Home Deutsche Sprache, ... Sie oder sie? Du oder du?

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Die Rechtschreibreform sollte viele Dinge einfacher machen. Unterm Strich hat sie jedoch für Verwirrung gesorgt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Frage nach den Anredepronomen. Darf man „du“ überhaupt noch großschreiben? Kann man „Sie“ in bestimmten Fällen kleinschreiben? Antworten auf diese Fragen gibt es im heutigen Beitrag.

Vor der Rechtschreibreform mussten wir „du“ und „ihr“ großschreiben, wenn wir Freunden einen Brief schrieben: Es wäre so schön, wenn Du/Ihr mitkommen könntest/könntet! Nach der Rechtschreibreform dürfen wir auf diese höfliche Großschreibung verzichten: Es wäre so schön, wenn du/ihr mitkommen könntest/könntet! Ich schreibe „dürfen“, weil es kein Zwang ist. Wer will, kann das „du“ in Briefen auch weiterhin großschreiben. Die entsprechende Duden*-Regel lautet folgendermaßen:

  1. Die [vertraulichen] Anredepronomen „du“ und „ihr“ sowie die entsprechenden Possessivpronomen „dein“ und „euer“ werden im Allgemeinen kleingeschrieben.
  2. In Briefen kann auch großgeschrieben werden.

Anders sieht die Sache aus, wenn man jemanden siezt. Diese Anredepronomen muss man immer großschreiben. Der Duden* führt hierzu aus.

  1. Die Höflichkeitsanrede „Sie“ und das entsprechende Possessivpronomen „Ihr“ werden immer großgeschrieben.
  2. Das rückbezügliche Pronomen „sich“ schreibt man dagegen klein.

Sie oder sie – Achtung, Verwirrung!

Ob wir nun also in einem Brief „du“ oder „Du“ schreiben, ist völlig egal. Denn der Sinn bleibt immer der gleiche. Aufpassen müssen wir jedoch, wenn wir einen Brief in der Sie-Form verfassen. Hier kann es schnell zu Missverständnissen kommen, wenn wir die Groß- und Kleinschreibung durcheinander bringen. Ein paar Beispiele:

„Die Herren Politiker scheinen die Sache nicht verstanden zu haben. Wenn ich mir Ihre Ausführungen anschaue, zweifle ich an Ihrer Intelligenz!“

Gemeint waren wohl die Ausführungen der Politiker, aber wenn man es so schreibt, bekommt man Ärger mit dem Adressaten des Briefes.

„Ich würde mich freuen, Sie und Ihre Geschäftspartner zu meiner Jubiläumsfeier begrüßen zu dürfen. Ich hoffe, sie können meiner Einladung folgen.“

Wahrscheinlich wollte der Absender sagen, dass er den Adressaten gerne sehen würde. Geschrieben hat er jedoch, dass er dessen Geschäftspartner empfangen möchte.

„Die Äußerungen Ihrer Kollegen sind inakzeptabel. Ich hoffe, sie werden diese Angelegenheit für mich bereinigen!“

Warum sollten die Kollegen die Angelegenheit bereinigen?

* Duden. Die deutsche Rechtschreibung. 24., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Herausgegeben von der Dudenredaktion. Auf der Grundlage der neuen amtlichen Rechtschreibregeln. Duden Band 1. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 2006.