Home Einfach schön schreiben Erst denken, dann Synonym suchen!

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Eines muss jeder Journalist von Anfang an vergessen: Die Regeln aus dem Deutschunterricht! Hier war ein Aufsatz nur gut, wenn er aus langen Schachtelsätzen bestand. Wortwiederholungen waren tabu. Stattdessen tobte der Wettstreit, wer die meisten Synonyme finden konnte. Eine Unsitte, die selbst gestandene Journalisten nicht ablegen können.

Bitte nicht falsch verstehen – Synonyme sind nicht immer schlecht! Verben oder Adjektive darf man gerne austauschen. Das belebt den Text und macht ihn nicht langweilig. Statt immer nur „laufen“ zu schreiben, kann man auch das Wort „gehen“ verwenden. Je nachdem wie sportlich es dabei zugeht, kann man auf die Worte „rennen“, „promenieren“, „wandern“ oder „eilen“ zurückgreifen. Im Einzelfall kann sogar „sich bewegen“ passen. Das ist wichtig: Die Worte müssen den Sinn treffen und auf jeden Fall verständlich sein!

Auch Adjektive darf man nach Herzenslust austauschen. Denn eine Frau kann z. B. nicht nur „schön“ sein. Die Worte „hübsch“, „gutaussehend“ oder „attraktiv“ passen ebenso gut. Hierdurch wird weder der Sinn entstellt, noch gerät der Textfluss ins Stocken. Anders sieht die Sache jedoch bei Substantiven aus.

Der Name eines Menschen reicht nicht aus, um ihn eindeutig zu identifizieren. Dies denken offensichtlich viele Journalisten. Da wird „Michael Schumacher“ zum „Schumi“ und dann zum „Kerpener“. Der „Papst“ wird im zweiten Satz zu „Seiner Heiligkeit“, im dritten zum „Vertreter Gottes auf Erden“. Als wenn ihn jeder Leser als solchen akzeptieren würde… Doch wenigstens treffen diese Synonyme noch halbwegs den Sinn. Bei manchen Ableitungen bleibt die Verständlichkeit jedoch vollends auf der Strecke.

Mein aktuelles Lieblingsbeispiel ist „Muammar al-Gaddafi“. „Libyens Staatsoberhaupt“ ist außerdem der „Machthaber“ – oder schon nicht mehr? Er ist der „Diktator“, jedoch nicht der einzige auf der Welt. Als „Wüsten-Neurotiker“ wurde er auch schon betitelt. Am unsinnigsten finde ich jedoch das Synonym „Revolutionsführer”. Wie bitte? Habe ich da etwas nicht mitbekommen? Das war einmal. Im Jahr 2011 ist dieses Wort jedoch völlig unbrauchbar.

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