Home Deutsche Sprache, ... Genitiv von einem „von“ schwer verletzt!

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Bastian Sick bezeichnete es einst als „verwirrenden Vonitiv“. Seit dieser Ausgabe des Zwiebelfischs sind mehr als fünf Jahre vergangenen. Die deutsche Presse hat sich den „Vonitiv“ jedoch immer noch nicht abgewöhnt. Eigentlich konsequent. Heutzutage ist schließlich jede richtige Form des Genitivs beliebt wie Fußpilz.

Wegen dir und dem schlechten Wetter kann ich nicht ins Freibad gehen. Dabei hat die Mutter von Silke Freikarten.

Drei Fehler in zwei kurzen Sätzen! Die ersten beiden springen meinem geneigten Leser sofort ins Auge: „Wegen dir“ muss „deinetwegen“ heißen. Und „wegen dem schlechten Wetter“ sollte dringend ausgetauscht werden durch „wegen des schlechten Wetters“. Doch auch die „Mutter von Silke“ ist falsch. Man darf davon ausgehen, dass Silkes Mutter Freikarten hat. Dass die Mutter Freikarten von Silke erhalten haben soll, erscheint weniger logisch. Der Gebrauch des Wörtchens „von“ ist an dieser Stelle verwirrend und sollte daher vermieden werden. Richtig und eindeutig könnte es heißen:

Deinetwegen und wegen des schlechten Wetters kann ich nicht ins Freibad gehen. Dabei hat Silkes Mutter Freikarten.

Die Genitiv-Bildung mit dem Wörtchen „von“ ist über alle Maßen beliebt. Zwar ist sie immer stillos – aber meist nicht weiter schlimm. So titelten die „Deutsch türkischen Nachrichten“ am 3. August 2011:

Jana Beller schlägt zurück: Vater von Heidi Klum hat sie enttäuscht

„Heidi Klums Vater“ wäre zwar besser gewesen, jedoch weiß jeder wer gemeint ist. Daher ist dieser Fall nicht besonders tragisch. Ebenso das nächste Beispiel („Focus online“ am 27. Juli 2011):

Vater von Amy Winehouse: „Sie war glücklich, clean und abstinent“

Schwieriger wird die Sache, wenn man vor lauter „von“ nicht mehr weiß, wer gemeint ist. Verwirrend war z. B. eine Überschrift bei „n-tv“ am 28. Juli 2011:

Britischer Medienskandal: Mutter von Sarah abgehört

Warum hört Sarah ihre eigene Mutter ab? Ist Sarah Teil des Medienskandals? Wie hieß noch einmal diese rotgelockte Murdoch-Vertraute mit Vornamen? Äußerst verwirrend und für den deutschen Leser nicht einleuchtend. Der kennt schließlich nicht den „Fall Sarah“. Und weiß daher nicht, dass die einzig logische Erklärung ist, dass Sarahs Mutter abgehört wurde.

Gerade bei reißerischen Überschriften findet man den Genitiv mit „von“:

Mutter von Zwillingen entführt
Tochter von Filmstar angefahren
Mörder von zwei Mädchen verurteilt

Warum entführen Zwillinge eine fremde Mutter? Warum fährt der Filmstar seine eigene Tochter über den Haufen? Können zwei Mädchen einen Mörder allein verurteilen – ohne Gericht? Diese Fragen könnten sich stellen, wenn man den Genitiv mit „von“ bildet. Eine Verwirrung, die vermieden werden kann. Wenn man es gleich richtig macht:

Zwillingsmutter entführt
Tochter eines Filmstars angefahren
Mädchenmörder verurteilt

Besonders wortgewandt sind diese Überschriften sicher nicht – die falschen waren es aber auch nicht.

4 Kommentare für diesen Artikel
  1. Mutter von Zwillingen entführt…
    Ganz im Ernst, ich halte es nicht mehr aus, manchmal ist mir danach Leute anzuschreien die einen solchen verbalen Durchfall von sich geben. Ich kann es einfach nicht mehr hören. Ich kann keine Zeitung mehr lesen, nicht mehr Fern sehen oder Radio hören (schade ums radiohören) überall nur pure Sprachverblödung. WAS KANN MAN TUN? Ganz im Ernst, wie kann man die Deutschen von ihrem Weg in die Verblödung abbringen?

    „Wem seiner?“ (wessen)

    „Gestern wo (als) ich nach hause kam“

    „Fernsehgucken“ (Fern sehen/fernsehen)

    usw.

    • Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich immer verwirrter werde, je mehr ich mich mit der deutschen Sprache beschäftige. Doch auf einen ist immer Verlass: meinen lieben Duden. Daher halte ich mich an das, was er als Standardsprache bezeichnet – auch wenn es daneben sicherlich viele weitere Meinungen gibt. Aber irgendeine Konstante muss man sich ja suchen…