Home Neudeutsch für Anfänger Und jetzt machen wir eine long story short

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Jour Fixe mit einem Projektleiter. Der gute Mann labert und labert und labert. Von Problemen, die er bei anderen Projekten hatte. Von Bürokratie und der Arbeitsmoral städtischer Beamter. Von den vollen Windeln seines Sohnemannes. Die Zeit verrinnt und kurz vor Ende kommt der alles entscheidende Satz: „To make a long story short…“

Wer bis jetzt im Geiste seine Küche umgebaut oder seinen nächsten Urlaub geplant hat, sollte schnell aufwachen. Denn nun kommen die einzigen wichtigen Informationen dieses Zusammentreffens. Die Floskel „to make a long story short“ bedeutet übersetzt „Lange Rede, kurzer Sinn!” Also folgt nun die Zusammenfassung des bisher Gesagten – und meist eine Verteilung der Aufgaben. Hier sollte man also auf jeden Fall aufpassen!

Jedoch scheinen viele Gesprächsleiter und Monolog-Redner eine Sache zu vergessen: Um eine „long story short“ zu machen, müsste sich der Inhalt der langen Geschichte irgendwie in der Zusammenfassung wiederfinden. Doch meist ist die „long story“ nur überflüssiges Gerede. Die „short story“ enthält oft ganz andere Informationen. Daher müssen sich die fleißigen Projektarbeiter keine grauen Haare wachsen lassen, wenn sie einmal mit ihren Gedanken abdriften: Es ist absolut legitim, die „long story“ zu verschlafen!

Man beachte übrigens

Die Einleitung „to make a long story short…“ ist nur Personen in leitenden Funktionen erlaubt! Als Angestellter sollte man diesen Satz tunlichst vermeiden – vor allem gegenüber Vorgesetzten. Die fühlen sich sonst ihrer Privilegien beraubt. Schließlich dürfen nur sie ihre Mitmenschen mit unnützen Erzählungen quälen.

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