erscheinen und die Pünktlichkeit eines Menschen sind äußerst positive Dinge. Ein Hochzeitskleid, das „just in time“ geliefert wird? Ein Passagier, der „just in time“ seinen Flug erwischt? Ein Mensch, der grundsätzlich alles „just in time“ erledigt? Das sind Dinge, die zu grauen Haaren und Stresspickeln führen!

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