Home Einfach schön schreiben Der Gedankenstrich – immer gern gesehen

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Zu viele Sonderzeichen verderben den Text! Sie stören das Erscheinungsbild und schrecken von vorn herein ab. Doch es gibt Satzzeichen, die den Leser ganz unbewusst an einen Text fesseln. Er muss einfach weiterlesen – ob er will oder nicht. Die Rede ist vom guten alten Gedankenstrich.

Ein gern gesehener Gedankenstrich tritt immer als Einzelgänger auf. Niemals darf man ihn mit einem anderen paaren. Das ergäbe nämlich eine so genannte Parenthese. Diese ist – mit Verlaub – äußerst störend. Denn wer möchte schon gerne in einem Gedankengang – und sei er noch so unbedeutend – unterbrochen werden. Niemand spricht mit Parenthesen: Also sollte man sie auch beim Schreiben vermeiden.

Tritt der Gedankenstrich jedoch allein auf, kann er einen wichtigen Einfluss auf den Leser gewinnen. Denn der denkt sofort: Achtung, jetzt wird es interessant! Eine ähnliche Wirkung hat übrigens der Doppelpunkt. Wer seine Leser also mittreißen möchte, sollte ab und an auf den Punkt verzichten – und stattdessen zum Gedankenstrich greifen. Mit ihm kann man z. B. einen gewollten Bruch innerhalb des Satzes verdeutlichen. Oder zwei Hauptsätze miteinander verbinden.

Beispiele für gern gesehene Gedankenstriche

  • Fürst Albert und seine Charlene sagten „Ja“ zu einander – und feierten dies die ganze Nacht.
  • Eine Angst belastet die Nation – die Angst vor der Schuldenfalle.
  • Parenthesen sind immer schlecht – genau wie eingeschobene Nebensätze.
  • Bundeskanzlerin Merkel bezeichnete das EU-Rettungspaket als alternativlos – und beendete damit jegliche Diskussion.

Wie so oft im Leben gilt auch hier: Weniger ist mehr! Wolf Schneider erklärt in seinem Buch Deutsch für Profis, dass ein Gedankenstrich maximal ein Mal pro Absatz vorkommen sollte. Wird er zu oft verwendet, nutzt sich der Aha-Effekt ab. Der Text wird zu ruppig und der Leser gestört.


7 Kommentare für diesen Artikel
    • Verstecken sich hinter einem Gedankenstrich keine Gedanken, ist er völlig unnütz. In einem positiven Kontext versteckt sich dahinter nur die Faulheit oder das Unvermögen des Autors. Ähnlich einem 🙂 wird nur verkürzt. Die Botschaft an den Leser ist: Hab keinen Bock, das in Worte zu fassen. Ich teile Ihre Einschätzung des Gedankenstrichs nicht.

      • Vielen Dank für diese konträre Meinung!

        Ich hoffe allerdings, dass meine Leser nicht glauben, meine Gedankenstriche seien Ausdruck meiner Lustlosigkeit. Fast 300 gut recherchierte Fachbeiträge in diesem Blog und mehr als 800 bebilderte und breitgefächerte Artikel in meinem zweiten sprechen hoffentlich eine andere Sprache.